II
[3]  BREITSCHEIDT, BERTA ANNA

2. 4.1918 in Borbeck

Paten: Anna Krämer geb. Breitscheidt, Wilhelm Schild, Schermbeck

oo  26. 9.1942 mit Wilhelm Pfeiffer in Essen-Bergeborbeck
* 30. 6.1914
+ 19. 4.1982

+ 27. 6.2009 (91) in Essen


II.
BREITSCHEIDT, JOHANNA ANTONIA

20. 5.1904 in Bergeborbeck

oo  8.12.1950 mit Theo Meier in Essen-Karnap
* ?.12.1900
+ ?.11.1980

Kinder: Keine

+  10. 7.1990 (86) in Rüdesheim-Assmannshausen


II.
BREITSCHEIDT, PETER JOHANN

21. 4.1906 in Bergeborbeck

oo  1. 3.1944 mit Martha Elpe in Wanne-Eickel
* 8. 4.1915

Kinder:
 Brigitte, * 26. 9.1946 oo  9. 3.1976 mit Hans-Werner Banaszak, * 1. 8.1944, + 22.10.1979
Kinder:
Bianca, * 3. 8.1979
Stefanie, * 9. 6.1984

Ursula, * 31. 3.1950 oo  30.12.1976 mit Dietmar Borkmann, * 18. 5.1942
Kinder:
Nina, * 13. 6.1977
Gero, * 21. 7.1981
Teja, * 7. 8.1983

30. 9.1988 (82) in Wanne-Eickel


II.
BREITSCHEIDT, WILHELM ANDREAS ARNOLD

7. 3.1913 in Bergeborbeck

oo  15. 9.1947 mit Katharina Gottar in Rüdesheim
* 22. 6.1915

Kinder:
Willi, * 6. 7.1948, oo  25. 9.1971 mit Renate Halm, * 14. 5.1951
Kinder:
Silke, * 23. 7.1972
Alexander, * 1. 6.1074

Peter, * 25. 8.1950, oo  16. 6.1977 mit Renate Altley, * ?. ?. ?
Kinder:
Stefanie, * 14.12.1979
Andreas, * 14. 8.1982

+ 3.10.1997 (84) in Rüdesheim-Aulhausen


III.
[6]  BREITSCHEIDT, PETER

2. 6.1880 in Borbeck-Vogelheim
Paten: Peter Eulenbach, Anna Eulenbach

oo  6. 7.1903 mit Bertha Bungarten in Borbeck
* 9. 5.1884
+ 19.11.1970
Zeugen: Theodor Wirtgen (52), Bergmann Anton Breitscheidt (34), Bergmann

Kinder:
Johanna Antonia, * 20. 5.1904 Borbeck, + 10. 7.1990 (86) Assmannshausen
Peter Johann, * 21. 4.1906 Borbeck, + 30. 9.1988 (82) Wanne Eickel
Johann, * 9.11.1909 Borbeck, + 16. 3.1925 (15) Borbeck
Wilhelm Andreas Arnold, * 7. 3.1913 Borbeck, + 3.10.1997 (84) Aulhausen
Berta, * 2. 4.1918 Borbeck
Hermann Josef, * 1924 Borbeck, + Säugling

Beruf: Bergmann (1903, 1906), Fuhrunternehmer Flaschenbierhändler (1915, 1931)

Wohnorte: Borbeck, Bottroperstr. 2, (um 1903) Bochold, Steegstr. 33, (1915? bis Lebensende)

+ 15. 9.1942 (62) in Essen Bochold


IV.
[12]  BREITSCHEID, WILHELM

* 14. 7.1836 in Dasbach bei Neustadt/Wied
Paten: Wilhelm Weissenfels, Dasbach Anna Katharina Nassen, Dasbach

oo  14. 6.1866 mit Veronica Eulenbach in Borbeck
* 29. 6.1839
+ 7. 9.1919
Zeugen: Johann Plaß Heinrich Sander

Kinder:
Edmund Wilhelm, * 15. 5.1867 Borbeck, + 16. 7.1867 Borbeck-Vogelheim
Anton, * 8.12.1868 Borbeck-Vogelheim Bergmann, 29. 3.1893 als Reservist/Wesel 11. 7.1897 nach Altenessen umgezogen oo mit Maria Häsel, keine Kinder
Johann, * 23.10.1870 Borbeck-Vogelheim, + 2.06.1917 Borbeck-Vogelheim, oo 6.10.1896 mit Rosa Reinke, Kinder: Wilhelm, Hedwig, Veronika, Peter, Maria, Berta, Rosa u. Anna (Zwillinge)  7.11.1897 nach Altenessen umgezogen
Anna Maria, * 28.10.1872 Borbeck-Vogelheim oo mit Anton Krämer, Kinder: Franziska, Wilhelm, Elisabeth, Josefine, Maria, Anton, Berta, Bernhard, Anna
Arnold, * 16. 9.1874 Borbeck-Vogelheim am 27. 2.1895 von Stoppenberg nach Vogelheim gezogen Schneidergeselle, 1. 7.1874 auf Wanderschaft nach Hamburg verzogen
Peter, * 2. 6.1880 Vogelheim

Stand: Tagelöhner (1857) Bergmann (ab 1867), Berginvalide (1896,1903)

Wohnorte: Bottroper Straße - heute: Vogelheimer Borbeck B. 11, 165 (1896)
 Zugezogen am 11. 2.1857 nach Borbeck-Vogelheim von Dasbach über Notscheid Westerwald, wohnte bei Anton Eulenbach in Vogelheim. Am 18.02.1860 zog Wilhelm nach Stoppenberg, kam allerdings am 3. 3.1863 nach Borbeck-Vogelheim Nr. 154 zurück.

+  21.11.1902 (66) in Borbeck-Vogelheim


V.
[24]  BREITSCHEID, JOHANN PETER

1. 5.1798 in Dasbach
Paten: Johann Peter Schmitt, Siebenmorgen, Anna Gertrud Beckers, Dasbach


oo  28.11.1826 mit Maria Catharina Eul in Neustadt
* 1804/05
+ 18.11.1844
Zeugen: Jakob Breitscheid, Dasbach Johann Wilhelm Eul, Nassen

Kinder:
Anna Catharina, * 20.10.1827 Dasbach, oo 1852 mit Anton Eulenbach
Anna Eva, * 7. 9.1829 Dasbach
Wilhelm, * 14. 7.1836 Dasbach
Johannes, * 12. 4.1842 Dasbach
Hermann, 19.11.1844 Dasbach

+  2. 8.1845 (47) in Dasbach als Witwer
hinterließ 7 minderjährige Kinder starb 4 Uhr nachmittags an Brustkrankheit bestattet: 5. 8. in Neustadt


VI.
[48]  BREITSCHEID, JOHANN JACOB

26. 9.1758 in Dasbach
Paten: Johann Jacob Eul Anna Catharina Schmitz

oo  I.  um 1785 mit Anna Timothea Kalscheid
* um 1760
+ 23. 3.1804

Kinder I:
Anna Maria, * 6.11.1785 Dasbach
Johann Matthias, * 3. 6.1788 Dasbach, + 10. 5.1825 Dasbach
Anna Catharina, * 18. 7.1791 Dasbach
Maria Catharina, * 4. 8.1794 Dasbach
Johann Peter, * 1. 5.1798??89?? Dasbach
Anna Eva, * 13.12.1801 Dasbach

als Witwer oo  II.  31. 7.1804 mit Elisabetha Gröbers Witwe aus Rhams
Zeugen: Gerhard Nassen, Dasbach, Peter Weißenfels, Neustadt

Kinder II:
Keine

oo  III.  ca. 1807 mit Anna Timothea Reiffershäuser

Kinder III:
Gerhard, * 25. 5.1808 Dasbach
Anna, * 4.10.1809 Dasbach
Peter, * 25. 4.1811 Dasbach
Peter Joseph, * 25. 4.1811 Dasbach, + 3. 1.1821 Dasbach
Anna Maria, * 27. 5.1819 Dasbach, + 15. 8.1830 Dasbach
Maria Anna, * 27. 5.1819 Dasbach

+  nach 1826 in Dasbach


VII.
[96]  BREITSCHEID, PHILIPP

1730 in Ober Dasbach
oo  9. 2.1755 mit Johanna Magdalena Schmitz in Waldbreitbach
* um 1735 Siebenmorgen
+ 24. 1.1795
Zeugen: Wilhelm Brückner, Homscheid, Wilhelm Schmitz, Siebenmorgen

Kinder:
Anna Eva, * 18.11.1756 Dasbach
Johann Jacob, * 26. 9.1758 Dasbach
Anton, * 6. 3.1761 Dasbach
Johann Matthias, * 4. 1.1763 Dasbach
Johann Matthias, * 6. 6.1766 Dasbach
Zwillinge: Johann Peter u. Anna Maria, * 17. 4.1770 Dasbach
Anna Catharina, * 21.10.1773 Dasbach

+  20.11.1792 (62) in Dasbach


VIII.
[192]  BREITSCHEID, JOHANN PETER

20. 2.1684 in Dasbach

oo  um 1730 mit Anna Maria Hähn (Henn)
* um 1710
+ 11.12.1762

Kinder:
Agnes, * 22.12.1716 Dasbach
Johann Matthias, * 3. 3.1718 Dasbach
Philipp, * 1730 Ober Dasbach
Elisabeth Christina, * 24. 6.1723 Dasbach
Anton, * 17. 5.1726 Dasbach
Gerhard, * 2. 6.1729 Dasbach

+  8. 8.1758 (62) in Breitscheid 

Bei Taufe der Kinder Anton und Gerhard wird Johann Peter mit Nachnamen Olligschläger genannt.
(Olligschläger ist eine Berufsbezeichnung für einen Ölmüller bzw. eines Gehilfen der in einer Ölmühle tätig ist.)


IX.
[384]  BREITSCHEID, HENRICH

*  um 1650

oo  um 1670 bis 1680 mit Anna aus Hochscheid

Kinder:
Philipp, * vor 1693 Dasbach
Elisabeth Barbara, * 29. 2.1681 Dasbach
Johann Peter, *20. 2.1684 Dasbach
Cölestin, * 13. 4.1687 Dasbach
Adolph, * 24. 7.1693 Dasbach

nach 1695  


Familienname nach der Herkunft

Breitscheidt = Ort südlich Neustadt/Wied. 

... scheid ist die altdeutsche Bezeichnung (sceida) für einen Bergrücken, von dem Wasser in unterschiedliche Richtungen abläuft. Die ca. 800 westdeutschen Ortsnamen auf -scheid "Scheide, Berg- oder Waldriegel", evtl. zur Siedlung ausgesondertes Land lieferte Familiennamen wie ...

 


Peter Breitscheidt


Von meinem Großvater Peter Breitscheidt ist im Familienbesitz der Militärpass vorhanden. Aus dem Militärpass sind neben den persönlichen Daten auch die Truppenzugehörigkeit und der Kriegseinsatz zu entnehmen.
Die Kriegsereignisse erlebte Peter Breitscheidt als Musketier im 1. Bataillon des Reserve Infanterieregimentes Nr. 67, in der 8. Kompanie.
Die Teilnahme im Kriegsgeschehen bis zu seiner Verwundung am 8.September 1917 begann am 1. Mai 1915. Zu diesem Zeitpunkt war Peter Breitscheidt fast 35 Jahre alt.
Der Verlauf des Krieges mit seinen unvorstellbaren Verlusten auf beiden Seiten, führte dazu. Dass auch die Landsturm-Reserven eingezogen und an die Front mussten. Mit 35 Jahren war Peter Breitscheidt zu dieser Zeit schon fast ein „alter“ Mann.
Im Internet habe ich herausgefunden, dass von einem Major a.D. Karl Fuisting, unter Zugrundelegung der amtlichen Kriegstagebücher und privaten Berichten, privaten Tagebücher und eigenen Erlebnissen, die Regimentsgeschichte 1937 als Buch verfasst hatte.
Im Antiquariat war nach langer Suche eine Ausgabe käuflich zu erwerben.
Aus diesem Buch habe ich die Zeit in der Peter Breitscheidt im Regiment aktiv war, textlich übernommen. Einige Textpassagen sind sinngemäß übernommen, die meisten aber wegen der Authentizität im Original belassen.

Abschrift des Militärpasses von Peter Breitscheidt:

Landsturm Militärpaß
des
Musketier Peter Breitscheidt
Jahresklasse 19
14.

Angehörigen-Adressen des: Landsturmannes Breitscheidt Peter
1. Ehefrau Vor- u. Mädchenname
Berta Bungarten
Wohnort (Kreis)
Essen Borbeck Straße Steegstraße 33
Vor- u. Zuname d. Vaters
tot Vor- u. Mädchenname d. Mutter tot

Seite 1

Rationale des Buchinhabers.
1. Vor- und Familienzuname:
Peter Breitscheidt, Geboren am 2ten 6.1880 zu Borbeck Verwaltungsbezirk Essen Bundesstaat Preussen
2. Stand oder Gewerbe:
Flaschenbierhändler
3. Religion:
kath.
4. Ob verheiratet:
ja
Kinder:
4
5. Datum und Art des Diensteintritts:
Am 28.2.1915 als Last Musk (Last Musk=Landsturm Musketier)
6. Bei welchem Truppenteil:
II Rask?. Reg. II. Ers Batl I. Z. 13

Seite 2
Versetzungen
Am
25.3.15 zur 2. Komp. II. E. B. I. R. 13

Seite 3
Nr. der Kriegsstammrolle: Nr.
54

Seite 4
11. Besondere militärische Ausbildung:
mit Gew. 98 IIte Schießklasse
12. Bemerkungen:
Führung. gut Strafen: keine

Ausgefertigt: Münster den 4. August 1917 Königl. Kommando Ers. Batt 13

Seite 8, 9
Kommandobehörde
8. Komp. Res. Inf. Rgt. Nr. 67 I. Batallion Datum 11.VII.17
Zusätze zu den Personalnotizen.
Am 1.V.15 zu nebenstehender Kompanie
Am 8.IX.16 vor Verdun (Bergwald durch A.G.K. verw.)
Am 10.IX.16 in das Feldlaz. 5 der 33. Res. Div. aufgenommen.
Am 9.X. 16 dem Kriegslaz. Pierepont überwiesen
Am 14.X.16 in das Res.-Laz. IV (Abtlg. Evangl. Gemeinde) Brebach Saar aufgenommen.
Am 30.XII.16 der 5. Komp. II. Ers-Batl.Inf.-Reg.67 überwiesen
Führung: gut, Strafen: keine
5.5.-7.5.15 Kämpfe b. Les Eparges
8.5.15-10.8.16 Stellungskämpfe auf den Maashöhen
Schlacht vor Verdun.
28.-29.8.16 Kämpfe im Bergwald
3.9.16 Erstürmung der französischen Stellungen beiderseits der Souville-Schlucht
4.-8.9.16 Kämpfe um die Souville-Schlucht
6.-8.9.16 Kämpfe auf der Souville-Nase und im Bergwald

Jung Leutnant u. Komp.-führer

Seite 10,11
Kommandobehörde
II. Ers. Batl. Inf. Regt. 67 1. Kompagnie Datum 18.8.17
Zusätze zu den Personalnotizen.
Breitscheidt wurde am 30.12.16 dem II. Ers. Batl. Inf. Regt. 67,5 Komp. überwiesen.
Am 20.1.17 zur 1. Komp. versetzt.
Am 19.6.17 gem. Verfg. des stellv. Gen. ?ols VII A.K.
vom 18.6.17 a. K. B. No. 55237 bis zum Abschluß des Rentenanspruchs nach Essen-Borbeck Bez. Kdo. Essen II beurlaubt.
Am 31.7.17 gem. Verfg. des stellv. Generals VII A. K.
No. 27423 Versorgungs Abt. mit einer Rente von 25 % des Vollwertes von M: 540,- = 135,- jährlich = M: 11,25 monatlich u. M: 15,- Kriegszulage zusammen monatlich M: 26.25 nach Essen-Borbeck, Bez. Kdo. Essen II entlassen. Nachuntersuchung 1919.
Ist gem. §. 39 d. P. V. vom 16.3.12 belehrt.
Führung: gut, Strafen: keine

Seite 12, 13 (Stempel)
Nur für den Kohlenbergbau zurückgestellt Kgl. Bezirkskommando II Essen
Inhaber ist aus dem Heeresdienst entlassen Bezirkskommando II Essen
11. Dec 1918
Einmalige Zuwendung von 50.- Mk. gemäß §. 8 A.V.R. 1919 Nr. 740 ist dem Inhaber dieses hier ausgezahlt. Essen 23. Juni 1919 Bezirkskommando II Essen Kassenabteilung
Inhaber dieser hat als Entschädigung für nicht empfangenes Bekleidungsstücks seines Entlassungsanzuges den Betrag von 93 Mk. 88 Pfg. hier ausgezahlt erhalten. Ansprüche auf Bekleidungsstücke bestehen somit nicht mehr. Essen, den 23. Juni 1919 Bez.-Kdo. II Essen Kassenabteilung.

