III.
[5] LUKAS, SOPHIE JOSEPHINE
* 3. 8.1886 in Werden
Paten: Joseph Luckas, Sophia Kimmeskamp
oo 9. 9.1910 mit Walter
Pfeiffer in Werden
* 6. 4.1886
+ 23. 7.1962
+ 13. 9.1969 (83) in
Essen-Altendorf
bestattet: Terrassenfriedhof 17.9.1969
IV.
[10] LUKAS, CLEMENS
* 10. 8.1844 Abends 10/11 Uhr in
Werden
Paten: Joseph Jorges Wilhelmine Krackhecker
Heinrich Schröder Gertrud Schmitz
oo 28. 5.1872 mit Wilhelmine
Catharina Elisabeth Korten in Werden
* 7. 8.1848
+ 22. 9.1938
Zeugen: Ferdinand Lucas
Friedrich Korten
Kinder:
Christina Maria, * 28.11.1874 Werden, + 20.11.1975 Werden
Bernadine, * 1877 Werden, + 13. 4.1979 Werden
Wilhelmine Friederike, * 11.4.1884 Werden
Sophie Josephine, * 3. 8.1886 Werden
Benedict, * Werden
Theodor, Fabrikarbeiter, * Werden
Ferdinand, Fräser, * Werden
Stand: Weber, Fabrikarbeiter (1884)
Militär: Teilnehmer im Deutsch/Französischen Krieg 1870/71
Wohnorte: Werden, Bungertstraße 10, 1884 Werden, Grafenstraße 27, 1889 Werden, Hochstraße 32 (heute: Propsteistraße)
+ 6. 2.1927 (82) in Werden
V.
[20] LUKAS, BENEDICT FRANZ CASPAR
* 8. 5.1797 in Werden
Paten: Benedict Trunckart
Anna Maria Knap
oo 6.10.1822 mit Catharina
Krustin in Werden
* 4. 5.1801
+ 28. 6.1871
Kinder:
Wilhelm Ferdinand, * 11. 2.1823 Werden
Christina Friedericia, * 10. 1.1825 Werden
Gertrud Elisabeth Catharina, * 29. 1.1827 Werden
Maria Christina Elisabeth, * 26. 1.1828 Werden
Benedict Bernard, * 11. 2.1832 Werden
Wilhelm, * 21.10.1834 Werden
Sophia Bernardina, * 14. 9.1837 Werden
Josef Franz, * 10. 2.1841 Werden
Clemens, * 10. 8.1844 Werden
Stand: Wirt (1822) Tuchmacher (1827,1844) Tagelöhner (1823)
Wohnorte: Werden, Heckstraße 39 (14), 1884
+ 12. 1.1884 (86) in Werden
VI.
[40] LUKAS, CASPAR HEINRICH
* 1758 nicht in Werden
oo 30. 7.1793 in Werden mit Maria
Elisabeth Martin gen. Trunkart
* 1774
+ 23. 2.1841
Zeugen: Bernard Lucas
Johannes Haverkamp
Kinder:
Franz Ferdinand, * 14. 2.1794 Werden
Benedict Franz, * 8. 5.1797 Werden
Franz Peter Caspar, * 5. 4.1800 Werden, + 19. 2.1802 Werden
Peter Joseph, * 7. 1.1803 Werden, + 17.10.1803 Werden
Arnold Caspar, * 4.10.1804, Werden, + 7. 9.1814 Werden
Wilhelm Henrich, * 3. 9.1807 Werden
Anna Elisabeth Margaretha, * 11.11.1810 Werden
Stand: Schankwirt, Zimmermann
Wohnorte: Werden, Flachsmarktgasse 7 (heute: Leinwebergasse)
+ 7. 9.1820 (62) in Werden
morgens 3 Uhr an Fieber
Mögliche noch unsichere Vorfahren (siehe Zeuge Hochzeit [40] und [41])
[80] LUKAS,
JOHANN BERNARD
*
26.12.1734
in Gladbeck
Paten:
oo
I.
1756 mit Anna Weß in Gladbeck
*
+ 1764
Kinder:
Johann Bernard,
*
18. 2.1757
Gladbeck
Caspar Henrich,
*
1758 Gladbach
Maria Catharina,
*
8. 3.1761
Gladbach
Johann Henrich,
*
30. 8.1762 Gladbach
oo
II. 27.11.1766 mit Anna Gertrud Fischedick in Gladbeck
*
um 1745
+ 23.10.1800
Kinder:
Johann Theodor,
*
27.
