IX.
[289] PREIS, ELISABETH
* 1685/86 in Stausebach ?
oo 4. 5.1711 mit Andreas Fischer
in Schröck
* 1. 6.1687
+ 5. 5.1758
+ 2.10.1760 in Schröck
X.
[578] PREIS, CHRISTOPHER
* um 1650
oo um 1685 mit N. N. in Stausebach
+ vor 1718 ?
Exkurs
zu Preis
Die Bevölkerung des Amtes Amöneburg 1659 (nach AKR 1659)
Roßdorf: Henr. Preiß
Schröck: Albert Preiß
Stausenbach: Caspar Preiß
Im
Bericht aus 1663-1664 über die Besitzverhältnisse des Stifts Amöneburg wird
in Roßdorf erwähnt.
STAUSEBACHER CHRONIK
Aufzeichnungen des Kaspar Preis, Stausebach 1637
Die
Verhältnisse verbunden mit der Not der Menschen im 30 jährigen Kriege, wird in
diesen Aufzeichnungen geschildert. Ein Ausschnitt nur über einen kleinen
Zeitraum, aber dennoch ausreichend um sich die Lebensbedingungen der Menschen in
diesem Zeitraum einigermaßen vorstellen zu können. Es kann angenommen werden,
daß Kaspar Preis ein Verwandter der
nachgewiesenen Vorfahren war. Vielleicht sogar ein direkter Vorfahre.
"Ich
will Ein wenig bericht thun wegen des blütigen Krigs nach meinem bäuerischen
Verstandt, Und was ich Selbst mit meinen Augen habe gesehen und an der that mit
Schmertzen erfahren habe ..."
"Im
Jahr 1637, da war Diß dorff (Stausebach) Sieben mal Ausgeplundert Von den
Ziegenhainischen, daß selbigen mals nicht daß geringste vor Ihnen bleiben
kondt oder mocht. Es dorfftz sich kein Mensch sehen lasen; den(n) Sie Namen die
leuth gefangen und schläbten Sie nach dem Ziegenhain ..!" Ähnlich mag
es wohl auch in anderen Dörfern zugegangen sein. Nach den Grenzverhandlungen im
Jahre 1637/38 kommt es durch die hessisch-kaiserliche Neutralität und einem
Abkommen zwischen dem Kaiser und den Schweden zu Ruhe. "Da
fingen wir wider ahn, ein Jeder Nach Seinem Vermögen AusZuStellen..."
sagte Kaspar Preis. Die Dorfbewohner faßten demnach wieder Zutrauen und
bestellten ihre Felder, doch nicht überall. Die Amtsprechung des Jahres 1638
zeigt uns in vielen Punkten, daß viele Hofstätten wüst lagen; die
Fruchteinnahmen des Forstmeisters waren weiterhin gering; ..."ißt
gantz verarmt undt hat nichtß außgestellt", oder ..."wegen
äußerster Verarmung...", so begründet der Schreiber die
nichterfolgte Fruchtlieferung. Die anfängliche Ruhe war allerdings nicht
dauerhaft. Durch die hessische Neutralität wägte man sich in Sicherheit und
ging schließlich soweit, die mainzische Garnison aus Amöneburg abzuziehen. Das
blieb den Hessen natürlich nicht verborgen. Entgegen der bestehenden Neutralität
besetzten sie schon am 1. Sept. 1639 die Stadt und legten eine hessische
Besatzung hinein. Immerhin wirkte sich dieser militärische Schutz in den Dörfern
des Amtes recht positiv aus, denn Kaspar
Preis berichtet darüber: "Das
mal hatten wir ein Hauptmann von den Hessen uff Omeneburgk liegen ...! Unser
Herr gott hatte uns den Hauptmann uff den berg bescheret, den er beschützt
unsere Dörffer Nach aller möglichkeit; er gab uns funff Soltaden In
Stausenbach und musten die ander 3 Dörffer (Anzefahr, Sindersfeld u.