Seite 14
Meldungen und Beurlaubungen.

Gemeldet: Borbeck Steegstr. 33
II Essen, den 22.8.17

Das Res.-Inf.-Regiment 67
Im Weltkriege 1914/18

Unter Zugrundelegung der amtlichen Kriegstagebücher
zusammengestellt
aus Berichten, privaten Tagebüchern und eigenen Erlebnissen
von


Major a. D.
Karl Fuisting
(1937, 353 Seiten, Karten und 61 Seiten der Gefallenen)

A u s z u g



Peter Breitscheid:
Am 1. V. 15 zu nebenstehender Kompanie – (. Komp. Res. Inf. Rgt. Nr. 67, I. Bataillon – Datum 11.VII.17


Der dreitägige Kampf vor dem Selouse-Wald

Das Regiment an der Grande Tranchée

Nach dem dreitägigen Kampf vor dem Selouse-Wald vom 7-9.4.15 marschiert das Regiment ins Quartier nach Woël. Am 5.5., 4.30 Uhr vorm. steht das Regiment an der Straße St. Remy-Vaux am Hang westlich St. Remy als Reserve des V. Armeekorps bereit. Das Regiment verbleibt in seiner Bereitstellung bis 5.45 Uhr nachm. bis es nach Befehl, bis zum Gefechtsstand der 8. Bayr. Inf.-Brig. An der Straße Remy-Mouilly vorrücken muss. Nach dem sie auf dem Marsch mit teilweise lebhaftem Artilleriefeuer überschüttet wurden, treffen sie um 6.45 Uhr abends ein.

Das Regiment biwakiert während der Nacht an der Straße. Am anderen Tag versucht die Kompanie sich in die Straßenhänge als Schutz gegen Schrapnellfeuer und gegen die nächtliche Kühle einzubauen. Die Verpflegung geschieht während des Tages aus Feldküchen, die in der Dunkelheit über St. Remy bis an den Lagerplatz vorgezogen wurde. 7 Uhr abends erhält das Regiment den Befehl, die 4. und 8. Bayern in ihren Stellungen in der laufenden Nacht abzulösen. Das I. Batl. Besetzt die Stellungen von „alte franz. Hütten“ bis zur „großen Schneise“.

Der Kampf der hier vorher getobt hat, wurde als mörderisch bezeichnet, davon zeugten noch die „massenhaft umherliegenden Gefallenen“ und das für einen Gewinn von kaum 100 m. Die Sanitätsmannschaften bargen unter Lebensgefahr und beerdigten die Gefallenen hinter der Front. 6 Sandsäcke mit Erkennungsmarken, Wertgegenständen und Briefschaften der Gefallenen wurden gesammelt. Der Gestank der verwesenden französischen Leichen veranlasste trotz ständiger Beschießung auch einen Soldaten diese zu bergen. Bei Bergung des 27. Toten wurde er durch einen Schuss schwer verwundet.

Am 13.5. um 6 Uhr wird das Regiment durch das I.R. 48 abgelöst und bezieht an der Grande Tranchée, Wegekreuz Deuxnouds-St. Maurice, Biwak.

Für die Ersatzsoldaten die erst seit ein paar Wochen eingezogen waren (Peter Breitscheidt am 28.2.1915) war das der erste Kampfeinsatz nach einer nur notdürftigen Ausbildung. Die Kompanien bestanden über die Hälfte aus neuen Soldaten. Entsprechend hoch waren die Verluste, in den wenigen Kampftagen: 1 Offizier, 12 Mann gefallen, 2 Offiziere, 141 Mann verwundet.

Die Dauerstellung des Regiments an den Westhängen der Côtes

In der Nacht vom13. zum 14.Mai löste das Regiment das I.R. 76 in den Stellungen westlich Deuxnouds wieder ab. Das I. Batl. In Lamorville-Süd Stellung. In diesen Stellungen verbrachte das Regiment 15 Monate im „Frieden im Krieg“ da es in dieser Zeit zu keinen größeren Kampfhandlungen kam. Der Dienst bestand aus Aufgaben „vor der Front“ und „hinter der Front“. Vor der Front wurde mit Tag- und Nachtposten nach dem Gegner gespäht, Patrouillen gegangen und die Tätigkeiten des Feindes festzustellen zu stören und zu melden. Es wurde nach Möglichkeiten gesucht einzelne Gefangene einzubringen um sich ein Bild von der Gliederung der feindlichen Kräfte machen zu können. Anfang November 1915 hatte das I. Batl. Vom III. bayr. Korps noch die Stellung Lamorville-Dorf übernommen, dies bedeutete eine Mehrbelastung an Arbeit und Verantwortung.

Mit dem Entschluss des Angriffs auf Verdun, begann für das Regiment eine Reihe von Täuschungsmanövern vor der Front, um den Franzosen glauben zu machen, dass auch von hier ein Angriff geplant ist. Die ruhige Zeit des Jahres 15 war ausgiebigst für den Ausbau der Stellungen, die aus den vordersten Verteidigungsgräben und den zweiten Linien für die Bereitschaft der Reserven für den Gegenanstoß, bestand. Dazu wurden Stollen durch die vielen im Regiment vorhanden Bergleute von der Saar und Ruhr in die Erde getrieben. Betonbauten waren teils fertig, teils im Bau. Die Arbeiten konnten weitgehend vom Gegner unbelästigt erfolgen, denn es gab wohl eine stille Vereinbarung: „Tust du mir nichts, so tue ich dir auch nichts.“ Bei den Deutschen lag es aber wohl eher am Munitionsmangel, dass sie die Franzosen in Ruhe ließen. In den Gräben und Unterständen herrschte die allergrößte Ordnung und Sauberkeit. Der Weg in der Lamorville-Schlucht konnte sich mit einem Promenadenweg eines Kurortes messen, nach dem er vollständig gepflastert und mit Papierkörben versehen war.

Durch die Ablenkungsmanöver wegen des Angriffs auf Verdun kam es jetzt allerdings doch zu Verlusten durch die gegnerische Artillerie. Durch Ereignisse musste die Front zeitweilig zurückverlegt werden. Hierfür war eine Zwischenstellung in den Waldungen zwischen Deuxnouds und der Lamorvilleschlucht und eine zweite Stellung an den Höhen jenseits Deuxnouds. Im dichten Unterholz versteckt, entstanden mit Drahthindernissen versehene Bollwerke und Stollen. An der Quelle Lamorville-Schlucht wurde eine Regimentsbefehlstelle mit Telefonzentrale ausgebaut die in ruhigen Zeiten als Offizierskasino diente. „Hinter der Front“ wurde Schanzdienst geleistet, Exerzieren und Felddienst geleistet und Übungen wie Handgranatenwerfen, Gegenstoß aus der Tiefe, Grabenaufrollen, Kriechen im Trichtergelände usw. praktiziert. Dazu war Jenseits von Deuxnouds ein kleines Übungswerk angelegt worden.

Nach dem 1915 nur vereinzelte Kompanien durch Anbau von Gemüse usw. zur teilweisen Selbstverpflegung übergegangen waren, wurde im Frühjahr 1916 vom Regiment für die Bataillone der Anbau von Kartoffeln und Gemüse angeordnet.

Mit der Ruhe und dem soldatischen Alltagsleben sollte es aber bald vorbei sein. Geplant war, dass die Division von der jetzigen Stellung aus beim weiteren Fortschreiten des Angriffs auf Verdun die jenseitigen Maashöhen gewinnen, damit die Einschließung der Festung Verdun vervollständigt, bzw. die Rückzugsstraßen blockiert werden. Durch die Offensive an der Somme mit dem ungeheuren Kräfteverbrauch war der Angriff auf Verdun immer mehr ins Stocken geraten und an beiden Fronten waren zur Abwehr der Angriffe frische Divisionen notwendig.

Durch Divisionsbefehl am 7.8. wurden sämtliche Urlauber zurückgerufen, da das Regiment bald abgelöst und verladen werden sollte. Am 8. August trifft der Ablösungsbefehl ein. In der Nacht vom 10. zum 11. rückt das I. Btl., von III/32 abgelöst, aus seiner Stellung Lamorville-Nord nach hinten, um in der folgenden Nacht abzufahren. Das Regiment sollte die Moëve-Ebene mit ihren vorgelagerten Höhen, nicht mehr wiedersehen.


Verdun

Das I. Batl. liegt vom 13.8.1916 an in Murville und gehören mit der ganzen 33. Res.-Div. Zur Angriffsgruppe Ost Verdun unter General d. Inf. v. Lochow. Eine 12tägige Ausbildungszeit geht dem Einsatz voran. Übungswerke sind dem Trichtergelände bei Verdun nachgebildet. Die Granattrichter sind mit lehmigem Regenwasser gefüllt. An den gemachten Erfahrungen der bisherigen Kämpfe vor Verdun wird in diesem Gelände völlig anderen Gefechtsform geübt; Anmärsche in Reihen, Ablösung, Gegenstöße, Springen und Kriechen im Trichtergelände, Nehmen von MG-Nestern u.a.m. Dazu kommen Übungen am deutschen und französischen Maschinengewehr. In den letzten Tagen erhält jeder Soldat Stahlhelm, halblanges Schanzzeug, 5 Sandsäcke und zweiten Feldflaschen.

Am 15. steht das Regiment bei Murville in Parade vor dem kommandierenden General der Ostfront v. Lochow.

Nachdem schon am 18. für Stunden seitens der Division Alarmbereitschaft angeordnet, kam am 25. der Einsatzbefehl.

Die 33 Res.-Div. Löst die 21, Res.-Div. Im Bereich des XVIII. Res.-Korps (Gruppe Hardaumont) ab. Die Ablösung der Südfront erfolgt durch das I/R.I.R. 67 und I/R.I.R 130 in der Nacht vom 27. zum 28.

Im Verfolg dieses Befehls werden von jeder Kompanie 1 Offizier, 4 Unteroffiziere, 30 Mann als 5. Züge bei der großen Bagage als Reserve ausgeschieden. Weiter bildet jede Kompanie einen 4. Zug, der in der Stellung bei der Gefechtsbagage untergebracht wird, um nach der vordersten Stellung Trägerdienste für Verpflegung, Material, Munition zu leisten. Am gleichen Tage wird ein Einweisungskommando des I. Batl. In Stärke von 6 Offizieren, 15 Unteroffizieren, 30 Gefreiten auf Lastautos nach Höhe 310 nordöstlich Ornes transportiert, von wo aus es bei eingebrochener Dunkelheit die Stellung erreicht und dort verbleibt, um Gerät, Munition pp. zu übernehmen und im Gelände sich völlig vertraut zu machen, um den nachrückenden Kompanien Ortskenntnisse vermitteln zu können.

Das I/R. 67 marschiert am 26.8., 8 Uhr vorm., nach Landres, wird dort verladen und fährt nach Billy sous Mangiennes, um nachm. 2 Uhr nach Fußmarsch an Höhe 310 im „Preußenlager“ Unterkunft zu beziehen. Dessen Gefechtsbagage und Lebensmittelwagen waren schon kurz vorher dort nach Fußmarsch eingetroffen. Am 26.8 marschierte die M.G.R. des Regiments aus ihren alten Quartieren Bonvillers nach Baudoncourt und bezieht dort Ortsbiwak. Der Regimentsstab und Major Danz fahren zur Orientierung am frühen Morgen im Auto ebenfalls nach Höhe 310 zur vorläufigen allgemeinen Unterrichtung über die neue Stellung. Auf dem Rückweg begegnen sie dem marschierenden 1. Batl.

In der Nacht vom 27. zum 28. löst das I. Batl. Das I. Btl. Garde 6 in vorderster Linie, der sogenannten Südfront, ab. Im Anschluss nach Osten liegt das I/K.I.R. 80, das die sogenannte Ostfront verteidigt. Westlich vom I/Reg. Liegt ein Batallion R.I.R 87, das aber in weitem Bogen ca. 500 m nach Norden läuft, mit der Front nach Westen und so berechtigt die Westfront heißt. Ein Blick auf die Karte zeigt die Unmöglichkeit dieser Westfront schon in seiner Linienführung senkrecht zum Gegner und völlig einzusehenden Gelände. Außerdem bestrich der Gegner aus seinen nördlichsten M.G.-Nestern ständig die Anmarschwege in der Vauxschlucht.

Von den Lagern bei Höhe 310 und 307 bis in die vordere Stellung waren es Luftlinie gemessen, 9 km. Bei einigermaßen normalen Verhältnissen wäre die Strecke also in 2 Stunden bequem mit mancher Rast zurückzulegen. Die Kompanien brauchten aber oft das drei- und vierfache der Zeit.

Das Gelände halbwegs bis zur Mericourt-Ferme wird ohne besondere Schwierigkeiten überschritten. Bald nach dem Lager sind die ersten Verwüstungen zu sehen: ein noch auf den Gleisen stehender zusammengeschossener Munitionszug. Die ehemalige vorderste deutsche Linie vor dem Angriff wird am Ende des Hochwaldes überschritten und das Trichterfeld beginnt. An der Mericourt-Ferme (Bauernhof) sind jedes Mal die für den Mann zuständigen 6 Handgranaten zu empfangen; von den Trägertrupps werden hier u. a. mitgenommen: Stollenbretter, Munition, Schanzzeug, Stacheldraht. Durch Fliegerbeobachtung war dem Gegner bekannt, dass hier wichtiges Kriegszeug gelagert wurde, so dass die Ferme (Bauernhof) ständig beschossen wurde.

Dicht an den steilen Abhängen der Côtes lagen die vielen Stellungen der schweren Artillerie, die oft genug unter schwerem Feuer lagen. Diese Gefahrenzone sollte nach Möglichkeit gemieden werden. Da dies nicht immer gelang, kam es hier schon zu erheblichen Verlusten. Entlang den steilaufsteigenden Bergrücken liegen die Küchenschlucht, wo die Gefechtsbagage und die 4. Züge untergebracht werden, weiter nach Süden die Mittel- und schließlich die Südschlucht.