9.1767 Gladbeck
Maria Gertrud,
*
8.10.1722
Gladbeck
Joann Friedericius,
*
19.12.1774 Gladbeck
Johann Theodor,
*
24. 9.1777
Gladbeck
Johann Theodor,
*
28.10.1780 Gladbeck
Anna Maria Getrud,
*
26. 9.1783
+ 6.10.1808
in Gladbach
[160] LUKAS,
JAN DIERICH
*
um 1700
in Gladbeck
Paten:
oo
um 1732 mit Catharina Möhlmann in Gladbeck
*
um 1700
+
Kinder:
Johann Bernard,
*
26.12.1734 Gladbeck
Anna,
*
20.12.1737 Gladbach
Anna Maria,
*
15.10.1740 Gladbach
Anna Catharina,
*
17.12.1744 Gladbach
+ in Gladbach
EXKURS
Subhastations-Patent
Im Wege der öffentlichen nothwendigen Subhastation soll das
in der Grafenstraße sub Nro. 239 ent. hierselbst gelegene, dem Schlosser
Johann Lucas zugehörige , Band II
fol. 62 des Hypotheken-Buchs eingetragene Wohnhaus, gerichtlich gewürdigt zu
515 Thlr. Preuß. Curant
in Termino den 6. August,
Vorm. 10 Uhr -?- Deputator Ober-Landes-Gerichts-Referendar Löbbecke an hiesiger
Gerichtsstelle zum Verkauf ausgesetzt werden. Taxe und Vorwarden können
täglich in der Gerichts-Registratur eingesehen werden.
Werden, den 20. Mai 1833
Königl. Preuß. Gerichts-Kommission
Henrici
Die Gastwirthin Wittwe [41] Lucas hierselbst ist Willens das ihr eigenthümlich
zugehörige, in hiesiger Statt am Markte neben dem Gerichtsgebäude gelegene
vierstöckige Wohnhaus nebst einem neuen Hintergebäude und Hofraum aus freier
Hand zu verkaufen. Das Wohnhaus, welches massiv aus Bruchsteinen aufgebaut
ist, eignet sich, seiner vortheilhaften Lage wegen, zu jedem Geschäft,
vorzüglich aber zur Wirtschaft und kann primo May 1833 angeboten werden. Der
Verkaufstermin steht auf den 15. Februar 1833 Vormittags 11 Uhr an der
Behausung des Herrn Gastwirts Ferber hierselbst an, wozu Kauflustige mit dem
Bemerken eingeladen werden, daß die Verkaufsbedingungen täglich bei dem
Unterzeichner eingesehen werden können.
Werden, den 24. Dezember 1832 Schmitz
In der
Chronik der Stadt Werden 1886 wird das Haus wie folgt beschrieben:
*) Auch das daneben gelegene
jetzige alte Bruns'sche Haus war ein abteiliches Lehen, soll während des
30-jährigen Krieges als eine Zufluchtstätte für unverheirathete
Frauenzimmer gedient haben und wurde deshalb noch bis in das gegenwärtige
Jahrhundert hinein die "Kemnade" genannt. Zuletzt wurde damit vom
Abten Breda unterm 2. Juni 1798 der damalige Notar und Procurator Ferdinand
Georg Nellessen und dessen Ehefrau Wilhelmine Hellersberg belehnt. In dem
Lehnsbrief heißt es am Schlusse: "Hierbei sind über- und angewesen
Theodor Kirchmann und Wilhelm Oberbarnscheidt als Unsere und hiesiger Unserer
Reichsabtei Dienstmanns Lehnmänner." 1804 ging das Haus auf die Eheleute
[40] Caspar Lucas über und von diese am 1. Mai 1833 auf den Herrn
Joachim Friedrich Bruns, nachdem vorher die Lehnrührigkeit abgelöst worden.
(siehe oben)
Allgemeine
Politischen Nachrichten
Essen, Samstag den 2. Juni 1833
In
einem Beitrag zu "Alte Werdener Wirtschaften" von Karl Püttmann
heißt es:
Im ersten Viertel des vorigen
Jahrhunderts (1800-1825) betrieb Ecke Born- und Ruhrstraße, wo jetzt das
Wusthoffsche Geschäftshaus steht, [40]
Caspar Lukas eine Gastwirtschaft und einen Eierhandel. "Beim
Eier-Caspar" wurde die Wirtschaft deshalb genannt. Die Gastwirtschaft ein
hohes vierstöckiges Haus, wurde im Anfang des vorigen Jahrhunderts häufig
von preußischen Werbern als Standquartier benutzt.