Himmelsberg) Ihr Vieh und Ander Sachen In
unser dorff Thun. Also verwahreten wir das dorff mit Zäun und grosen graben,
wie auch mit grosen langen höltzern, das also uber 20 grosen langen bäum im
dorff uber die gassen aus einem bauw in den anderen gingen. Es hatt uns der
Hauptmann Einen DopelHacken (Feuerwaffe) von
dem berg gegeben, den Musten wir uff unser Kirchen thun. Wan eine Partey käme,
die uns zu Stärck ere, So sollten und musten wir Ja loß schiesen, das Sie den
Schuß uff dem berg höreten und uns zu hülff kämen. Der vorangedeutte
Hauptmann, der damals Commendant war uff der Omenenburgk, war So ein Redlicher
und Ehrlicher Soltad, Er vertädigt uns nach Aller Möglichkeit, das er auch So
zu sagen dieses Ampts Vatter war ...! Deutlich sehen wir aus diesem Bericht,
wie es mit dem militärischen Schutz der Amtsdörfer bestellt war. Die Bevölkerung
der kleineren Orte hatte sich mit aller beweglichen Habe in größeren
Ortschaften niedergelassen, die vielfach zu Wehrdörfern ausgebaut waren. Während
nun die Ämter Amöneburg und Neustadt von den Niederhessen besetzt waren,
hatten sich schwedische Truppen in den zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt gehörenden
Ortschaften einquartiert. Anfang Mai des Jahres 1640 verließen die schwedischen
Truppen die Gegend, ließen jedoch in Kirchhain eine Besatzung zurück. Landgräfin
Amalie-Elisabeth schickte ein Großteil ihrer Truppen mit den Schweden; darunter
befand sich auch die Amöneburger Besatzung. Sie marschierte am 6. Mai aus der
Stadt. Amöneburg erhielt jedoch am gleichen Tag wieder eine hess. Besatzung.
"Da bekamen wir Einen Andern Comendant uff den berg", sagte Kaspar
Preis "Hatten wir zuvor
einen Engel gehabt, So bekamen wir darnach So zu sagen einen Teuffel. Den es ist
Ein gemein Sprichwordt, uff lieb kompt Leyt...! Er war ein Rechter Feind der
Kattollischen leuten ...! Er wolt uns keine quarrten (Sicherheitsposten) in die
Dörffer legen wie der ander thät; er trauwet den Kayserischen nit, dan damal
ging die partey durcheinander von freund und feind ..." Es
herrschte also wieder ein beträchtliches Maß an Unsicherheit in der Gegend und
das Verhalten des neuen Kommandanten in Amöneburg wird aus dieser neuen
Sachlage resultiert haben. Schon am 23. Mai 1640 erschienen kaiserliche Truppen
in einer Stärke von 800 Mann zu Pferd und 200 Mann zu Fuß vor der von den
Schweden besetzten Stadt Kirchhain. "Es
lagen in dem Kirchhain 6 Comagnie Schweden; die Kayserischen griffen den
Kirchainern des morgens umb 2 uhren (an), aber die schweden wehreten sich dapfer
..! Die Kayserischen zersprengten die 2 thor mit Patterne (Sprengladungen), die
nach Omenenburgk zu gehen. Aber Es ließ einer in dem Kirchain den Schloßgattern
niderfallen, das die reutter nicht konten hinein komen und war des Fußvolcks zu
wenig darum. Es wurden etliche darvor geschädiget und bliben 3 Man darvon todt,
in der stadt 2 Mann. Also musten die Kayserischen wider abzihen, den alle
Leytern, die sie darvor hatten, waren zu kurtz und das Fußvolcks zu wenig ...!"
Die Kaiserlichen zogen zwar ab, versprachen aber den Kirchhainern, alsbald mit
wesentlicher Verstärkung wiederzukommen. Unter dieser Drohung verließen die
Schweden eiligst die Stadt und setzten sich nach Friedberg ab. Doch immer wieder
streiften weitere schwedische Einheiten durch die Gegend. Als sich schließlich
die Kunde verbreitete, daß die Schweden wieder ins Land kämen, da gebot der
Kommandant den Bewohnern des Amtes, sich mit Hab und Gut in Amöneburg in
Sicherheit zu bringen. "So war mein
weib und gesindt und vieh, was ich noch hatte, uff der Omenenburgk In einem
Haus, das war so voll leuth; wann ich einmal hinkam, So kunnt einer sich nicht
regen noch wegen; darum bliebe ich mehrentheils in dem Dorff und verbarg mich
...", sagte Kaspar Preis.