Aus einer dieser Schluchten, gewöhnlich die Mittelschlucht, erstiegen die Kompanien den Hardamount, dessen Waldbestände in seinem östlichen Teil noch ziemlich erhalten sind. Hier hatte man aber wieder die Gefahrenzone der Stellungen der Feldbatterien zu überwinden. Den Weg hinunter in die Vauxschlucht nimmt man entweder durch die Jagowschlucht, an deren Ende noch ein französisches Langrohrgeschütz steht und hat dann, die ständig unter Beschuss liegende Vauxschlucht zu passieren, oder man wählt den Weg westlich davon über das Hardaumont-Plateau in einem bis zum Vauxteich sich hinziehenden Laufgraben. Dieser war aber bei regnerischem Wetter wegen des Schlamms und teilweise bis zu den Knien reichenden Wassers nicht zu gebrauchen. So zogen die Kompanien und Trägertrupps dann meistens die Vauxschlucht entlang an der sich nach der Karte das Dorf Baux hinzieht. Das jemals hier ein Dorf gestanden hat kann man nur gegenüber der Jagowschlucht wegen des dort liegenden Steingerölls vermuten. Hier stand einmal der Hauptteil des Dorfes mit der Kirche. Von Vaux aus zur vorderen Stellung begann das eigentliche Golgatha, in einem Gelände, dessen grausige Verwüstung auch nur einigermaßen mit Worten zu schildern ein vergebliches Bemühen ist. Während bis einschließlich Jagowschlucht noch ein bescheidenes Grün zu sehen ist, da die Schlacht schon Monate vorher über sie hinwegging und besonders die Jagowschlucht jetzt selten beschossen wurde, ist von nun an weit und breit kein einziges grünes Fleckchen zu sehen. Es sieht aus, als wolle die Erde auseinanderplatzen, als müssten in kürzester Zeit sich überall feurige Vulkane erheben, ja auch da, wo man eben seinen Fuß hat, denn man stolpert in ein Loch so tief, dass man aus ihm nicht heraussieht, es raucht ja schon aus der Erde heraus in alle Richtungen; gleich wird es auch unter mir anfangen zu brodeln und mich verschlingen. Wie in ein Kraterfeld des Mondes glaubt man sich verzaubert.

Doch, da kommt es angesaust und gezischt, Eisen, Granit und Dreck fliegt, es stinkt, es kracht, schon längst bin ich wieder in der Wirklichkeit, habe mich hingeschmissen, so schnell es meine Last, die ich trage, geht – ich bin ja nicht auf dem Monde, ich bin im T r i c h t e r f e l d d e r H ö l l e von V e r d u n“

Nun sind wir in der Fuminschlucht, an deren Westhang langgestreckt, bis zu ihrem Ende die mehr oder weiniger schlechten Stollen und Erdlöcher der Bereitschaft liegen. Weiter erklimmen wir das Plateau, sehen nun die ganze Wüste vor und hinter uns. Nach der Karte soll hier fast nur Wald sein; da steht zu lesen „Chapitrewald, Bergwald, Fuminwald“, - nichts, kein Baum, kein Strauch, kein Geäst, - tausendfach ist jeder Baum bis in die kleinsten Atome durch den Granathagel vernichtet! Nur hier und da ein Baumstumpf den der Zufall noch nicht zermalmte. Dieses Plateau liegt fast ständig unter Artilleriefeuer. Nur ganz selten ist es still und dann ist es Grabesstill! Der einzelne Mann nimmt aber den Kampf mit den wilden Mächten auf. Er weiß, dass in seinen ganzen Scharfsinn und Ruhe aufbieten muss, um, gewandt sich hinwerfend und wieder nach vorne stürzend, mit heiler Haut in die Stellungen zu kommen und dort erst seine Aufgabe beginnen zu lassen: „Mitzuhelfen, 6 Tage und 6 Nächte die vorderste Stellung vor Verdun zu halten“.

Dieser Weg wird im Laufe der Verdunzeit von den Bataillonen fünfmal hin- und-zurückgelegt, von den Trägertrupps der Stellungskompanien mindestens einmal in jeder Nacht. Die Anforderungen, körperlich und seelisch, sind vervielfacht bei regnerischem Wetter und den schweren französischen Angriffstagen von Ende Oktober.

Wir begleiten so das I. Batl. Auf seinem ersten Wege zur Stellung.

Die Ablösung selbst verläuft ohne Störung seitens des Feindes. Die 1. Kompanie liegt am weitesten rechts bis an das sogenannte Dreieck, anschließend die 2. und links die 4. Komp.; der Batls.-Stab und 3. Komp. Liegen in der Fuminschlucht. Die Beschaffenheit des übernommenen Grabens ist dürftig und dieser nicht überall durchgehend. In der Stellung stehen 6 M.G. des Res-I.R. 88, die in der folgenden Nacht durch unsere M.G.R. abgelöst werden.


28.8. Die feindliche Artillerietätigkeit während des ersten Tages ist erträglich. Die Beschießung gilt besonders dem Abschnitt auf der Souville-Nase. Am Abend erfolgen ohne vorherige Artillerievorbereitung 8.30, 9.30 und 11.30 feindliche Infanterieangriffe, die zum Teil in dem vorzüglich liegenden Sperrfeuer, teils in unserem Infanteriefeuer vor der Front zusammenbrechen. Schweres Artilleriefeuer liegt aber während der Nacht auf der ganzen vorderen Linie und dem Hintergelände.

29.8. Der 29.- ein klarer Sonnentag – bringt starke Fliegertätigkeit. Die Flieger leiten, wie man deutlich feststellen kann, das feindliche Artilleriefeuer. Fesselballons zählt man in unserer Richtung 7 Stück, eigene Flieger dagegen zeigen sich selten. Artilleriefeuer aller Kaliber sehr lebhaft. Auch die unsere beschießt mit gutem Erfolg die vorderen Gräben und das Hintergelände. Abends 8 Uhr bis 9.30 Uhr feindliche Angriffe, die am rechten Flügel schon im Sperrfeuer ersticken im übrigen durch Infanteriefeuer und Handgranaten Abgewiesen werden.

30.8. Der 30.8. bringt keine Infanterieangriffe. Das Minenschießen des Gegners nimmt zu.

31.8 Am 31.8. weitere Steigerung der Artillerie- und Minenwerfertätigkeit. Auch unsere Artillerie schießt sehr lebhaft und mit gutem Erfolg. Gegen Abend wird ein Handgranatenangriff gegen die Komp. Westrick (4.) leicht abgewiesen.

1.9. Der 1.9. bringt vor- und nachmittags schwere feindliche Beschießungen der Stellung aller Kaliber. Verluste sind groß, der Graben wird stark zusammengeschossen. Komp. Wurmbach (1.) meldet z. B. „Von 8.30 vis 10.30 Uhr vorm. Durchschnittlich jede Sekunde einen Schuss mittleren Kalibers auf die Stellung, zwischendurch periodische Überfälle, in gleicher Zeit zirka 50 Minen auf rechten Flügel, zwischen 6 und 8 Uhr nachm. ca. 90 Minen etwa genau auf die Mitte der Kompanie.“

Oder Meldung der Komp. Maas (3.): „Beschießung begann bereits 9 Uhr vorm. Und hält bis jetzt (10 Uhr abends) mit geringen Unterbrechungen an, steigert sich in den Nachmittagsstunden zum Trommelfeuer. Für die Minentätigkeit gilt dasselbe. Die Werfer sind gut eingeschossen, befeuern hauptsächlich die M.G.—Stände. Es sind Minen schwerster Art, große Sprengwirkung und Detonation.“

Komp. Westrick (4.) meldet:
„Feindliche Artillerietätigkeit so lebhaft wie nie zuvor, vor allem schwere Artillerie mit andauernder Fliegerbeobachtung.“

In dieser Lage wirkt der gegen 5 Uhr nachm. Eingehende Ablösungsbefehl wie eine Erlösung. Wie war es aber menschenmöglich, dass in solchem soeben geschilderten Feuer Befehle nach vorne und Meldungen nach hinten dringen konnten? Das war nur möglich durch die restlose Selbstaufopferung, den Schneid und das Pflichtgefühl der Stafetten, der Gefechtsordonnanzen der Kompanien und Bataillone.

Der Bericht eines der verwegensten Befehlsempfänger, des damaligen Musketier Fleischer, 4. Komp., über seine Eindrücke und Erlebnisse der ersten Stellungsperiode sei hier wiedergegeben:
„Es ist Mittag, abwechselnder Sonnenschein-----
Ich sitze in einem Loch am Abhang der Fuminschlucht. Im Bataillonsstollen ist die Luft kaum zu ertragen. Ein Raum, im Zickzack in den Berg getrieben, ca. 1,80 m hoch und 1,20 m breit sowie 6 m lang. Wenn nicht gerade feindliches Artilleriefeuer in der Schlucht liegt, kann man es auch draußen aushalten, hat man doch den großen Vorteil, frische Luft schnappen zu können. Krepiert ein Geschoss in der Nähe, so zieht man sich krampfhaft zusammen, bis die Splitter mit Gesang über einem hinweg sind. Inzwischen schreibe ich.

Mir gegenüber liegt das J-Werk oder Fuminwerk, ein zum Verbandsstollen eingerichtetes Betongehäuse, in dem die Verwundeten aus unserem Abschnitt verbunden und zu einer bestimmten Stunde von der Sanitätskompanie abgeholt werden. Dauernd werden in an Stöcken hängender Zeltbahn schwerverwundete Kameraden den Berg hinaufgetragen. Leichtverwundete rennen hin und her. Dazwischen donnern alle Kaliber, meistens 28er mit einem Getöse, als wenn die Elberfelder-Barmer Schwebebahn ankäme. Das J-Werk ist ein Zwischenwerk vom Fort Vaux und Douaumont, schon arg mitgenommen, jedoch für jeden Verdunkämpfer typisch kenntlich. Über dem Eingang weht die Rote-Kreuz-Flagge; trotzdem ist dieser Punkt ein besonderes Ziel der feindlichen Artillerie. Mehrere Ärzte und Sanitäter arbeiten Tag und Nacht. Soeben schlug wieder ein 15er direkt oberhalb des Eingangs ein, aber nur kleine Betonbrocken lösen sich, so fest ist der Bau. Doppelwände von ca. 1,20 m Dicke leiten einen Zickzackgang in das Innere.

Das übrige Gelände ringsumher ist alles derartig von Granaten zerwühlt, dass, wenn die Wurzeln der Bäume nicht umherlägen, man nicht glauben könnte, dass es ehemals Waldgelände gewesen wäre. Große Steine sind nur noch in 3 – 5 m Tiefe zu finden, so zermalmt und zerkleinert ist alles. Ausrüstungsgegenstände und Munition von toten Kameraden liegen in unschätzbaren Werten und Mengen umher und können nicht geholt werden, denn jeder Soldat der noch ein Gewehr halten kann, ist das Zehnfache eines an einer ruhigen Front kämpfenden wert. Ein grausames Schauspiel vollführen die Granaten mit den beerdigten Kameraden. Wir beobachten, dass vormittags beerdigte Kameraden im Laufe des Tages 3-4 mal ausgewühlt wurden. Auf dem Abhang gegen den Feind liegen die Stollen und Erdlöcher der in Bereitschaft liegenden Kompanien. Wir haben schon seit einigen Tagen ununterbrochen Regenwetter, so dass man seine nassen Kleider 5-6 Tage anbehalten muss. In unserem Stollen bewegen sich der Bataillonsstab, Führer, Adjudant, Ordonanzoffiziere, 3 Burschen, 10 Ordonanzen, 3 Telefonisten sowie vier Stafettenläufer. Jeder hat auf einem Stollenbrett einen kleinen Sitzplatz. Kommt jemand mit einem Befehl, so gibt es ein Schieben und Gedränge, das nicht zu beschreiben ist. An Schlafen, nur sitzend, ist in den fünf Tagen kaum zu denken. Ist ein Befehl da, so ruft der Adjutant die Ordonanzen der betreffenden Kompanie und sogleich flitzen 2 Befehlsempfänger zu ihrer Kompanie in Stellung, von Loch zu Loch kriechend. Bis zum Steinbruch geht es im Laufschritt, von da an auf allen vieren. Es ist jedesmal ein kleines Wunder, wenn die Befehlsempfänger unverwundet zu ihrem Ausgangspunkt zurückkommen. Bis jetzt haben wir auch noch keine Verluste zu verzeichnen. Wenn ein Befehl zu besorgen ist, dann muss er unverzüglich bestellt werden, ein Warten bis zu einer Feuerpause ist ausgeschlossen. Eine extra für diese Stellung zusammengestellte Stafette hatte bereits in den ersten 24 Stunden 4 Mann Verluste. Es ist der ganz besonders von Gott begnadet, der alles miterlebt und gesund übersteht. Froh sind alle, wenn sie glücklich wieder an Höhe 307 angelangt sind.

Gestern Abend musste ich mit einem Kameraden mit einem Trupp Handgranatenträgern als Führer zur vordersten Stellung. Jeder von uns war selbst mit 2 Säcken der hier so wertvollen Munition bepackt. Durch die Schlucht kamen wir alle 10 glücklich, dann ging es in Sprüngen weiter, bei jeder aufsteigenden Leuchtkugel Orientierung suchend und schnell uns hinwerfend, ebenso wie bei jedem in der Nähe krepierenden Geschoss, kamen wir glücklich bis in den vordersten Graben. Je 2 Mann gehen zu ihrer Kompanie und liefern ihre Last ab. Ich selbst habe noch Gelegenheit meinen Kompanieführer zu sprechen (Ltn. Westrick) und seinen selbst in dieser, jeden Moment dem Verderben geweihten Stellung, die nur aus aneinandergereihten Granatlöchern besteht, urwüchsigen Humor zu bewundern.

Mit der Quittung über die abgelieferten Sachen in der Tasche treffen wir uns an einer verabredeten Stelle des provisorischen Grabens und verschwinden in der vorher gekommenen Richtung wieder im Dunkel der Nacht. Die inzwischen mit gesteigerter Heftigkeit tätige feindliche Artillerie hatte jedoch den ausgetretenen Weg vollkommen umgeackert und nach Verlauf einer halben Stunde waren wir uns darüber klar, dass wir uns verirrt hatten. Nun war guter Rat teuer. W o h i n? Die Kanonade hat inzwischen eine kolossale Heftigkeit angenommen und nur sprungweise arbeiten wir uns weiter. Am Horizont graut der Tag und immer noch irren wir in dem von Toten und einzelnen Gliedern besäten Gelände umher. Plötzlich dehnt sich vor uns eine große Schlucht, in deren Tal schweres Artilleriefeuer liegt. Kein Mensch außer unserer Kolonne ist weit und breit zu sehen. Wir sitzen in einem tiefen Granatloch und warten bis der inzwischen eingetretene Nebel sich verziehen wird. Gegen 71/2 Uhr ist es ziemlich klar und ich erkenne auf dem gegenüberliegenden Hang Menschen. Sind es nun Franzosen oder Deutsche? Wir laufen die Schlucht hinunter und arbeiten us kriechend den Hang hinauf, auf dem ich mit dem Offizier-Feldstecher, den ich einem Toten Offizier vom Koppel schnitt, deutsche Pioniere feststellte. Wir melden uns bei einem Offizier und mit Erstaunen vernehmen wir, dass wir uns auf der hohen Batterie Damloup befinden. Aber noch erstaunter sind die Pioniere, als sie hören, dass wir ohne Verluste durch das Todestal gekommen sind und die ganze Nacht in diesem Gelände umhergeirrt sind. Der Offizier versucht mich in die Karte einzuweihen und gibt uns die Marschrichtung an. Wir müssen nun nochmals durch die Schlucht, weil wir auf den Höhen eingesehen werden und gelangen, das Fort Vaux umgehend, die Vauxschlucht links liegend zu lassen ob des in ihr liegenden schweren Feuers und kommen mit 9 Mann in der Hardemaunt-Küchenschlucht, in der zufällig auch unsere Küchen gerade angefahren waren, an. In unserem Aufzuge müssen wir den Küchenbullen wohl ganz besonderen Respekt eingeflößt haben, denn wir bekamen, was das Herz begehrt. In Hülle und Fülle waren Lebensmittel, wie Plockwurst, Käse, Kaffeemehl, Fleischbüchsen. Zwieback und Brot vorhanden. Auch Schnaps und Selterswasser zur Genüge. Nachdem wir uns an diesen Sachen gelabt, traten wir den Weg zur Fuminschlucht wieder an, Wurst und andere, Hunger und Durst stillende, Sachen, vor allen Dingen Selterswasser, für die in den Stellungen Schmachtenden mitnehmend. Um ½“ Uhr sind wir wieder in der Fuminschlucht beim Bataillonsstab angelangt, wo man uns schon auf die Verlustliste gesetzt hatte. Die Freude über uns Verlorengeglaubte war nicht klein und nachdem ich ausführlich berichtet hatte, dürfen wir uns ausruhen.