Nach dem Tod von [40] Caspar Lukas führte die [41]
Wittib Lucas die Wirthschaft weitergeführt. (Adress-Taschen-Buch vom
Herzogthum Berg, 1824)
Werdener
Nachrichten Nr. 33 / 19.08.1994
Kemenade wurde zum "Eier-Kaspar"
Zur
Artikelserie "Werdener Gastwirtschaften" schreibt Herbert Lukas:
In
dem Beitrag von Püttmann/Apolte wird u.a. die Gastwirtschaft Kaspar Lukas
erwähnt. Im ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts betrieb Ecke Born- und
Ruhrstraße (heute Brückstraße), wo zuletzt das Wusthoffsche
Geschäftshaus stand, Kaspar Lukas eine Gastwirtschaft und einen Eierhandel.
"Bim Eier-Kaspar" wurde die Wirtschaft deshalb genannt. Jetzt
steht an dieser Stelle der Ludgerusbrunnen.
Die Gastwirtschaft, ein hohes, vierstöckiges Haus, wurde am Anfang des
vorigen Jahrhunderts häufig von Preußenwerbern als Standquartier benutzt.
Kaspar Lukas war mein Ur-Ur-Großvater. 1804 haben die Eheleute Kaspar Lukas
das Haus erworben. Die Ehefrau hieß Elisabeth geb. Martin genannt Trunkart
und stammte aus der Leinwebergasse 7.
Als im Jahre 1820 mein Ur-Ur-Großvater "Eier-Kasper" starb,
führte meine Ur-Ur-Großmutter die Wirtschaft bis zum Jahr 1833 weiter. In
der Chronik der Stadt Werden steht, dass
dieses Haus am 1.Mai 1833 auf den Herrn Joachim Friederich Bruns
übergegangen sei.
In den Allgemeinen politischen Nachrichten findet sich am 27.Januar 1833
folgende Anzeige: " Die Gastwirthin Wittwe Lucas hierselbst ist
Willens, das ihr eigenthümlich zugehörige, in hiesiger Stadt am Markte
neben dem Gerichtsgebäude gelegene vierstöckige Wohnhaus nebst einen neuen
Hintergebäude und Hofraum aus freier Hand zu verkaufen. Das Wohnhaus,
welches massiv aus Bruchsteinen aufgebaut ist, eignet sich seiner
vorbildlichen Lage wegen, zu jedem Geschäft, vorzüglich aber zur
Wirtschaft, und kann primo Mai 1833 angeboten werden. Der Verkaufstermin
steht auf den 15.Februar 1833 vormittags 11 Uhr an der Behausung des Herrn
Gastwirts Ferber hierselbst an, wozu Kauflustige mit dem Bemerken eingeladen
werden, daß die Verkaufsbedingungen täglich bei dem Unterzeichner
eingesehen werden können. Werden, den 24.Dezember 1832, Schmitz.
Warum und weshalb der Verkauf stattgefunden hat, ist nicht bekannt. Meine
Ur-Ur-Gromutter starb im Jahr 1841. Das vorgenannte Haus war ein abteiliches
Lehen, während des 30jährigen Krieges ein Zufluchtort für Frauen, der
noch um 1800 Kemenade genannt wurde. Zuletzt wurde damit vom Abt Beda unterm
2.Juni 1789 der damalige Notar und Procurator Ferdinand Georg Nelessen und
dessen Ehefrau Wilhelmine Hellerberg belehnt.
Haus
Kemnade am Markt von 1647-1804: 1647 Heinrich Godefridi für hinterlassene
Erben weibl. Hans-Friedrich Poetsmanns. 1666 Joh. Poetsmanns und Ehefrau
Cecilie. 1667 Herm. Godefridi als Ankäufer von Poetmanns Erben. 1686 Ww.
Her. Godefridi. 1704
Herm. Godefridi, Dr. der Rechte, desgl. 1708. 1780 Joh. Ludger Hellersberg.