Am selben Abend gehen wir wieder mit einem Trupp Essen- und Kaffeeträger nach vorne. Hier verirrten wir uns infolge eines Volltreffers in unsere Kolonne und kommen bei den 139ern in den vorderen Graben, um dann an demselben entlang zu unseren Leuten zu kommen, denen wir das wenige, das die glücklich bis hierhin gekommen bei sich haben, gerne aushändigen. In dieser Nacht haben wir auf dem Rückweg mehr Glück und sind nach 2 Stunden wieder in der Fuminschlucht. – Nach 5 Tagen wurden wir abgelöst und kamen nach Spincurt in Ruhe, wo wir uns wenigstens noch einmal waschen und unser Äußeres und Inneres einigermaßen in Ordnung bringen können.“

Die Einrichtung der Trägertrupps war für uns neu. Während bisher die Lebensmittelversorgung von vorne durch Teile der Besatzung, durch die „Essenholer“ herangebracht wurde, waren ja schon in den Vorbereitungswochen in Murville die Trägerzüge der Kompanien ausgeschieden, die dann während der Stellungszeiten bei den Küchen in den Hardaumont-Schluchten untergebracht wurden. Wenn dann die Sonne täglich am untergehen war, dann begann für diese Trägerkolonnen der Stellungsbataillone ihr Tag, ihre ebenso schwere wie verantwortungsvolle Tätigkeit. – Die Kameraden vom Tross hatten die Behälter mit Essen gefüllt, die Sandsäcke, jedem Mann zu beiden Seiten herunterhängend, die waren gespickt voll mit Brot, Fleisch-Büchsen und anderem mehr. Andere wieder erhielten Stollenbretter oder Rollen Stacheldrahts über den Buckel oder was der Infanterist vorne benötigte. Es kam vor, dass zuerst die Verpflegung und ein zweites mal Material in e i n e r Nacht nach vorne gebracht werden musste! So wurde dann losgetappt in die dunkle Nacht hinein, beladen wie die Trägertiere, hinein in das Trümmerfeld, in dem schon einen ohne Gepäck gehenden Menschen ein Stolpern, ein Ausgleiten, ein Sturz fast unvermeidlich war. Oh, Ihr armen Kameraden vom Trägertrupp, wie denken wir heut Euerer, wie Ihr allnächtlich diesen Weg in Kameradschaft und Pflichttreue herauf zu uns Euch erkämpftet und uns das Aushalten in den Trichtergräben ermöglichtet! Sogar grüße aus der Heimat brachtet Ihr und nahmet Lebenszeichen von uns für sie wieder mit Euch, wenn ihr den Rückmarsch durch die Hölle des ständigen Artilleriefeuers antratet, das mit den wild tanzenden Stichflammen Euch heim leuchtete! Ihr zoget Eure Straße, Zug der Träger! Euer Auge leuchtete nicht wie das eines frohgemuteten Stürmers, Euer Gesicht drückte immer nur die eine Sorge aus, beim Sturz oder in Deckung gehen nicht das Essen zu verschütten oder die an Eurem Körper hängenden Flaschen köstlichen Mineralwassers zu verschütten, so dass Euer Weg umsonst, die Kameraden aber nichts zu essen und zu trinken hatten! Ihr trugt das Schicksal Eures kämpfenden Bataillons in den Händen und auf den Schultern in seine vorderste Linie! Darum zoget Ihre Eure Straße, tatet Eure Pflicht! –

Das Pflichtgefühl des einzelnen Mannes geht auch aus einer Meldung der 3. Komp. Hervor, die in einer Morgenmeldung berichtete, „dass ein vermisst Gemeldeter wieder da sei: bei einem Marsch zur Ablösung hätte er sich in der Gegend des Vaux-Teiches den Fuß verstaucht und hätte zurückbleiben müssen, jetzt hätte er sich (nach 2 Tagen) nach vielen Irrwegen bei der Truppe wieder eingefunden! Landsturmmann Schulze war der brave Mann, der sich nicht „rückwärts einschnitt“, als er wieder marschfähig war, sondern seine Truppe vorn, im wüsten Artilleriefeuer aufsucht, ohne jemals dort gewesen zu sein.

2.9 Die 1. und 4. Komp. Werden am 2.9. durch 5. und 8. Komp. Res. 67 zwischen 1 und 2 Uhr nachts, die 3. Komp. In der Fuminschlucht durch 7. Komp. abgelöst. Die 2 Komp. muss noch einen Tag länger aushalten, weil die sie ablösen sollende 6. Komp. ihrerseits nicht rechtzeitig abgelöst wurde. Die abgelösten Kompanien marschieren nach dem Türkenlager Höhe 307 und beziehen für diesen Tag und Nacht Unterkunft daselbst.

Am 3.9. marschiert das I. Batl. ohne 2. Komp. in sein nunmehr ständiges Ruhequartier Spincourt, nachdem gegen 6 Uhr vorm. Auch die 2. Komp. aus Stellung eingetroffen und diese nach einer Kaffeepause mit Autos nach Spincourt befördert wird.

Verluste des I. Batls. Während der Stellungstage: Ltn. Rangen und Leutnant Hilgenberg verwundet, 25 Mann gefallen, 123 verwundet, 2 vermisst.

In der Zwischenzeit hatte das III. Batl. Am 28.8. sein Quratier Mont mit Haudelaucourt vertauscht, von wo aus am 4.9. über Baudoncourt- Billy nach dem Kronprinzenlager marschiert und dort weitere Befehle erwartet.

Das II. Batl. hatte am 27.8 Preutin und Mont verlassen und in Haudelaucourt Quartier bezogen, um am 28. diesen Ort für das III. Batl. Frei zu machen und bei Höhe 310 im Preußenlager Unterkunft zu beziehen. Die Bagage des II. Batls. Bezieht schon heute das künftige Ruhelager des Bataillons, das Kronprinzenlager. Über diese Fahrt und die Tätigkeit der Bagage berichtet der damalige Verpflegungsoffizier des II. Batls. Ltn. d. Res. Cleven, in seinem Tagebuch. Als Beispiel für die Pflichttreue der Bagage des ganzen Regiments seien folgende Absätze wiedergegeben:

Grau schlängelt sich die Masse des stolzen Regiments über graue Wege. zerfahren die Straßen von schweren Geschützen und Wagen. Schlaglöcher überall. Notdürftig die Wege mit Bohlen belegt. Unsere Pferde stolpern. Wagen und Protzen stöhnen laut auf. Aber die wackere Bagage besteht die harte Probe.

Die Bagage! Noch singen sie da vorne, die 8., 7., 6. und die 5 Komp. Bagage singt nie. Ihr fehlt der sammelnde Gleichmarsch der Fußtruppe. Hier singen und surren die Räder ihr eigenes Lied: das Lied vom Tross! Das Lied der Räder über zerschossene, zerstampfte Straßen und über ungewalzten Schotter! So ein Tross lebt sein Eigenleben. Der hat seine eigene Seele!

Ja, der Tross II/R.67! Neben mir reitet an der Spitze mein zuverlässiger, treuer Helfer Unteroffz. Borgstedt. Der weiß um die Bagage und ihrer Sonder-Seele. In Höhe von Loison lasse ich noch einmal die Nachhut an mir vorüberziehen. Wahrhaftig eine respektable Karawane! Da sind die Feldküchen der Kompanien mit ihren Protzen. Gerade in Höhe der Feldküche der 8. Komp. saust die Protze in ein wassergefülltes Schlagloch, und hoch im Bogen geht der immer zufrieden schmunzelnde Goulasch-Chef, Unteroffizier Cavote zu Wasser.

Weiter, weiter nur zu! – vorüber defilieren die Bataillonswagen, Lebensmittelwagen, Schanzzeugwagen, Sanitätswagen, Packwagen … Weiter, weiter nur zu! – Doch halt! Hier schließt der Etat. Aber noch folgt die außeretatsmäßige Bagage. Hat sie auch keinen Gefechtswert, aber sie trägt ihre gute Fracht an Erinnerungswerten, ja, an Gemüsewerten. Es steckt viel von der Romantik des unvergesslichen Deuxnouds und Lamorville in den hochaufgetürmten Wagen. – Hier folgt der kleine Jagdwagen mit dem bei Point á Mousson einst zugelaufenen Esel. Er bockt, hält sich wohl für nicht „k.v.“. Ehrfurcht vor dem Heldentod? Aus den Wagen gucken und gackern „außeretatmäßige“ Hühner. „Tiere sehen dich an!“ Dann ein „besorgter“ Leiterwagen. Davor zwei „überzählige“ Pferde. – So etwas gibt`s! – Und erst auf dem Leiterwagen! Nur Zigeuner könnten so reisen. Hochauf türmt sich, wovon man sich nicht trennen mochte: Feldschmiede, eiserne Rationen und Portionen, Marketendersachen, ein Kochherd, Töpfe, Bratpfannen, Klubsessel, Tische, Schließkörbe mit Porzellan und Glaswaren, Teppiche, Bilder, Besen, Eimer, Koffer, Wäschesäcke, Kisten, Kasten, Kommoden, Säcke, Schachteln „und sonst noch was, was man nicht sagen darf“. Zum Abschluss der Kantinenwagen. Nur eins vermissen alle beim Tross: „Minka“ und „Kathinka“, die Bataillonskühe. Sie sind die einzigen trauernden Hinterbliebenen in Deuxnouds. Wie gerne wären sie mitgezogen nach Verdun, aber „gewogen und – zu schwer befunden“.

Was Wunder, wenn auf diesen zerschundenen Heerstraßen der große Leiterwagen stecken bleibt. Was machen? Es ist keine Zeit zu verlieren, da im Abstand von 500 m bereits das III. Batl. Folgt. Der Schlusswagen der Kantine muss ausschirren und Vorspann leisten. Aber auch das hilft nicht gleich. Inzwischen hat uns das III. Batl. Überholt und so wird ein Teil der Bagage fast 5 km vom Groß des Trosses getrennt. Erst nachmittags gibt’s ein Wiedersehn.

Gegen 10 Uhr vormittags sehen wir zuerst die Côtes Lorraines und die Verduner Bergrücken. 1 Uhr stehen wir im Bois de Spincourt, wo 3 km vor der Höhe 310, gehalten wird. Wir warten auf die Quartiermacher. Unsere nassgeschwitzten Pferde und die wackeren Bagageleute stehen sich die Beine in den Leib, bis nach 3 Stunden „Wegelagerns“ der Lagerinspekteur meldet: „II/R.I.R 67 bezieht das Kronprinzenlager!“ – „Eine Frage, Herr Inspektor, wo ist die Unterkunft für die Bagage?“ – Augenbrauen und Schultern heben sich bedeutungsvoll. – „Danke, ich weiß.“ Und mit meinen treuen Pferdeburschen „Stachu“, Stanislaus Mikulayczik, trabe ich davon. Nach einer Stunde stehen Mann und Pferd und ein Teil der großen Bagage unter Dach und Fach. Die Gefechtsbagage nur zum Teil. – Also endlich am Ziel!

Am Ziel? – Und hier hebt an das „Heldenlied auf die Bagage“! Jawohl Kamerad, „auf die Bagage“. – Ich weiß wohl um manches Achselzucken, um manches Lächeln oder gar witzeln, wenn man von der Bagage spricht. Freund, hier reden wir von der Bagage bei V e r d u n! Bei Verdun braucht man andere Maßstäbe. Darum singe ich das Lied auf diese Kameraden vom Tross, auf die Kameraden „hinter“ der Front, das heißt bei Verdun sicher „in“ der Front. Und ich singe aus Dankbarkeit gegen diese stillen Stützen eines Baues, von dem zwar beim Gewittersturm das Dach und die Außenwände zuerst betroffen werden, während die Stützen innen sind. Aber diese Stützen m ü s s e n sein.

Hat diese Wackeren nicht auch der Gehorsam kommandiert? Hierher gestellt? Hatten sie nicht auch Ihre Pflichten? Trugen sie nicht auch an der Last der Ungewissheit – mehr oft als die Kameraden in der Linie-: „Wie mag’s denen da vorne gehen? Werden sie alle zurückkommen?“ – Gewiss, sie trugen nicht an der 99prozentigen Wahrscheinlichkeit des Heldentodes. Aber, was ist hier schon Sterben? Hier wiegt „Pflicht bis zum Äußersten“ weit schwerer.

Und das darf ich den „Kameraden vom Tross“ bescheinigen: Nicht e i n Versager war unter Euch. Selbst in der Sorge um Eure Pferde lag Pflicht. Und wie oft fandet Ihr sie in der Frühe tot am bebenden, brodelnden Boden der heißen Verduner Erde! Redlich habt Ihr Euch gesorgt, als das Pferdematerial immer schlechter und die Leistungen im zerschossenen, zerfahrenen, unwegsamen Gelände immer höher wurden; als der Hafer immer knapper wurde und Melasse, Streck- und Ersatzfutter aufkamen; als nervöse, nur unter „g.V.“-Pferde als „k.v“-Material in schlechten, heu- und stroharmen Ställen standen; als Bodenstreu fast ausfiel und nur Knüppelroste die Tiere gegen Bodenfeuchtigkeit schützten; als Räude, Spatt, Mauke und andere Pferdekrankheiten grassierten; als wegen der Tierknappheit die Pferde fast mehr geschont werden mussten als die Menschen.

Und doch, diesen Menschen, Euren Kameraden, galt die erste, letzte und höchste Sorge. Ihr wisst, wie der Küchenzettel sich immer schwieriger gestaltete; wie Ihr umlernen musstet, als die stärkere Verwertung natürlicher Nährsalze aufkam. Denkt an das Pressgemüse! Ihr wusstet, dass Proviant für den Magen der Kameraden wichtiger fast war als Munition. Ihr wisst, wie oft Ihr, als verulkte „Küchenbullen“, hinausgezogen sind an Höhe 310 rechts vorbei und wieder rechts herein, vorbei an Bézonvaux. Über granatgepflügtes Gelände zur Méraucourt-Ferme. Ihr kennt den Höllenweg zum Zwischenfort Hardaumont, Bézonvaux, zur Küchen- und Vauxschlucht. Für Euch gab’s kein schützendes I-Werk, sondern nur offenes Gelände. Nur die nackte Erde war für Euch und die Pflicht: „Die da vorne warten auf uns und müssen Verpflegung haben!“ – „Kameraden vom Tross“, Bagagemannschaften vom R.I.R. 67, Ihr habt gestanden!

Da Hauptmann Danzmann Lagerinspizient sämtlicher Lager im Abschnitt geworden war, übernimmt Hptm. D. Res. Sommer (bisher Kompanieführer der 3. Komp.) die Führung des II. Batls.

In der Nacht vom 30. zum 31.8. löst das II. Batl. Das III/R. 80 in der Sturmausgangsstellung und Bereitschaft ab. Stab und 5. Komp. Bezonvaux Nordlager, 8. Komp. Hardaumont-Werk, 6. und 7. Komp. Sturmausgangsstellung und kommt, wie wir schon wissen, in der Nacht vom 1. zum 2.9. für das I. Batl. In vorderster Linie, seinerseits abgelöst durch ein Bataillon der 14. bayr. I.D. Kurz nach erfolgter Ablösung entwickelt sich auf dem linken Flügel (8. Komp.) ein größerer Handgranatenkampf. Das Gelände, das durch die allerorts herumliegenden Baumstämme höchst unübersichtlich war, lässt nicht erkennen, ob es sich um einen starken Angriff handelt, so dass Sperrfeuer angefordert wurde, das sofort einsetzt. Nach einer halben Stunde herrschte wieder Ruhe. Den Tag über leiden die Kompanien unter schwerem feindlichen Artillerie- und Minenfeuer, wieder durch niedrig schwebende Flieger geleitet.

3.9. Am 3.9., vorm. 7 Uhr, greift die 14. bayr. I.D. und an deren linken Flügel das II/I.R. 364 die französischen Stellung zur Eroberung der Souvillenase an (siehe Skizze). Der Sturm gelingt in vollem Umfang; die vorderste Linie verläuft nunmehr in ungefähr gleicher Höhe von der Stellung unseres II. Batls. Herüber bis Fleury.

Das II. Batl. Hatte als Anschlussbataillon der angreifenden Truppen unter besonders schwerem Feuer zu leiden. Nach geglücktem Angriff pürscht sich die rechte Flügelkompanie (5. Komp.) bis zu dem gegnerischen Graben vor, in der Annahme, dass dieser nicht mehr oder doch nur schwach besetzt sei, muss sich aber unter schweren Verlusten wieder zurückziehen, da der Gegner – zwar aus dieser Stellung ausgewichen – von dem etwa 300 m entfernten dichtbesetzten Hauptgraben die Kompanie unter schwerstes, zum Teil flankierendes M.G.- und Infanteriefeuer nahm. Wegen der schweren Verluste der 5. Komp. muss die anschließende 7. Komp. sich nach rechts ausdehnen, um die Verbindung im Bataillon zu halten. Während das Artilleriefeuer auch nachts anhielt, erfolgen keine Infanterieangriffe. Ganz erbittert muss aber die tapfere 14. bayr. I.D. bis zum späten Abend um die Besitzerhaltung des erreichten Angriffsziels ringen. Zu dieser Division gehörte die 8. bayr. Inf.-Brig. Mit den bayr. I.R. 4 und 8, mit denen wir zwei Jahre Schulter an Schulter in der 33. R.J.D. gestanden. Das 8. bayr. Inf.- Reg. Großherzog von Baden war, wie erwähnt, am 3. Juni aus dem Verbande der 33. R.I.D. ausgeschieden. Für das 4. bayr. Inf.-Regt. König Wilhelm von Württemberg, das Ende August seiner alten 8. bayr. Inf.-Brig.,14. bayr. I.D., wieder eingereiht wurde, hatte jetzt vor Verdun die Division als 3. Infanterieregiment das Kgl. Preuß. Inf.-Regt. 364 erhalten, das bis zur Auflösung der Division in deren Reihen verbleibt und dessen II. Batl. Unter Hauptmann d. Res. Brurein wir im Anschluss rechts an das Bataillon Sommer liegend wissen

4.9. Der erwartete Gegenangriff gegen II/364 setzt erst am Morgen des 4.9. ein. Es gelingt dem Gegner – zum ersten Male Schwarze – dieses Nachbarbataillon teilweise zurückzudrängen, so dass die 5. Komp. von vorne, von der Flanke und von hinten angegriffen, in schwerster Lage ist. Durch gut gezieltes Infanteriefeuer und Handgranaten gezwungen, flutet der Gegner aber in seine Stellungen zurück. Die Schwarzen, denen es gelungen war, durch Lücken unserer Linien hindurchzukommen und unsere Schützen im Rücken anzugreifen, werden niedergemacht. Auch die 7. Komp. kann durch flankierendes und Rückenfeuer sich an der Abwehr beteiligen. Einen weiteren Angriff wagt der Gegner an diesem Tage nicht mehr. Auch das Artilleriefeuer flaut ab. Wegen der starken Verluste tauscht in der Nacht vom 4. zum 5.9. die 5. Komp. mit der in der Fuminschlucht liegenden 6. Komp.

5.9 Der 5.9. bringt heftigstes Artillerie-, Minen- und Gewehrgranatenfeuer, das besonders der 8. Komp. am linken Flügel Verluste beibrachte. Am Abend wird ein erkannter Vorstoß vor unseren Linien durch Anforderung und promptes Einsetzen des Sperrfeuers im Keime erstickt.

In der Nacht vom 5. zum 6.9. löst das III. Batl. Das II. ab, das im Kronprinzenlager, seinen nunmehrigen ständigen Ruhequartier, einige Tage der Ausspannung zu genießen hofft.

Verluste des II. Batls.: 1 Offizier gefallen (Ltn. d. Res. Brill), 3 Offiziere verwundet (Ltn. d. Res. Ahmann) Ltn. d. Res. Ladebeck, Feldw.- Ltn. Kaufhold), 1 Offizier vermisst (Ltn. d. Res. Krüner); Unteroffiziere und Mannschaften: 29 gefallen, 150 verwundet, 26 vermisst, M.G.R.: 10 gefallen, 23 verwundet, 3 vermisst.

6.9 Das III. Batl., das schon in der vorhergehenden Nacht mit Stab und 12. Komp. in der Hardaumont- Mittelschlucht, mit 11. Komp. das Hardaumont-Werk und 9. und 10. Komp. die Fuminschlucht als Bereitschaftsbataillon bezogen hatte, besetzt die Stellung mit 9. Komp. am weitesten rechts, Mitte 10 Komp. und links 12. Komp., 11. Komp. in Sturmausgangsstellung rechts.

Die Ablösung gestaltet sich wegen der besonders dunklen Nacht, des regnerischen Wetters und des außerordentlich starken gegnerischen Artilleriefeuers äußerst schwierig und verlustreich. Die Kompanien rücken nacheinander aus der Fuminschlucht in etwa ½ stündiger Folge nach vorne. Zuerst die 9. Komp. zur Stellung am weitesten rechts. Die Kunde kommt bald, dass der bewährte Führer dieser Kompanie, Ltn. d. Res. Claeßen, schon beim Anmarsch gefallen sei. Hauptmann d. Res. Gruchot setzt diesem Offizier in seinem Tagebuch als seinem treuen Kriegskameraden im Bataillon ein Gedächtniswort, das wert ist, hier festgehalten zu werden:

Er war ein Mann ohne Furcht und Tadel, von einem Pflichtbewusstsein, wie man es nur selten antreffen kann. Er hat es, obwohl Kavallerist (Ulan), verstanden, in der Front ein Mustergültiger Infanterie-Kompanieführer zu werden. Hochgeschätzt war er bei seinen Untergebenen und Vorgesetzten. Sein Gerechtigkeitsgefühl, seine geistigen und militärischen Eigenschaften und Fähigkeiten, sein Mut, seine große Aufrichtigkeit, seine Kameradschaftlichkeit werden mir unvergesslich bleiben.“

Nach der 9. Komp. brach die 10. Komp. zur Mitte der Stellung auf. Kaum aus der Fuminschlucht heraus, setzt dauernd starkes Sperrfeuer ein. Trotz der Dunkelheit und Unsicherheit des Weges gelangt die Kompanie in den Steinbruch, wo kurze Rast eingelegt wird, da hier vorm Feuer einigermaßen geschützt. Dann geht es weiter; aber besonders das Herauskommen aus der schützenden Deckung ist schwierig, da die Gegend des Steinbruchs unter besonders starkem Feuer gehalten wurde, denn dem Gegner war, wie Hptm. Gruchot in der Gefangenschaft von einem französischen Offizier hörte, der Steinbruch als Zwischenstation der Ablösung bekannt. Sprungweise geht es nun durch tolles Granat- und Schrapnellfeuer hindurch. Mancher bleibt liegen. Man stolpert in Granatlöcher oder über Gefallene. Ein Führer aus dem Fernsprechstollen im Steinbruch, dessen Name leider nicht mehr zu ermitteln, bewährt sich hierbei besonders. Schließlich ist man durch das Sperrfeuer hindurch, ein Zeichen, dass nun bald die Stellung erreicht sein muss. Manchem ist es passiert, das er gleich in einen feindlichen Graben stieß, denn die Stellung war hier, wie auf dem ganzen Abschnitt werfen Fehlens eines durchgehenden Grabens, nicht durchlaufend besetzt. Hptm. Gruchot erreicht glücklich den abzulösenden Kompanieführer, Ltn. d. Res. Hüsselmann, in erreichbarer Befehlsnähe hatte er ca. 20 Mann, darunter den Zugführer Vizefeldwebel Kaiser, Unteroffz. Crumpf, Wachfeld, Chauren, Brockmeier, Kohlstadt, Peter Kaiser u.a.

Die 12. Komp. arbeitet sich unter schwierigen Verhältnissen nach vorne als linke Flügelkompanie mit Anschluss an III/364.

Der feindliche Graben liegt 50 bis 120 m gegenüber. Die Kompanien suchen Fühlung miteinander zu erhalten, doch sind Lücken von 50 bis 70 m in der Front. Die einzelnen Gruppen greifen zum Schanzzeug und stellen, soweit abgängig, bis zum Tagesanbruch, in ihrem Bereich wenigstens, einen Graben her. Meldungen die den Übelstand der Lücken nach hinten berichten sollen, kommen nicht durch. Es ist aber nicht richtig, dass die Lücken dadurch entstanden wären, wie man sich in der Gefangenschaft erzählte, dass die Stellungen mehr Truppen als abgelöst, verlassen haben, so dass sich das Bataillon auf einen weit größeren Raum ausdehnen musste. An sich hätte der Raum zur Besetzung durchaus ausgereicht, nur das Fehlen eines durchgehenden Grabens bewirkte, dass die einzelnen Gruppen sich teilweise in Granatlöchern dichter aneinander hielten, als dies sonst der Fall gewesen wäre. In der Gefangenschaft mag die Lage dieses Bataillons mit der des I. Batls. Vom 7.9 verwechselt worden sein, das tatsächlich, wie wir noch sehen, den z w e i Bataillonen zugewiesenen Raum besetzt hatte.

Mit Tagwerden setzt schärferes Feuer aller Kaliber wieder ein, das auch das Hintergelände erreicht. Da direkte Beobachtung der vordersten Linie für die feindliche Artillerie nicht möglich ist, weil wir dicht an der höchsten Erhebung liegen, sind jetzt fast ständig Flieger über der Stellung, die bis 50 m über den Bataillonen schwebend, mit sichtlichem Erfolg das Artilleriefeuer auf die Schützen leiten. Leider verjagt sie kein eigener Flieger; auch die Beschießung aus den Gräben ist erfolglos. Ebenso wird wutschnaubend das fast gänzliche Schweigen unserer eigenen Artillerie festgestellt, obwohl durch Leuchtkugeln wiederholt das Feuer der Artillerie gefordert wird. Der brave 67er muss sich eben in sein Schicksal fügen! Gegen Mittag setzt starkes feindliches Trommelfeuer ein. Es wird ein Höllenlärm. Große Verwüstungen werden angerichtet. Viele Verluste! Selbst die Augenverbindung nach den Seiten geht infolge des Qualms und der ständig aufsteigenden Stein-, Baum- und Erdfontainen verloren. Das ist besonders schlimm und gefahrdrohend, denn dass jetzt bald ein Angriff bevorsteht, ist für jeden klar.

So liegen die einzelnen Trupps in ihren engen Gräben, die wenigen intakten M.G. in die vordere Grabenwand eingegraben und als besondere Heiligtümer mit den eigenen Leibern der Bedienung vor Splittern gedeckt, bis gegen 5.30 Uhr als es schon zu dämmern beginnt, das Feuer plötzlich zurückverlegt wird und dichtgeschlossene Linien Franzosen in mehreren Wellen fast zur gleichen Zeit vor den Gräben erscheinen. Die Späher schreien nur noch: „Sie kommen!“ und schon fliegen die ersten Handgranaten und das Gefecht ist im Gange.

Da, wo es gelingt, das M.G., wo es noch intakt ist, rechtzeitig zum Feuern zu bringen, wird der Gegner stutzig, Es mäht die Anstürmenden nur so hinweg; das gibt anfangs Luft. Es entbrennt der Kampf um die Nester, bei dem sich die M.G.-Nester naturgemäß länger halten. Nachfolgende Reserven brechen aber durch die Lücken hindurch und greifen von der Seite und vom Rücken an. Hauptmann Gruchot sieht, wie in weiter Entfernung (150 m etwa) rechts und links der Durchbruch durchweg gelungen sein muss; er sieht, wie die gegnerischen Schützen, sich weiter zusammenschließend, weiter nach hinten stürmen und in ca. 400 m Entfernung sich hinwerfen und eingraben. Den Ausgangsgraben sieht er ebenfalls dicht besetzt. Weiter soll er selbst nach seinem Tagebuch das Wort haben. In den anderen Kompanien wird wohl annähernd die gleiche Lage gewesen sein.

Bald versagte“, so berichtet Hptm. Gruchot, „ durch eine Ladehemmung das M.G. Wir wurden von allen Seiten durch Angriffe bedrängt. Bald hier, bald dort brechen Franzosen vor und werfen Handgranaten. Sehr nützlich war für uns die M.G.-Munition, die wir für das M.G. nun nicht mehr verwenden konnten, da wir unsere reichliche eigene Munition bald verschossen hatten. Mein Karabiner leistete mir gute Dienste. Mit Handgranaten waren wir sehr sparsam. Mancher von uns sank dahin. Vizefeldw. Kaiser, unmittelbar neben mir, wurde von einem Brustschuss getroffen, warf sich ruhig nach hinten nieder und starb den Heldentod. Strauß und Maletzki fielen durch Kopfschuss sofort tot hin. Mir schoss aus nächster Nähe ein Franzose durch den Stahlhelm, gerade über den Scheitel weg, so dass mein Helm Ein- und Ausschuss zeigte. Der interessante Helm wurde mir leider von einem französischen General später weggenommen, der ihn als „Souvenir“ haben wollte und mir ein französisches Käppi dafür anbieten ließ. Als ich die Hergabe ablehnte, wurde mir der Helm abgerissen. – Allmählich wurde es dunkel und etwas ruhiger. Ein herrlicher blutroter Sonnenuntergang leuchtete uns noch. Nur ab und zu mussten wir feindliche Vorstöße kleinerer Trupps abwehren. Dabei machten wir Gefangene, die ich auf dem Rücken in Deckung liegen ließ. Nach und nach ca. 15 Mann. Sie freuten sich der Ruhe und waren zufrieden. Plötzlich sah ich 5-6 Schritte vor mir 2 Franzosen aufspringen und mit einem Ruf auf uns zulaufen. Sie wurden sofort niedergeschossen. Gegen 7 Uhr abends setzte auch unser Artilleriefeuer ein, auch wenn nicht übermäßig stark. Durch Leuchtkugeln verhindern wir, dass man uns beschoss. Diese Verständigung funktionierte sehr gut. Die Nacht ging im schwersten Aufpassen und mit kleinen Kämpfen schnell vorbei. Eine Patrouille von der M.G.-Bedienung, die ich zur Verbindung und nach M.G.-Ersatzteilen abschickte, sah ich erst in der Gefangenschaft wieder. Besonders unangenehm waren die französischen Gewehrgranaten, weil sie aus voller Deckung abgeschossen wurden. Ein Volltreffer erhielten wir glücklicherweise nicht. Bei Tagesanbruch erscheinen zahlreiche französische Flieger in sehr niedrigem Flug. Von einem wurden wir entdeckt und beschossen. Wir schossen wieder, der Flieger verschwand. Nach einiger Zeit lagen einige französische Granaten ganz in unserer Nähe, wohl aufgrund der Fliegermeldung; dann griff uns eine starke französische Patrouille von rückwärts mit Gewehrgranaten an. Sie schossen Granate auf Granate, aber alle zu kurz, sonst wäre es um uns letzte 7 geschehen gewesen. Wegen der großen Entfernung konnten wir unsere Handgranaten nicht werfen und waren gegen die Angreifer völlig machtlos. Sowie wir einen Kopf erspähen konnten, schossen wir. Sehnlichst erwarteten wir einen Gegenstoß der unsrigen und hofften dann gute Dienste leisten zu können und frei zu werden. Aber alles hoffen wurde zuschanden. 2 französische Linien, die sich hinter uns eingruben, konnten wir beobachten. Vor uns war eine 3., die sehr stark besetzt war, wie wir später sahen. Unsere Artillerie hätte hier gute Erfolge haben können, wenn eine Fliegerbeobachtung zur Stelle gewesen wäre. Die Franzosen erwarteten offenbar einen Gegenstoß (der auch am nächsten Morgen stattfand, wie wir sehen werden. D. Verf.) Nun setzte auch unsere Artillerie ab und zu eine Granate in unsere Nähe. Leuchtpatronen zur Kenntlichmachung hatten wir nicht mehr. Wir konnten nur abwarten, bis uns ein Artilleriegeschoss oder eine Gewehrgranate, die wir nun wieder beschert bekamen, erledigte. Die Patronen gingen auch zur Neige! So entschloss ich mich schweren Herzens, besonders wegen des Verantwortungsgefühls für meine Kameraden, die ich nicht zwecklos opfern durfte, zur Kapitulation. Von sich aus hatte keiner den Vorschlag gemacht. Es war etwas Wunderbares, wie die Mannschaft in Disziplin und Treue mit mir mutvoll bis zum letzten gekämpft hat.“

Zur Befehlsstelle des III. Batls. In der Fuminschlucht kommt während der Nacht keinerlei Meldung der katastrophalen Lage; ausgesandte Patrouillen kommen nicht zurück, von vorne abgesandte Meldungen erreichen nicht ihr Ziel.