1797,1798 Derd. Georg Nellessen für Ehefrau Wilhelmine Hellersberg.
In einem Artikel "Die Stadt
Werden um 1572" nach dem Kupferstich in dem Städtebuch von Braun und
Hogenberg wird folgendes berichtet: "Unterhalb der Abteikirche tritt
aus der den Markt umgebenden Häusergruppe noch ein Haus mit dem für die
hiesige Gegend so bezeichnenden Treppengiebel auf. Das war die sogenannte
Kemenate, ein festes Gebäude, das 1834 umgebaut wurde." Über die
folgenden Jahrzehnte ist wenig bekannt.
In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden dann die beiden
Häuser von der Familie Wusthoff zur Gründung eines Textilkaufhauses
erworben. Schon vorher bestand im Eckhaus das Textilgeschäft Bruns. Nun
konnte sich die Firma auch räumlich weiter ausdehnen, in den Jahren 1904/05
das alte Haus Ecke Klemensborn niederlegen und ein mehrgeschossiges
Geschäftshaus im damaligen Kaufhausstil errichten lassen.
Bei den Abbrucharbeiten 1904 wurde ein Grenzstein aus alter Zeit entdeckt,
der das Wappen der Stadt Werden zeigt. Der 1930 verstorbene Albert Mittweg
hat dann diesen Grenzstein in die Vorgartenmauer seines Grundstücks an der
Heckstraße einmauern lassen.
Die Wusthoffschen Häuser sind im Jahre 1973/74 mit den anderen Häusern der
Sanierung zum Opfer gefallen."
(Herbert
Lukas, der mir durch Überlassung einiger Unterlagen über unsere
gemeinsamen Vorfahren eigentlich den Anstoß gab, für mich die Forschung
aufzunehmen, lebte in Werden und galt dort als engagierter Heimatforscher.)
Er
berichtete in einem Artikel der >Werdener Nachrichten< zum Anlass des
100-jährigen Bestehens der Werdener Freiwilligen Feuerwehr über [10] Clemens Lukas
folgende Geschichte.
- Als am 27. 4.1879 eine
freiwillige Feuerwehr unter dem Namen "Freiwillige Bürgerfeuerwehr
Werden" in der damaligen Tonhalle gegründet wurde, meldete sich unter
anderem auch mein Großvater Clemens Lukas zum Eintritt in diese Wehr. Seit
dieser Geburtsstunde war er aktives Mitglied. Er war hier in Werden allgemein
als "Kamerad Lukas" bekannt.
Da mein Großvater während des Feldzuges 1870/71 beim Militär als Spielmann
ausgebildet wurde und ein Horn blasen konnte, ist es leicht verständlich, dass
er bei der freiwilligen Feuerwehr als Hornist eingesetzt wurde. Der Hornist
hatte die Aufgabe beim Einsatz mit seinem Horn seine Wehr-Kameraden zu
alarmieren. Aus einem Adressbuch für Werden Stadt und Land zusammengestellt
und herausgegeben von W. Flügge 1896 geht hervor, dass
sich bei meinen Großeltern eine Feuermeldestelle befand und zwar um diese
Zeit auf der Wigstraße 7.
Die Feuerwehrmontur und das Horn lagen bei meinen Großvater immer griffbereit
und wenn der diensthabende Polizeibeamte von der Wache Rathaus Werden mit der
Bemerkung "Lukas es brennt" kam, öffnete er zunächst das Fenster
und blies auf seinem Horn. Die ganze großelterliche Familie war bei dieser
Gelegenheit auf den Beinen und musste
ihm, damit es schneller ging, beim Ankleiden helfen. Jeder einzelne war
verantwortlich für ein Kleidungsstück. Die Nachbarschaft fragte ihn sehr oft
wo ein Brand ausgebrochen sei, worauf er schlagfertig und lapidar einfach
antwortete, es würde im Ofen brennen.