Erst am Morgen des 7. erkennt das Bataillon einigermaßen die Lage vorne durch Verwundete. Aus der Lage des französischen Artilleriefeuers, das allmählich abgeflaut war, ist aber zu vermuten, dass der Gegner bisher nicht weit über die vorderste Linie vorgedrungen sein kann.

Der Bataillonsführer, Rittm. D. Res. Von Knoblauch, meldet dem Regiment in der Hardaumontschlucht, seine Res.-Kompanie (11.) schickt er nicht nach vorne, da sie noch die einzige Besetzung der Riegelstellung bildet.

Um 11 Uhr vorm. Übernimmt der mit seinem Batl. I/R. 130 in der Fuminschlucht eintreffende Major Schreiber den Befehl über den ganzen Divisionsabschnitt südlich der Vauxschlucht. Den Befehl über I/R. 130 übernimmt Rittmeister von Knoblauch neben den Resten seines Bataillons.

Über die Gliederung der Infanterie der Division und Befehlsverteilung sei hier zum besseren Verständnis folgendes eingefügt:_

Die Infanterie gliedert sich in

1) Truppen der vordersten Linie (2 Bataillone), Südstellung (Ost und West mit je 3 Kompanien vorn, je 1 in Sturmausgangsstellung);

2) Bereitschaftsgruppen (1 Bataillon) mit 2 Kompanien Fuminschlucht, 1 Kompanie Hardaumont-Werk, Stab und 1 Kompanie Vezonvauxschlucht und

3) Truppen in den ständigen Ruhequartieren.

Gliederung der Maschinengewehre:

3 M.G.-Komp. der Regimenter und Sch.Sch.Tr. 154 (Hptm. Bedge).

Hiervon südlich der Vauxschlucht

a) in vorderster Linie 12 M.G.,

b) in Bereitschaft zur Reserve des Regimentskommandeurs
2 in Fuminschlucht, 2 in Sturmausgangsstellung rechts, 2 in Sturmausgangsstellung links, 2 bei U-Werk 512.
Die Gewehre bleiben immer vorn und sind bei der Ablösung zu übernehmen.
Nördlich der Vauxschlucht: 2 Gewehre Hardaumont-Werk, 4 Gewehre Vesonvaux-Nordlager.
Von den Mannschaften steht eine Kompanie vorne, eine in Bereitschaft und zwei in Ruhe.

Den Befehl über sämtliche Truppen der Division südlich der Vauxschlucht hat jeweils ein Inf.- Regts.-Kommandeur, dessen Befehlsstelle bis zum 13.9 Hardaumont-Südschlucht ist, vom 14.9 ab Fuminschlucht.

Da der Gegner, wie sich ergab, nicht nur bei III/R. 67 eingedrungen, sondern ebenso bei der 8. bayr. Inf.-Brig. Und I/364, befahl das Generalkommando einen gemeinsamen Angriff. Die Truppen sollen in der Nacht bereitgestellt werden und bei Morgendämmerung sich wieder in den Besitz der alten Stellung setzen.

An Truppen für diesen Divisionsabschnitt stehen zur Verfügung: I/I.R. 368 mit Ss.-Tr. 115. Dieses Bataillon löst in der Nacht das rechts von III/R. 67 liegende I/364 ab. Mit der Ablösung trifft dieser Abschnitt, der bisher zur bayr. 8. Brig. Gehört hatte, zur 33. Res.-Div. Unter den Befehl des Majors Schreiber. I/368 hat also den rechten Flügel unserer Division zu bilden; I7R. 67 mit 4 M.G. des Ss.Tr. 154 in der Mitte, I/R. 130 mit 4 M.G. des Ss.Tr. 154 am linken Flügel.

Der Führer des I/R. 67 Hptm. Fuisting, gibt den Kompanien vorderster Linie – von rechts nach links : 1., 3., 4. – eingehenden Befehl, im besonderen, wie sie miteinander Verbindung im Vormarsch zu halten haben. 9.30 Uhr abends setzen sich die Kompanien vom Fuminrücken aus in Marsch. Bei der 1. Komp. 2 M.G., bei den anderen je 1 M.G. 2.Komp. in Sturmausgangsstellung, die Bataillons-Befehlsstelle bei dieser. Die Nacht ist mondhell, das Artilleriefeuer außerordentlich lebhaft.

(siehe Skizze) Die Kompanien pürschen sich an die gegnerische Linie heran. Die 4. Komp. war im Anschluss an I/R 130, ohne auf den Gegner gestoßen zu sein, in den Bergwald (nur an einigen Baumstümpfen erkennbar) eingedrungen. Das Gerücht, der Franzose sei gerade hier bis an den Steinbruch vorgestoßen, bestätigt sich also nicht. Die 3. Komp. verlor schon im Vormarsch den Anschluss an die 4. Komp., so dass der Kompanieführer den Ltn. d. Res. Stille zur Verbindung nach links absendet, der auch schließlich die 4. Komp. findet, aber nicht mehr seine eigene Kompanie. Der Führer der 4. Komp., Ltn. d. Res. Westrick, befiehlt daher Ltn. Stille, seinen rechten Flügel zu übernehmen und stellt zur Sicherung seiner rechtern Flanke dort auch sein M.G. auf. Die mehrmaligen Versuche der Patrouille Hefelmann, Anschluss nach rechts zu finden, waren ohne Erfolg.

Die 3. und 1. Komp. waren ebenfalls bis vor den Gegner gelangt, auch diese Kompanien weiter nach vorne, als man nach bisheriger Auffassung vermutete und graben sich ein. Die 1. Komp. war am J-Werk 544 von einer bayr. Patrouille empfangen worden, die Befehl hatte, sie an den linken Flügel ihrer Division zu führen.

Der Bataillonskommandeur musste glauben, dass alles im Lot sei, nachdem der Anschluss an die Nachbartruppe hergestellt war, da von der mittleren (3.) Kompanie im Laufe der Nacht die noch heute in den Regimentsakten vorhandene Meldung eintraf, dass sie in Verbindung nach der 4. und 1. Komp. habe.

Bei Rekonstruktion der Lage aber, gelegentlich der Abfassung unserer Geschichte, ergibt sich das Bild, dass die 3. Komp. mit e r h e b l i c h großen Zwischenräumen zwischen 1. und 4. Komp. gänzlich isoliert 50 m vor dem Gegner lag.

Wie sich die Meinung herausgebildet hat, das Anschluss an 4. Komp. da sei, ist nicht mehr feststellbar, denn wie schon erwähnt, hatte der zur Verbindung nach links entsandte Ltn. Stille Anschluss an seine Kompanie nicht mehr gefunden und auch die mehrmaligen Versuche der 4. Komp. Verbindung nach rechts herzustellen, waren vergeblich gewesen, so dass der Kompanieführer der 4. Komp., Ltn. Westrick, seinen rechten Flügel – nur um die Abt. Stille verstärkt – unter Einbau seines M.G. dortselbst nach der bedrohten Flanke herumbog.

Die Meinung, dass der 3. Komp. Anschluss nach rechts zur 1. Komp. hergestellt sei, war nur natürlich, denn der Zug Werner der 1. Komp. der Verbindung nach links herstellen sollte, lag tatsächlich im Anschluss an die 3. Komp., hatte aber nach seiner eigenen Kompanie völlig den Anschluss verloren.

Das alles so kam, ja kommen musste, lag daran, das nichts von dem I/368 zu sehen war, das doch nach Divisionsbefehl im Anschluss an die bayr. Division liegen sollte. Dafür werden sowohl bei der 4. wie bei der 1. Komp. kleine Trupps 369er festgestellt, die sich verlaufen hatten und bei diesen Kompanien zur Auffüllung der Lücken benutzt wurden.

Nach Einsichtnahme der Kriegstagebücher der rechts anschließenden Regimenter muss es als Verhängnis angesehen werden, dass der Bataillonsführer, Hptm. Fuisting, nicht über den Standort des Gefechtsstandes des I/364*) *) I 364 lag ja rechts vom überrannten III. Batl. Und sollte durch I/368 abgelöst werden.

unterrichtet worden war. Der Gefechtsstand war im J-Werk 544 (!), zusammen mit dem Kommandeur des bayr. Linken Flügelbataillons, also ganz in der Nähe der Sturmausgangsstellung. Wie wäre durch Fühlungsnahme mit diesen Stäben alles anders gekommen!

Der Kommandeur des Btls. 8. Bayern hatte in den ganzen Raum I/364 eine seiner Kompanien zur Verstärkung einschieben müssen, da die Stellung bei I/364 wegen ihrer zu großen Ausdehnung zu schwach besetzt war.

Gegen 1 Uhr nachts war dort auch der Kommandeur I/368, Hptm. V. Reden, erschienen, dessen Kompanien – ohne Führung und Einweisungskommandos – sich mit Ausnahme eines kleinen Teils seiner 1. Komp. verlaufen hatte und im Gelände irgendwo herumirrten. Das Bataillon – noch nie vor Verdun gewesen – war am frühen Nachmittag vom Ruhequartier Rouillon-Pont mit 30 Lastautos nach Azannes gefahren worden und dort für Verdun ausgerüstet, seither im Marsch nach der Stellung! – Ahnungslos – keiner eine Karte! – ohne Führer! Das alles ist aktenmäßig absolut sicher festgestellt. An dem völlig unschuldigen Versagen dieses Bataillons lag in erster Linie der Misserfolg des folgenden Tages.

7.9 Während die 4. Komp. bis zum angesetzten Sturm vom Gegner unbehelligt blieb – abgesehen von der Episode, dass ein Mann ihres Schützenschleiers, Musketier Köhn zu dicht an den Feind heranprellte und durch einen plötzlich vor ihm aufspringenden Franzosen in den Graben gezerrt wurde – hatten die 3. und 1. Komp. Schon im Laufe der Nacht Vorstöße des Gegners erfolgreich abgeschlagen

6.15 Uhr vorm. Nach Einsetzen unseres Sperrfeuers stürmen die 3 Kompanien gemeinsam, wenn auch räumlich getrennt, die vorderste Linie, nehmen diese und erobern noch die zweite, dahinterliegende feindliche Stellung in der sie sich sofort einrichten.

M.G. werden erobert und Dutzende Gefangenen gemacht. Die Verluste an erprobten Führern und Mannschaften aber sind groß. Bei der 4. Komp. Fiel durch Kopfschuss Ltn. d. R. Tölle. Geraume Zeit nach dem Sturm wird der Kompanieführer Ltn. d. R. Westrick schwer verwundet nachdem er noch in rascher Auffassung der Lage den Angriff auf eine Sappe, die mit 2 M.G. besetzt war befohlen und geleitet hatte, die genommen und besetzt, die feuernde M.G. erobert wurden.

Die 3. Komp. Hat den Heldentod ihres Kompanieführers Ltn. d. R. Maas zu beklagen; der Vizefeldw. Schulte wird verwundet.

Bei der im Anschluss an 3. Komp. Liegenden 1. Komp. Wird deren tapferer Zugführer Unteroffz. Werner verwundet, der auf diesem gefährdeten Flügel mit besonderer Umsicht nach dem Sturm die Verteidigung leitete. Der im Anschluss an die Bayern liegende Teil der 1. Komp. Kommt nach gelungenem Sturm plötzlich in eigenes heftiges Artilleriefeuer, aus dem man sich nur durch Zurückverlegen seiner Linie herausziehen kann.

Im zähen Festhalten an dem durch schon so viel deutsches Blut geheiligten Boden halten die tapferen Kämpfer gegen die bald nach dem Sturm einsetzende Wiedereroberungsversuche des Feindes in ihren größeren oder kleineren Nestern aus; in der Mitte wohl schon bald zum Zurückweichen von einem zum anderen Granattrichter gezwungen, denn hier galt es, sich nach allen Seiten zu wehren und doch der Gefangenschaft zu entgehen. Hier waren die größten Lücken in der Besetzung, so dass der Gegner hindurchstieß und die Nester im Rücken zu fassen suchte.

Im allgemeinen muss sich aber die Linie noch gehalten haben bis kurz nach 12 Uhr mittags ein allgemeiner Angriff auf die ganze Front in mehreren dichten Wellen einsetzte, der die Reste der tapferen Verteidiger, die fechtend nicht schnell genug ausweichen konnten, umzingelt und gefangen nimmt.

So endet hier vorne der so siegverheißende Morgen mit Misserfolg, den abzuwenden jeder einzelne mit seinen Kräften bestrebt gewesen war.

Wie tapfer gekämpft wurde, mag daraus klar ersehen werden, dass auch dem Gegner die Kraft fehlte, weiter vorzustoßen. Die 4. Komp. Meldet z. B. in ihrem Gefechtsbericht, dass nach Erstürmung des Grabens dort 50 Tote und 10 Schwerverletzte gezählt wurden.

Das Bataillon bekommt zuerst Meldung des Gegenangriffs und der Verluste auf dem rechten Flügel durch einen verwundeten Unteroffizier der 1. Komp., worauf sofort die 11. Komp. Und kleinere Gruppen der zurückweichenden vorderen Kompanien eingesetzt werden. Die 2. Komp. Als einzigen vorläufigen Rückhalt behält der Bataillonsführer in seiner Hand in der Riegelstellung. Die Lage kann aber nicht mehr hergestellt werden.

Die Lage bei der 14. bayr. I.D. ist noch nicht bekannt, sie ist sicher ebenso schwierig, Gelände wird auch verloren sein. Bei dem I/R. 130 liegt die gleiche Situation vor. Nur Teile der 4./Res. 130 am linken Divisionsflügel haben sich im Anschluss an I.R. 132 der 50. I.D. vorne behauptet.

Der Tag geht zur Neige mit Anordnungen zur vorläufigen unbedingten Verteidigung der Riegelstellung.

Von der Division ergeht gegen 8.30 Uhr abends durch Befehlstelle Schreiber, Fuminschlucht, Befehl zur Bereitstellung eines neuen Bataillons, hierzu wird das II/R. 67 befohlen, zur endgültigen Besitznahme einer Stellung, die einige 100 m rückwärts der bisher innegehabten vordersten Linie zu liegen habe. Nach der Karte (siehe Skizze): Rechter Flügel etwa 200 nördlich 561 – südlich 560 – südlich 559 – 558 – südlich 557 – dann Anschluss an 50. I.D., etwa nördlich des Buchstabens l von Wald. Da der Einbruch auf der ganzen Divisionsfront erfolgt war, stand rechts I/368 und links III/R. 130 mit gleicher Aufgabe zur Verfügung.