Wenn er nun meinte, sämtliche Wehrleute in seinem Bezirk alarmiert
zu haben, begab mein Großvater sich zum Brandherd. Da die Neugierde der
Bürger damals genau so groß war wie heute, half er dort beim Ordnungsdienst
und man musste
sehr energisch durchgreifen. Sehr oft sagte er dabei "Zurück, zurück,
ich habe mehr zu sagen als die Polizei"
Als im Jahre 1904 am 15. Mai die Freiwillige Feuerwehr ihr 25-jähriges
Bestehen feierte, erhielt er mit noch einigen anderen wackeren Wehrleuten das
von der Stadt gestiftete Ehrenzeichen. Gleichzeitig wurde ihm bei dieser
Gelegenheit die silberne Gedenkmünze von den dem Verbande der Rheinischen
Freiwilligen Feuerwehr verliehen. Durch ganz besonderem Eifer hat er sich
immer ausgezeichnet und wenn ihm das Verdienstkreuz für Feuerlöschwesen 40
Jahre, zuteil wurde, so ist das eine Auszeichnung, die ihm mit Fug und Recht
zukam.
Als mein Großvater am 6. Februar 1927 verstarb, hieß es in dem Nachruf der
Freiwilligen Bürgerfeuerwehr: "Am 6. ds. Mts. verstarb unser Mitglied
und Mitbegründer der Wehr, Herr [10] Clemens
Lukas. Der Verstorbene hat 48 Jahre, selbst bis ins hohe Alter hinein,
treu seine Pflichten erfüllt. Wir verlieren in dem Entschlafenen einen
lieben, vorbildlichen Kameraden. Sein Andenken werden wir stets hoch in Ehren
halten." -
In
einem Bericht aus der Werdener Zeitung heißt es:
(...) Als die Feuerwehr von meinem Großvater Albert Huffmann gegründet
wurde, gab es den tüchtigen Signalbläser Clemens Lukas, der das Zeichen bei
Brandgefahr blies. Der war unverwechselbar und passte zum militärischen
Drill, der bei Brandbekämpfungsmaßnahmen nötig und üblich war.(...)
Werdener
Zeitung
Montag, 29. Mai 1922, Nr. 124 aus Werden-Stadt u. Land
Werden, 29. Mai 1922
Goldene Hochzeit
Grüne, Silberne, Goldene
Hochzeit! - Es ist ein langer Weg, den diese drei Eckpfeiler, grün, silbern
und golden bezeichnen; es ist ein schwerer Pfad, den nicht gar viele bis zu
Ende wandeln; ist ein Weg, der aus dem Frühling in den Herbst hinein, aus der
plänereichen, weltverbesserungslustigen, glückerfüllten Jugendzeit hinüberführt
entweder- und das ist heute bei der Not der alten Leute nicht selten ins
sorgenbelastende, gebrechliche und vereinsamte oder aber im stillzufriedene,
abgeklärte sonnenbeschienene Alter im behaglichen Kreise von Kindern und
Kindeskindern.
Zwar sind auch ihnen nicht nur Rosen auf den Weg gestreut worden, auch bei
ihnen bedeuten grüne, silberne und goldene Hochzeit-Etappen schwerer,
unentwegter Mühen und Arbeit auf der Lebenswanderung.
Daneben blüht am Wege aber doch viel reines, stilles Glück und wenn das
Jubelpärchen heute rückwärts schaut, so kann es dies tun mit Freuden, Stolz
und Genugtuung. Herr Lukas ist ein alter Werdener, der sein ganzes Leben in Werden lebte;
er ist heute 78, seine Gattin 74 Jahre alt.
54 Jahre hat der Jubilar bei der Forstmann und Huffmann A.G. am Webstuhl
gestanden und als er 1914 sein 50-jähriges Arbeitsjubileum feierte, wurde er
u.a. auch mit dem Allgemeinen Ehrenzeichen bedacht.
Herr [20] Lukas gehört seit 43
Jahren der freiwilligen Feuerwehr an, zu deren Mitbegründern er zählt. Durch
ganz besonderen Eifer hat er sich immer ausgezeichnet und wenn ihm das
Verdienstkreuz für Feuerlöschwesen zuteil wurde, so ist das eine
Auszeichnung, die ihm mit Fug und Recht zukommt.
Im Verein Vaterländischer Krieger, dessen Mitglied er seit 53 Jahren ist, -
er ist Veteran von 1870/71 - erfreut er sich als treuer Kamerad bis auf den
heutigen Tag besondere Wertschätzung.
Dem Jubelpaare werden zu seinem Freundes- und Bekanntenkreise zu seinem
heutigen Ehrentage viele herzliche Glückwünsche zugehen.
Die Nachbarschaft wird das Fest zusammen mit einer in wenigen Tagen fälligen
goldenen Hochzeit eines Arbeitskollegen des Jubilars an einer gemütlichen
Kaffeetafel feiern.
Dem Jubelpaar, das sich einer ausgezeichneten körperlichen und geistigen
Verfassung erfreut, auch an dieser Stelle herzlichen Glückwunsch und die
besten Wünsche für den ferneren Lebensweg.
Werdener
Zeitung
Mittwoch, 7 Juni 1922, Nr. 131
Wieder
ein Jubelpaar
(Jubelpaar
Herr Heinrich Plückthun und Maria geb. Hoff)
Goldene Hochzeit - dies sonst so
seltene Fest hat in der Nachbarschaft Hochstraße zweimal innerhalb weniger
Tage gefeiert werden können. Ende
Mai waren es die [10,11] Eheleute Lukas,
jetzt sind es Herr Heinrich Plückthun und Maria geb. Hoff, die diesen schönen
Tag im Kreise ihrer Angehörigen und unter freudiger Teilnahme
aller, die sie kennen, festlich begehen können. Jubilar und Jubilarin, die 50
Jahre lang Freud und Leid miteinander geteilt, sind 77 Jahre alt und verhältnismäßig
rüstig.
Harte Schicksalsschläge, sind ihnen
nicht erspart geblieben, haben ihnen aber Lebensmut und Arbeitskraft nicht
rauben können; so ist doch der Jubilar gleichzeitig auch ein Jubilar der
Arbeit; volle 56 Jahre war er als Weber bei der Forstmann und Huffmann A.G. tätig,
als er Oktober 1920 wohlverdientermaßen sich zur Ruhe setzte.
Den Herrn Plückthun und seiner
Gattin von allen Seiten zahlreich zugehenden Glückwünschen schließen wir
die unseren an.
Möge das Jubelpaar sich noch eines
recht langen friede- und freudvollen Lebendsabends erfreuen.....Dass
die Nachbarschaft Hochstraße* , wo
sich bei früherer Gelegenheit schon das Zusammengehörigkeitsgefühl so schön
bewährt hat, es sich zur besonderen Ehre anrechnet, beide Jubelpaare zu den
ihren zu zählen, ist selbstverständlich.
In einer kleinen Feier wird die Nachbarschaft die beiden Jubiläen festlich
begehen.
*
Heute Propsteistraße
Werdener
Zeitung
Mittwoch, 7. Juni 1922. Nr. 131
Anzeige
Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme aus Anlass
unserer goldenen Hochzeit sagen wir allen Bekannten, Freunden und Verwandten
sowie den Vereinen Einigkeit, Kath. Kirchenchor, Liedertafel der Arbeiter- und
Mütterverein, Verein Vaterl. Krieger, der Städt. Wehr, Stadtverwaltung,
Aktiengesellschaft Forstmann u. Huffmann u. besonders der Nachbarschaft der
Hochstr.
herzlichen Dank
[20] Klemens Lukas u. Frau
Werdener
Zeitung
Samstag, 10.Juni 1922, Nr. 134
Werden, den 10. Juni
Nachbarschaftsfest
Die goldene Hochzeit der Eheleute [20]
Clemens Lukas und Heinrich Plückthun gab der vorderen Hochstraße
Veranlassung zu einem Nachbarschaftsfest das Donnerstagabend im Mädchenhaus*
gefeiert wurde. Herr L. Schmitz der den Abend leitete, begrüßte insbesondere
die goldenen Gäste, den Herrn Bürgermeister,
Herrn Pfarrer Zimmermann, die Herren Prof. Thelen und Kaplan Fischer, Herrn
Richter von der Firma Forstmann u. Huffmann usw..
Er gedachte dabei ganz besonders des Herrn Pfarrer Zimmermann, der eine
geplante Erholungsreise nicht angetreten habe, um bei dieser Feier zugegen
sein zu können und des Herrn Bürgermeister Breuer, der, mit der Bahn von Düsseldorf
kommend sogleich zum Mädchenhaus gegangen war, um diesem Nachbarschaftsfeste
beizuwohnen.
Zahlreich hatten sich bereits die Anwohner der Hochstraße im Saale
versammelt, als die beiden Jubilare im feierlichen Zuge auf die geschmückten
Ehrenplätze zugeführt wurden.