Das I/368 fand sich in der Nacht einigermaßen zusammen und konnte die vorderste Linie besetzen. Es ergab sich, dass sie ca. 150 m hinter der verlorengegangenen Linie der 33. Res.-Div. Lag, so dass jetzt die Verbindung wie wir noch sehen werden, durch Patrouillen allmählich hergestellt wurde.

Die Reste des I. und III. Batl. sammeln sich in der Fuminschlucht und rücken I. Batl. Nach dem Türkenlager, III. Batl. Nach dem Kronprinzenlager, von wo sie am nächsten Tage mit der Bahn in die Ruhequartiere gelangen. – Ergreifend war der Gottesdienst, zu dem an der Höhe 310 der katholische Divisionspfarrer Saget die Überreste der Bataillone versammelte, - Bei der Gelegenheit sei dankbarst der ständig opferbereiten Liebes- und Seelsorgertätigkeit der Divisionspfarrer beider Konfessionen gedacht, die in würdiger Auffassung ihres Dienstes bei ihren Mannschaften auch in den Granattrichtern der Fuminschlucht zu finden waren.

Die Verluste des I. Batls.: Ltn. d. Res. Tölle gefallen, Ltn. d. Res. Westrick, Klüwe, Hermes verwundet, Ltn. d. Res. Maas, Stille vermisst; Unteroffiziere und Mannschaften: gefallen 14, verwundet 111, vermisst 139, gefangen 1.

Die Verluste des III. Batl.: Ltn. d. Res. Claßen und Halbach gefallen, Ltn. d. Res. Koll und Harnack verwundet, Hptm. D. Res. Gruchot, Ltn. Schroeder, Mauz und Breckers vermisst; Unteroffiziere und Mannschaften: gefallen 12, verwundet 56, vermisst 263.

Das II. Batl. War erst am 6. 9. in seinem Ruhequartier, Kronprinzenlager, angelangt, daher trifft es der Alarm- und Marschbefehl am 7. 9. recht hart. Die Bekleidung und Ausrüstung war noch nicht recht trocken bzw. instand gesetzt – aber wie heißt es? „Schnaps ist Schnaps und Dienst ist Dienst.“


Peter Breitscheidt:
Am 8. IX.16 vor Verdun (Bergwald durch A.G.K. verw
.)* A.G.K.=Artillerie Granate Krepierer


8.9 So tippeln die braven 2. Bataillöner 6 Uhr morgens am 8.9. zum Preußenlager bei Höhe 310, und kaum dort angelangt und die Goulaschkanonen entleert, rücken die Kompanien in Abständen am hellen Nachmittag trotz feindlicher Flieger und Fesselballons nach der Mittelschlucht und bei Einbruch der Dunkelheit beginnt der Kreuzweg nach Golgatha, d.h. der Marsch über die Höhe Hardaumont durch die Vauxschlucht nach der Fuminschlucht. Bis gegen Mittag sind die Kompanien dort gelandet.

9.9 Am 9.9. gegen 12.30 Uhr vorm. Rücken die Kompanien nach der Sturmausgangsstellung um dort auszuschwärmen. 8. Komp. Am linken Flügel, Anschluss an R.I.R. 130. Im Anschluss nach rechts 5., 6. und 7. Komp. ….



Peter Breitscheidt:

Am 10.IX.16 in das Feldlaz. 5 der 33. Res. Div. Aufgenommen
Am 9.X.16 dem Kriegslaz. Pierepont überwiesen

Am 14.X.16 in das Res. Laz. IV (Abtlg. Evangl. Gemeinde) Brebach Saar aufgenommen.
Am 30.XII.16 der 5. Komp. II. Ers-Batl.Inf. Reg. 67 überwiesen

Am 20.I.17 zur 1. Komp. Versetzt
Am 19.VI.17 gem. Verfg. Des stellv. Gen. VII R.K.

Vom 18.VI.17 a.K.B. No. 55237 bis zum Abschluss des Rentenanspruchs nach Essen-Borbeck Bez. Kdo. Essen II beurlaubt.

Am 31.VII.17 gem. Verfg. Des stellv. Gen. VII R.K.



Vom 27.August bis 30.Oktober 1916 Hatte das Regiment folgende Verluste:

Mannschaften und Unteroffiziere: 157 getötet, 732 verwundet und 1.327 vermisst.

Offiziere: 11 getötet, 24 verwundet und 10 vermisst.




EXKURS zu Breitscheid, Dasbach

Die der heutigen Verbandsgemeinde Waldbreitbach - vormals Amt Neuerburg zu Waldbreitbach - angehörenden Gemeinde Breitscheid umfasste als ehemalige Hunschaft Breitscheid mehr Gebiete als die heutige Gemeindegrenze. Ihre Grenze streifte südlich Waldbreitbach und Niederbreitbach an der Wied. Im Jahr 1660 zählten mit dem »Dorf Kurtscheid schließlich dem Hof Mertesacker eine festgefügte Einheit. Große Teile des eigentlichen Breitscheider Landes hatten die Begehrlichkeit fremder Herren geweckt. Es muss die Annahme zurückgewiesen werden, dass zu jener Zeit die Aktivitäten entscheidend bei den Vögten zu Panau (bei Neustadt) gelegen hätten. Diese gelangten im Wiedtal zu einem stattlichen Streubesitz. Aber dieser muss wohl eher als der südlichste Erwerb der Herren von Berg betrachtet werden.

Die erste Erwähnung des Breitbacher Minesterialgeschlechtes erfolgte 1155, als nämlich Herzog Mathäus von Lothringen sich gewisser Rechte bei der Jagdfrohnde entledigte und Gotfridus de Breitsceit als Zeuge auftrat. Auch 1157 war besagter Gotfried noch in der Zeugenpflicht, als Kaiser Friedrich I. dem Erzbischof Hillin (Trier) den Besitz der Abtei Maximilian bestätigte. Und 1158 bezeugte derselbe, dass Erzbischof Hillin von Trier den Streit der Abtei St. Marien über Güter zu Minheim gerichtlich beurkundete. Godefridus de Breidescheid konnte auch 1158 bezeugen, dass Kaiser Friedrich I. für das Kloster Rolandswert ein Diplom ausstellte.
Dieser Vorgang lässt es naheliegend erscheinen, dass das Breitscheider Land in früherer Zeit Reichsgut war, das dem erwähnten Ministerialgeschlecht derer von Breitscheid für treue Dienste von seitens des Kaisers als Lehnung zuteil wurde. Wahrscheinlich war es der Sohn Godefedus de Bretscheid, der im Jahr 1202 bezeugte, dass der Graf Gerhard von Ahr-Nurburg seinen Burgfrieden erneuerte. Und als Gerhard Graf von Are die Stiftung des Anniversars seines Vaters Ulrich in der Pfarrkirche zu Adenau im Jahr 1216 vermehrte, war wiederum ein Godefridus de Breitsceit als Zeuge anwesend. Immer noch ist von einem Ministerialen (S.Petri) Godefridus de Breitscheid im Jahre 1220 die Rede, als Herzog Matthäus von Lothringen gewisse Jagdrechte abtrat. Burggraf Arnold von Hammerstein verglich sich in Anwesenheit des Zeugen Wilhelmus de Broyseit (Breitscheid) im Jahre 1274 mit Sophie bezüglich des Rückkaufs des Hofes in Königsfeld bei Sinzig. Deutlicher wird das Breitscheider Herrschergeschlecht, das im Jahr 1307 - durch Hermann von Breitscheid - die in der Hunschaft Roßbach gelegenen Güter an den Deutschen Orden zu Waldbreitbach vermachte. Auf Andries von Breidscheid stößt man in einem niederisenburgischen Abgabebuch im Jahre 1459. Er und sein Sohn Peter waren den Isenburgern abgabepflichtig. Am 1. Januar schenkte Wolffhenge von Breitscheid dem Kloster Ehrenstein einen Busch in der »Grovell« Dabei trat ein Johann von Breitscheit, der Schöffe des Amtes Neuerburg, ebenfalls als Zeuge auf. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts Trennten sich die die Herren von Breitscheid endgültig von ihren Gütern, denn im Jahr 1660 sind sie nicht mehr nachweisbar. »Die zuvor erwähnten Herren von Breitscheid werden von allen namhaften Landeskundlern dem Breitscheid im ehemaligen Amt Neuerburg zugeordnet.
 Wenn auch die Linie der Breitscheid-Neuerburg (Wied) recht früh - zu Beginn des 13. Jahrhunderts - begegnet, so ist dennoch eine verwandte Linie für das ehemalige Breitscheid (Breidscheid), im Kirchspiel Adenau gelegen, anzusetzen. Dort lag schon in frühester Zeit ein kurkölnischer Lehnshof, der noch im Jahr 1614/15 von dem kurkölnischen Erzbischof.
Es bleibt die Frage, wer denn nun die von Breitscheid beerbte. Im 17./18. Jahrhundert bildeten sich in Breitscheid drei große Höfe heraus (Heintz, Scharfenstein, Tröck). Im Gegensatz zu dem aus Oberlahr stammenden Peter Scharfenstein (etwa um 1750) war der im Jahre 1742 geborene Peter Heintz immer Sendeschöffe gewesen, ein Amt, das er von seinem Vater übernommen hatte und das er 1789 seinem Sohn Engelbert weitergab. Auch die Ortslage dieses Hofes könnte zu den Herren von Breitscheid weisen. Allerdings wird auch im 18. Jahrhundert der 1742 in Neubrunn geborene Adelige Georg Eugenius von Mertzenfeld in Breitscheid angetroffen, der ebendort die Witwe von Milberg heiratet.
Die Herren von Breitscheid gehörten als Ministeriale dem niederen Adel an. Sie hatten zunächst nur einen Einzelhof inne. Sie rodeten und bewirtschafteten das Land. Andererseits kamen weitere große Teile des Breitscheider, Verscheider und Dasbacher Landes gegen Ende des 13. Jahrhunderts in das Eigentum der Mant von Selbach, Limbach und Neustadt. Sie ließen manche Höfe anlegen. Besiedlungsgeschichtlich sind sie von größter Bedeutung. Auf sicherem geschichtlichen Boden stehen wir  erst im Jahre 1471 (13. September), als der Mant von Selbach sich von großen Teilen Landes in der HUnschaft Breitscheid trennen wollten. Schon hatte Dietrich Mandt diese Güter zuvor besessen; nun verkaufte sie der Sohn, weil er in finanzielle Nöte geraten war. Diese Güter wurden stets als die des Kirchspiels Breitbach zusammengefasst. Als Käufer der Mant'schen Besitzungen trat Wilhelm von Nesselraid auf, dessen Familie das Amt Neuerburg als Amtmann etwa 100 Jahre innehaben wird. Auch der Verscheider Hof (Armenhof) war nunmehr im Eigentum der Nesselroths. Somit gelang das Breitbacher Land großenteils in die Ausstattung der damals neu gegründeten Pfarrei Ehrenstein (1486). Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts wird das Breitscheider und vor allem Verscheider Land von dem Schicksal der Ehrensteiner Herren (Kreuzherren) abhängen. Die Kreuzherren trachteten auch danach, ihren Landbesitz dem Amt Neuerburg zu entfremden. So war zeitweise von dem »kirpell muckenheltenl ihr Begehren vor, in den Abgaben den anderen Neuerburgern und insbesondere den Kurtscheidern gleichgestellt zu werden; sie beklagten sich nämlich im Jahre 1772 bei dem Grafen und verwiesen auf die Abmachung aus dem Jahr 1683, die erhebliche Erleichterungen für Neuerburg gebracht hatte. Doch der Graf wollte einem solchen Ansinnen nicht stattgeben.
Die geschichtlichen Anfänge von Dasbach sind gut feststellbar; denn am 20. Januar 1489 verkauften Johann Kluppel von Dasbach und seine Frau Guytgin von Oeverlair (Oberlahr) dem Henrich von Crumbach und seiner Frau Druytgen zwei Malter Hafer aus ihrem Gut zu Dasbach. Diesen Vertrag siegelten auch der Junker Philip Rouffer, der Räuber genannt wurde, und der Kunker Peter Munt, wobei die Namen Munt und Mant gleichzusetzen sind. Also waren die Mant gegen Ende des 15. Jahrhunderts in Dasbach begütert. Doch ändert sich die Lage schon am 11. November 1513. als dem Kloster Ehrenstein die von Kluppel entstandenen Malter Hafer vermacht wurden. Das Dasbacher Land ist unstrittig ein ehemaliges Land der Limbacher oder Seelbacher Mant. Im Jahr 1660 musste der Johann aus Dasbach für seine Ölmühle das Wassergeld bezahlen. Später konnte der Graf zu Wied einige wenige Ländereien an sich bringen. Zwischen 1823 und 1863 wurden diese Ländereien dem Gerhard Nassen zu Dasbach verpachtet.
 Orte:
Zu der Hunschaft Breitscheid gehörten seit alters die Orte Hochscheid, Gersthahn, Bleischeid, Elsbach, Breitscheid, Nassen, Fockenbachsmühle, Dasbach, Siebenmorgen, Hollig, Goldscheid, Verscheid, bis 1671 auch Kurtscheid und Escherwiese. Die Breitscheider Hunschaft war mit 1172 Morgen die größte des Amtes Neuerburg, das insgesamt 3307 Morgen umfaßte. In dieser Hunschaft befand sich schon im Mittelalter eine Ölmühle, für die im Jahre 1660 ein Johannes von Dasbach zuständig war. Diese Ölmühle lag aber im Siebenmorgener Bereich.
Einer der insgesamt zwei Höfe in Nassen wurde bei der Ritterschaft versteuert. Er wurde 1660 von Heinrich und Johann zu Nassen bewirtschaftet und umfasste 13 Morgen Ackerfläche, weshalb die Eigentümer zwei Ochsen hielten. Im Jahre 1817 hatte Nassen 28 Einwohner; dies deutet auf zwei bis drei Häuser hin. 1843 wies der Weiler Nassen schon sieben Häuser mit 39 Einwohnern auf. Die beiden Höfe in Nassen hatten 1660 eine Hoffläche von zwei Morgen und 11 Ruten. Die damaligen Flurbezeichnungen in der Gemarkung Nassen: Bißers hahn, Eifen hahn, aufm Bitzenmich, Lentzheide, Eichhohen, im Giersen. Alle diese Flurstücke machten insgesamt 60 Morgen aus. Um 1820 hatte die Familie Schönebeck den Nassener Hof zeitweise inne.
Ferner hatte der Freiherr von Nesselrath in der Breitscheider Hunschaft eine Wiese inne, das Haus Neuerburg 60 Morgen Wiese, die Kirche zu Waldbreitbach zwei Wiesen, der Commendenhof auf dem Acker 5 Morgen Wiese und der Hof Nassen 5 Morgen. Wie viele Häuser der Ort Breitscheid von den 36 der Hunschaft hatte, wurde im Jahr 1660 bei der Landvermessung nicht angegeben. Mit Blick auf den gesamten Ort heißt es stets »obig den Höfen« Im Jahre 1817 heißt es, daß Breitscheid eine Mühle habe und 184 Einwohner zähle. 1843 waren es 36 Häuser mit 180 Einwohnern. »Der heutige Ort Dasbach verfügte 1660 nur über einen einzigen Hof. Es muss zweifelhaft bleiben, ob dieser Hof eine Gründung des Geschlechtes von Dassel ist. Die Wiesen lagen damals »am buhr biß ahn den geißhahn« Die Felder erstreckten sich - 90 Morgen umfassend - in Richtung Siebenmorgen; außerdem gab es das »langefelt Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden. alten garten« Aus den Aufzeichnungen des Waldbreitbacher Apolinarishofes in der unmittelbaren Nähe zur heutigen Pfarrkirche geht hervor, dass etwa um 1650 - nach dem Schriftbild zu urteilen - die Eigentümer des Dasbacher Hofes ein Clos und Piter waren. Sie schuldeten »amals den Apolinarishof insgesamt acht Reichstaler und das Botengeld. Der Ort Dasbach zählte 1817 insgesamt 26 Einwohner und hatte eine Ölmühle. Die sieben Familien im Jahre 1750 hießen Karthaus, Steinebach, Scholl, Heck, Holl, Rahms, Breitscheid.
Die Menschen in und um Breitscheid fanden verhältnismäßig spät zu verschiedenen Gewerben. Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf das Jahr 1852 (in Klammern zunächst 1855, dann 1861). Damals gab es noch keinen Wagner und Metzger. Im Jahre 1855 meldeten zwei Bäcker ihr Gewerbe an. Bis 1852 stößt man auch auf zwei Korbmacher. Schuster 5 (7,5), Schneider 2 (2,2), Schreiner 2 (1,1). Im Jahr 1852 gab der Klempner sein Gewerbe auf. Maurer 2 (3,0). In der Gemeinde Breitscheid lebten damals 54 Bauern ausschließlich von der Landwirtschaft; 16 von ihnen bewirtschafteten zwischen 30 und 50 Morgen (magdeburgisch). 20 Familien betrieben die Landwirtschaft nebengewerblich. 