Bald darauf erschien auch noch zur allgemeinen Freude das Jubelpaar des
vorigen Jahres, die Eheleute Drost, die, den Nachbarn und selbst den
Verwandten unerwartet, soeben von einer größeren Reise zurückgekehrt waren,
da sie auch bei der Jubelfeier nicht fehlen wollten.
Das war überhaupt das Erhebende der ganzen Veranstaltung; das Zusammengehörigkeitsgefühl,
dies gute, freundschaftlich-nachbarlich familiäre Verhältnis, das die
Anwohner der Hochstraße miteinander verbindet.
Herr Pfarrer Zimmermann wies darauf mit treffenden Worten hin, als er in schöner,
bildnisreicher Aussprache dem Jubelpaare seine, seiner Mitarbeiter und der
gesamten Pfarrgemeinde herzlichsten Glückwünsche darbrachte.
Auch Herr Bürgermeister Breuer gab, als er die Jubelpaare beglückwünschte,
dem Wunsche Ausdruck, dass
nicht nur die alten Nachbarschaften erhalten, dass
auch Neue gebildet werden möchten, für die dann die Hochstraße vorbildlich
sein könnte.
Wenn alle so wie hier zusammenständen, dann würde es besser sein im lieben
deutschen Vaterlande.
Herr Lehrer Züsmer sprach sich ebenfalls warm dafür aus die Nachbarschaft
weiter auszubauen und den Gemeinschaftsgeist, der in ihr wohne zu vertiefen
und machte diesbezüglich Vorschläge...
Welch echter Geist schon jetzt auf der Hochstraße herrscht, das haben so
recht wieder dir goldenen Hochzeitsfeier von Lukas und Plückthun bewiesen.
Mit welcher Sorgfalt und Liebe war von den Nachbarn alles vorbereitet worden.
Welche Opfer waren gebracht worden, um den Jubelpaaren wirkliche Freude zu
bereiten.
Waren doch allein zu diesem Zwecke 5000 Mark gesammelt worden, wo von jedem
Jubelpaar mit einer Glückwunschadresse, die sämtliche Namen der Nachbarn
enthielt, 2000 M. überreicht wurden.
Daneben wurden die Jubilare durch Blumenspenden und sonstige Gaben hoch
erfreut.
Nachbarliche Liebe hatte auch die Vorarbeiten für das Gelingen der Feier im Mädchenhause
geleistet.
An erster Stelle sei dabei Frl. März gedacht, welche Arbeit hat sie sich mit
den Kindern der Nachbarschaft gemacht und wie vorzüglich gelangen nun auch
die prächtigen Reigen!
Die Damen der Nachbarschaft hatten Mühe und Arbeit nicht gescheut und die
Theater Lustspiele" Im Zauberkabinett" und "Er ist Baron"
so fleißig einstudiert, dass
der Beifall schier kein Ende nehmen wollte.
Der von Frl. Hampel gesprochene Prolog, die von den Herren -?- und Korten
vorgetragenen Lieder zur Laute, so wie die Musik- und Männerchorvorträge
taten ein übriges, um die Feier in jeder Hinsicht wohlgelungen zu gestalten.
Die Jubelpaare selbst waren aufs höchste erfreut Über so viel Ehre, die
ihnen zuteil wurde.
Herr Lukas fühlte sich trotz seiner Jahre in all der Freude wieder jung und
brachte humoristische Lieder zum Vortrag, die mit stürmischen Beifall
aufgenommen wurden.
Wie sehr die Nachbarschaft der Hochstraße unbeschadet der verschiedenen
religiösen und politischen Bekenntnisse der einzelnen Anwohner, sich als eine
große Familie fühlte, das ging auch aus der Anrede hervor, die den ganzen
Abend fast allgemein gebraucht wurde, sie lautete schlicht und einfach;
Nachbar!
Doch nicht nur bei freudigen Anlässen, auch wo Sorge und Not sich breitmachen,
will die Nachbarschaft helfend und lindernd
eingreifen...
Es wäre zu wünschen, dass
diese lobenswerten und segensreichen Bestrebungen, die mit dem engeren
nachbarlichen Zusammenschluss
verfolgt werden, in der Bürgerschaft immer mehr Fuß fassen, auf dass
man in Wahrheit sagen könnte; einer für alle, alle für einen!
*
Vereinshaus Hochstr. 14-16 des Kath.-"Mädchen-Verein"
gegründet 1884
In
einer Schrift herausgegeben von Max Teschemacher aus dem Jahre 1894 mit dem
Titel:
Verein vaterländischer Krieger zu Werden.