Exkurs zu Breitscheidt, Bergeborbeck, Bochold

Als in den Jahren nach 1845 die neue Eisenbahnlinie von Köln nach Minden gebaut wurde, führte sie notwendiger Weise und wirtschaftlich erforderlich durch das Emschertal. Hier lagerten tief in der Erde gewaltige Kohlenvorräte. Erst weinige Jahre vorher war es technisch möglich geworden, diese Kohlenfelder zu erreichen und aufzuschließen.
Die schwarze Energie die auf den Zechen Carolus-Magnus, Emscher und Emil, Amalie und Wolfsbank gewonnen wurde, zog wie ein Magnet neue Industriewerke an. In kurzer Zeit standen neben den Zechen das große Eisen- und Hochofenwerk "Phoenix", die Zinkhütte "Vieille Montagne" und die "Borbecker Maschinenfabrik und Backofenbau".  Das alles versprach goldene Zeiten für eine Eisenbahngesellschaft und mit Eifer trieb man den Bau der Bahnstrecke voran. Bahnhöfe und Haltestellen wurden eingerichtet, die selbstverständlich alle einen Namen bekamen. Ein Bahnhof, an einem besonderen Brennpunkt der Industrie gelegen, bekam den Namen "Berge bei Borbeck" nach dem adeligen Rittersitz Haus Berge, der gleich in der Nähe lag. Dieses Ereignis im Jahr 1847 war die Geburtsstunde und Taufe eines neuen Ortes, den es vorher nicht gegeben hat. Vorher waren hier die Gemarkungen Bochold und Vogelheim. Das Land war ziemlich dünn besiedelt. Die Menschen lebten ausschließlich von der Landwirtschaft. In Vogelheim gab es dazu eine ertragreiche Fischerei. Die Emscher und Berne, eine Anzahl kleinerer Bäche und Teiche hatten - das klingt heute unglaublich - kristallklares Wasser. Aber sonst geschah nicht viel in diesem Lande vor der Zeitwende um 1845. Es gab hier keine besonderen Ereignisse, die man in die große Weltgeschichte einordnen könnte. Es gab nur ein paar große Bauernhöfe, Landsitze und Güter, deren Familiengeschichte sich manchmal gut verfolgen lässt - wenn es auch nicht immer eine erquickliche Geschichte ist. Zu diesen Landgütern gehörte auch der erwähnte adelige Rittersitz Haus Berge. Seine Geschichte ist bis etwa 1500 bekannt. Das Haus Berge war ein Wasserschloss und stand auf Pfahlroste. Zwei oder drei Mühlen, abhängige Güter, die Jagd- und Fischereirechte und allerlei andere Privilegien gehörten noch dazu. Doch von 1500 an ging es mit dem großen Besitz eigentlich schon bergab. Die Familie saß in verschiedenen Linien verstreut auf den einzelnen Höfen und wenn es einmal wieder ans Erben ging, gab es erbitterten Streit. Richtig schauerlich nach Art der Ritter wurden diese Streitigkeiten ausgefochten: mit Fehde und Urfehde, Eid und Schwur, Blut und Rache. Als um 1840 die Industrialisierung im Emschertal begann, war Graf Ottemar von der Recke-Vollmarstein Herr auf Haus Berge. Der Graf hat den endgültigen Untergang des Hauses wohl kaum mit Freude gesehen. Es gab in seiner Zeit zu viele Querelen, Ärgernisse und Auseinandersetzungen, die er gern mit zorniger Faust bereinigt hätte. Als Repräsentant der kleinen, gerade entstehenden evangelischen Gemeinde mitten im katholischen Borbeck war er zudem weiteren Anfechtungen ausgesetzt. Im Jahre 1858 brannte das Schloss aus ungeklärter Ursache mit dem reichhaltigen Familienarchiv vollständig ab. Obwohl es dann wieder sehr schnell aufgebaut wurde, zog der adelige Herr fort. Große Ländereien hatte er an die Industrie verkauft, was übrig blieb, Haus und Hof, erwarb der Essener Landrat Devens. Jetzt hatte das Gut nur noch fünfundzwanzig Morgen Land. Von der ehemaligen Größe war das ein winziger Rest. Es gab in Berge nichts mehr zu jagen, die Emscher, Bäche und Teiche waren längst verschmutzt.
 Die Schwestern von der heiligen Elisabeth machten dann 1868 einen neuen Anfang. Sie kauften den Restbesitz und richteten hier das erste Krankenhaus auf Essener Gebiet ein. Noch heute ist es eine Abteilung des Essener Elisabeth-Krankenhauses. Im gleichen Jahr wurde auch das Waisenhaus gegründet. Um dieses Krankenhaus herum konzentrierte sich schnell das wirtschaftliche, religiöse und gesellschaftliche Leben im jungen Ortsteil Berge bei Borbeck. Die erste katholische Gemeinde (14. 9.1868) hielt ihren Gottesdienst noch in einem früheren Schafstall des Gutes ab. Aber schnell wurde für ein neues Gotteshaus gespart. Immer neue Menschen suchten in Berge Arbeit und Brot, die Gemeinde wuchs von Jahr zu Jahr. In knapp zehn Jahren sammelten die Gemeindemitglieder sehr viel Geld (100 000 Goldmark). Der Kirchenneubau konnte bald beginnen. Die beiden schlanken, hohen Türme vollendeten um 1900 das Bauwerk. Eine Schule und später ein Kindergarten gehörten dazu. In der gleichen Zeit hatte der Bahnhof eine große, wirtschaftliche Bedeutung gewonnen. Er hieß bald Bergeborbeck und auch die Post übernahm diesen Namen für den Amtsbezirk. Bahnhof und Kirche lagen in enger Nachbarschaft. Hierher zog nun alles, hier baute und siedelte sich an, wer und was in Bergeborbeck leben und wachsen wollte. Ein großes Hotel "Kronprinz" wurde noch vor der Jahrhundertwende gebaut. Geschäfte wurden eröffnet und Wohnstraßen entstanden gleichsam über Nacht. In wenigen Jahrzehnten war ein neuer Ort, der Stadtteil Bergeborbeck entstanden. Bergeborbeck hat keine städtische Tradition und kaum geschichtlichen Hintergrund. Bergeborbeck ist ein (Stief-) Kind der Industrie, für das es nie ein städtebauliches Konzept gegeben hatte. Es wurde immer gebaut, was und wie (es) zweckmäßig und notwendig schien. Dennoch gab es in Bergeborbeck seit 1840 viele hundert Familiengeschichten. Es sind bittere und harte Geschichten. Tausende Menschen zogen, von der Industrie angelockt, ins Emschertal, um hier eine Lebensexistenz zu finden. Von manchen der Alteingesessenen wurden sie von oben herab beobachtet, verspottet und belächelt. Der Bürgermeister von Borbeck Anton Hermann Peán beschreibt in der Gemeinderatssitzung vom 16.Juli 1856 die Zustände:
Die hierher gehörigen Forensen*, Bergwerks-, Fabrik- und Hütteneigenthümer verdanken ihre Größe wie ihren Reichthum der Gemeinde Borbeck als dem Contrapunkt verschiedener belangreicher Industriezweige. Die anhaltende Zunahme der Bevölkerung, besonders auch die rasch fortschreitende gewerbliche Entwicklung, welche die großartigsten Arbeitskräfte erfordert, die wegen Mangels an solchen selbst vom Auslande hierher gezogen werden, ist auch übrigens ihr Werk. Keinerlei Beisteuer irgendeiner Art hat die Gemeinde von diesen Industriellen bisher zu beziehen, wohl aber immense Ausgaben, hervorgerufen durch ihre Etablissements, zu bestreiten gehabt. Diese auswärtig wohnenden Notabilitäten oder Actien-Gesellschaften leisten zu den diesseitigen Communal-, Armen-, Schul- und Kirchenbedürfnissen nicht den geringsten Zuschuss, sie beschweren vielmehr durch aus nah und fern scharenweise herbeigezogene Arbeiter mit ihren Proletarier-Familien unseren Bezirk gar sehr, während sie von hier aus ihre Schätze vermehren. Solange nur den Geschäften reiche Absatzquellen geboten werden, finden ihre Arbeiter, verheiratet oder ledige zu Tausenden Arbeit auf den Hüttenwerken, Zechen etc. Beim Eintritt einer ungünstigen Conjunktur werden dieselben ohne alle Nachsicht an die Luft und was das Schlimmste ist, außer Brot gesetzt. Eine natürliche Folge dieser Prozedur ist die schwere Belastung der bürgerlichen Armen- resp. Communalfonds, da unmittelbar nach der Arbeitslosigkeit bittere Nothstände vorherrschen und Unterstützungen, die erheblich und immer zahlreicher werden, nicht zu umgehen sind.
Außer den verschiedenen Krankheitsarten, von welchen ein zu 3/4 der durchaus dürftigen Arbeiterklasse angehörigen Seelenzahl der Sammtgemeinde von 1865 heimgesucht wird, ist die Commune reich an Unglücksfällen und schweren Körperverletzungen. Diese finden ihre Entstehung in dem mit vielfacher Gefahr verknüpften Zechen-, Hütten-, Fabrik- und Lokomotivenbetrieb.
Jahrelang muss dann die Gemeinde den in außerordentlicher Zahl sich mehrenden siechen und verkrüppelten Leuten samt ihren Angehörigen aus öffentlichen Mitteln in genügender Weise aushelfen, da von denjenigen Gewerbetreibenden, welche jene zu ihren finanziellen Zwecken ausgebeutet haben, wenig oder nichts geschieht. Bei augenblicklich vorkommenden Todesfällen müssen Witwen und Waisen auf den Armenfonds übernommen werden.
*Fremder, hat Grundbesitz und Geschäfte in der Gemeinde, seinen Wohnsitz aber außerhalb, wo er auch seine Steuern zahlt.
Der Bau des Rhein-Herne-Kanals um die Jahrhundertwende, die Errichtung des Walz- und Hochofenwerkes am Kanal durch die Fa. Krupp in den Jahren 1925/26 und der Bau eines Stichhafens durch die Stadt Essen waren weitere Abschnitte auf dem Weg der Industrialisierung.
Einige Daten zu Ereignissen in Bergeborbeck 1933 - 1945
9./10.11.1938 Die jüdischen Geschäfte rings um die Zinkhütte werden wie überall in Deutschland mutwillig zerstört.
1.9.1939 Der II. Weltkrieg bricht aus. Viele Bergeborbecker werden zur Wehrmacht eingezogen. Mädchen und junge Frauen werden teils als Telefonistinnen, teils als Flakhelferinnen oder Rote-Kreuz-Schwestern eingesetzt. Das Kloster Haus Berge wird eine Rettungsstation. In den Jahren 1940/41 errichtet man eine unterirdische Rettungsstation auf dem Gaufeld. 5.8.1941 Das St. Johannes-Stift der Salesianer, Borbecker Straße 15 (heute Theodor-Hartz-Straße), wird durch die Gestapo geschlossen. Die hier tätigen Patres müssen innerhalb weniger Stunden das Haus verlassen und erhalten Aufenthaltsgebot für das Haus der Saleseaner in Helenenberg/Trier. Grund: Man bewertet ihre Tätigkeit als einen Versuch, die Jugend "der Kirche zu erhalten"
26.3.1942 Um 23 Uhr schlägt eine Bombe in das Haus Zinkstraße 9 ein. Insgesamt werden 14 Menschen getötet. 22. 4.1942 Stellvertretend für die zahlreichen jüdischen Menschen, die aus Bergeborbeck den Weg in die Vernichtung antraten, sei genannt Engelbert Ayon, Spielstraße 6. Der damals erst 17jährige Junge wird nach Izbica verschleppt. 23.8.1942 Peter Theodor Hartz, Direktor des am 5.8.1942 geschlossenen St. Johannes Stift der Salesianer, ist im KZ Dachau umgekommen. Am  5.6.1942 hatte das Reichssicherheitshauptamt gegen den nach der Schließung des Hauses in Borbeck nunmehr in Helenenburg/Trier wohnenden Saleseanerpater "Schutzhaft und Überführung in das Konzentrationslager Dachau" angeordnet. Die Urne mit der Asche des Toten wurde auf dem katholischen Friedhof an der Hülsmannstraße in der Gruft der Salesianer beigesetzt. 12.3.1943 Bergeborbeck erleben den verlustreichsten Großangriff alliierter Luftstreitkräfte. Im Totenbuch stehen die Namen von 150 Menschen. Unter den Toten befanden sich 82 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Fast alle waren in Lagern rund um die Zinkhütte untergebracht gewesen. (Gaufeld, Sulterkamp, Heegstraße, Haus-Berge-Straße, Spenlenstraße)
26.7.1943 Erneuter Großangriff alliierter Luftstreitkräfte auf Borbeck. 108 Tote werden später gezählt. Wieder sind 51 Kriegsgefangene unter den Toten. Im Kriegsgefangenenlager Lüscherhofstraße waren es allein 20 Männer und 14 Frauen aus der Sowjetunion. 26.3.1944 Ein neuer Luftangriff auf Borbeck fordert 73 Menschenleben, unter ihnen 32 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, vorwiegend aus der Sowjetunion.
25.10.1944 Gegen 15 Uhr bebte in Borbeck die Erde. Ein Tagesangriff der alliierten Luftflotte kostete 147 Menschen das Leben. Überall fallen Bomben und sterben Menschen. Es ist der schrecklichste Angriff des Krieges. Aus der Liste des Schreckens einige grausige Begebenheiten rund um die Zinkhütte: Im Stollen an der Stolbergstraße werden 20 Menschen getötet. Der von Bomben getroffene Asbeck-Bunker, nahe der Bergmühle, begräbt 15 Menschen unter sich. Im Stollen an der Neustraße kommen 7 Menschen ums Leben. Nach 1162 Fliegeralarmen mit 272 Angriffen sind in Groß-Essen fast 7000 Menschen ums Leben gekommen. 960 davon auf Borbecker Gebiet. Unter ihnen befanden sich 198 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Die Borbecker Sterbebücher auf dem Standesamt von 1940 - 1945 sind eine Chronik des Schreckens. 10.4.1945 Amerikanische Truppen besetzen Borbeck. Zwar ist der Krieg noch nicht zu Ende, aber fortan schweigen die Waffen, fallen keine Bomben mehr.
Steegstraße: benannt am 8.10.1896 Die Straße begann früher an der Bocholder Straße und endete vor einem kleinen Bach, der die Grenze zwischen Borbeck und Bocholt bildete. Über einen Steg gelangte man auf einen Fußweg, der zur Germaniastraße führte.