Geschichte des Vereins
von seiner
Gründung bis zum 50. Jubelfest
(Stadtbücherei
Yd 96)
wird
[20] Lucas als Mitglied im
>Verein der Freiheitskämpfer von 1813/15< aufgeführt. Dieser Verein gründete
sich nach dem die Teilnehmer der Freiheitskriege in die Heimat zurückkamen.
Zweck des Vereines war es " dem Andenken an die erlebten
Kriegsjahre die Liebe zum Könige und Vaterlande wachhalten und seine
verstorbenen Mitgliedern ein ehrenvolles Begräbnis bereiten wollte."
Der
Verein der Freiheitskämpfer bestand bis zum Jahr 1842 ununterbrochen und nahm
nur solche Mitglieder auf, welche die Freiheitskämpfe mitgemacht, oder doch
wenigstens während dieser Zeit "unter den Fahnen gestanden" hatten.
Im Jahr 1842 nahm jedoch auch der Verein jüngere Soldaten, welche auch gerne
in ihrer Heimat eine Rückerinnerung an ihre Dienstjahre haben wollten,
aufgrund einer Allerhöchsten Kabinetsordre vom 22. Februar, auf.
[10] Clemens Lukas trat ebenso 1869 dem Verein bei
und wurde in der Veröffentlichung unter der
Mitglied Nr. 27 aufgeführt.
Dem Aufruf Friedrich Wilhelm III
"An mein Volk" im März 1813 folgte eine ungeheure Begeisterung,
gepaart mit einer vielleicht einzig dastehenden Opferwilligkeit, ergriff das
ganze Volk. "Wessen Arm sich kräftig genug hielt, ein Gewehr zu tragen
griff zu den Waffen, Mütter sandten ihre Söhne, Bräute ihre Liebsten in den
heiligen Kampf." An einem Tag meldeten sich in Berlin allein 9000 junge
Leute, darunter halbe Knaben, zu den Fahnen. Napoleons Armee wurde am
18.10.1813 in der Schlacht bei Leipzig geschlagen. Am 3. 3.1814 ergab sich
Paris nach dem winterlichen Marsch >über den Rhein, nach Frankreich
hinein< unter der spektakulären Führergestalt des alten Marschalls Blücher;
nach der unglaublichen Rückkehr Napoleons von Elba am 20. 3.1815, entschied
sich endgültig das Schicksal Napoleons in der Schlacht bei Waterloo am 18.
6.1815.
Die mit Abstand größte Tuchfabrik war die von Forstmann & Huffmann. Im Jahre 1834 wurde der erste große westliche Flügelbau im Porthofe errichtet und als Weberei in Benutzung genommen. 1836 und 1838 folgten der Nord- und Südflügel. Diesen Bauten folgte dann 1853 die Anlage einer eigenen Gasfabrik und 1854 die Errichtung eines großen Walkereigebäudes, 1865 wurde der ersterwähnte Nordflügel erhöht und durch einen großen Anbau nach Osten hin verlängert, 1867 an Stelle der zu kleinen Gasfabrik eine neue angelegt, 1872 ein Gebäude für Tuchscheererei, 1879 ein Lagerhaus, 1881 ein Decatirhaus sowie ein neues Bürogebäude. Im Jahr 1866 wurden außerdem, getrennt von der Hauptanlage, an der Neu- und Grabenstraße bzw. der Ruhr Gebäude für Wäscherei und Wollsortiererei angelegt, denen sich 1868 auch eine eigene Färberei anschloss. Auch diese Anlage hat in den Jahren 1879 und 1883 durch An- und Aufbauten eine bedeutende Erweiterung erfahren. 1885 waren hier ca. 700 Arbeiter beschäftigt. [10] Clemens Lukas war einer von ihnen seit 1860. Er arbeitete dort bis zu seinem 74. Lebensjahr. Ebenso bei Forstmann & Huffmann beschäftigt, war [8] Johann Peter Gustav Pfeiffer nach dem Zuzug der Familie 1891 nach Werden. Vergegenwärtigt man sich die frühere Einwohnerzahl von Werden (1885: ca. 6.800 Einwohner), so wird die damalige wirtschaftliche Bedeutung des Tuchmachergewerbes deutlich.
Anmerkung: Lucas = Vorname