Zu einem schwedischen Einmarsch kam es jedoch vorerst noch nicht; Ihre
Hauptmacht kam bis nach Wildungen und bezog hier Stellung, während die
kaiserliche Armee in der Fritzlarer Gegend lag. Trotzdem drang ein Teil der
schwedischen Truppen in Stärke von ca. 4000 Mann durchs Wohratal bis nach
Kirchhain vor, um die Stadt zu plündern. Ihr Vorhaben schlug jedoch fehl, so daß
sie bald wieder abzogen. Die Kaiserlichen räumten alsbald Fritzlar und suchten
nun gegen Lüneburg vorzudringen; doch kamen ihnen die Schweden zuvor und
schnitten ihnen den Paß ab. So gelangte die kaiserliche Armee unter der Führung
des erzherzogs Leopold von Östereich und den Generälen Piccolomini, Mercy und
Breda auf ihrem Rückmarsch wieder in die Gegend. Am 2. November 1640 kam sie in
Kirchhain an und errichtete dort ihr Hauptquartier. Der weitaus größte Teil
der Truppen war jedoch in den umliegenden Ortschaften einquartiert. Von
Kirchhain aus betrieb nun der kaiserliche General Piccolomini die Rückeroberung
Amöneburgs. Die nun folgende Belagerung der Festung begann wohl schon am
folgenden Tage, zog sich jedoch bis zum 10. November hin, da die hessische
Besatzung tapfere Gegenwehr lieferte. Während dieser Zeit lag die Stadt unter
dauerndem Beschuß. Am 10. November fiel die Festung trotz heftiger Gegenwehr in
die Hände der Kaiserlichen. Bei der Rückeroberung Amöneburg durch die
Kaiserlichen am 10. November 1640 hatte die Stadt durch Beschuß wiederum
Schaden erlitten. Mit dem Erscheinen der Kaiserlichen Ende 1640 wurden die
hessischen Truppen aus dem ganzen Amt vertrieben; und mit der Einnahme Amöneburgs
konnte dann auch die kurmainzische Verwaltung wieder ihre Arbeit aufnehmen. Kaum
war jedoch die Hauptarmee abgezogen, da häuften sich wieder die hessische Übergriffe.
Durch die Nähe der hess. Festung Ziegenhain bedingt, kam es zu Plünderungen
und Pfändungen; dabei waren auch schwedische Truppenteile beteiligt. Die Bauern
der Amtsdörfer, die ohnehin ihre Kontribution nach Amöneburg liefern mußten,
sahen sich gezwungen, auch den hessischen Soldaten in Ziegenhain Geld zu geben,
um sich vor Plünderungen sicher zu sein. Hinzu kommt, daß sich 1641 Not und
Teuerung einschlichen. Die Bevölkerung mußte das Brotgetreide aus Gießen
holen; 1642 wurde es sogar aus Frankfurt beschafft. Diese Notlage machte sich
vor allem in Amöneburg bemerkbar; schon bald war die Stadt nicht mehr in der
Lage, ihren Teil zum Unterhalt der Garnison aufzubringen. Hinzu kommt, daß am
15. März 1641 ein Großbrand in der Stadt gewütet hatte. Doch scheint während
des Jahres 1642 die kaiserliche Besatzung aus Amöneburg abgezogen worden zu
sein. Die Zeit verlief insgesamt ziemlich ruhig. Das wirkte sich auch in den Dörfern
des Amtes aus. "In diesem Jahr hatte
mir der treue liebe gott widerumb bescheret ein pert, zwen Stiern, eine Kuhe,
drei Schwein ...", sagte Kaspar Preis. Lediglich die Stadt Kirchhain
wurde am 23. Juni 1642 von einem Überfall heimgesucht. "Da fiellen die bäste burger auß der Statt hinauß und wolten es inen
wieder abjagen, aber wie die burger in das felt kamen, so seindt sie nicht
Starck genug; die Reutter setzten uff Sie dar uff allen seyten her und werden
den burgern uberlegen, bringen Ihrer umb das leben 16 Persohnen undt verwunden
Ihrer noch viel darzu, den doch viel beser der todt gewesen wehre ...! Das
Jahr 1643 brachte wieder einen Waffenstillstand zwischen dem mainzischen Amöneburg
und dem niederhessischen Ziegenhain. Doch schon am 24. Mai diese Jahres kam die
Hauptarmee der Schweden, die ja Verbündete der Niederhessen waren, unter
General Königsmarck ins Land und errichtete in Kirchhain ihr Hauptquartier. Von
den Truppen, die aus dem Generalstab und 4 Regimentern mit 38 Kompanien
bestanden, wurde der weitaus größte Teil in die umliegenden Ortschaften
einquartiert; davon waren auch verschiedene Amtsdörfer betroffen. Wiederum war
die Not groß, denn der gesamte Unterhalt für die Truppen wurde aus den
Ortschaften herausgepreßt. Als die Lasten für die Bevölkerung immer drückender
wurden, kam es zu Verhandlungen zwischen Königsmarck und den darmstädtischen Räten
in Kirchhain. Darauf verließen vom 19. bis 20. Juni 1643 die Hauptmacht der
Schweden die Gegend. Nachdem am 24. Juli mit dem Abzug des Rochowschen Regiments
aus Kirchhain die letzten schwedischen Truppen die Gegend verlassen hatten,
ergriffen nun wieder die Niederhessen die Initiative. Am 2. November 1643
erschien Generalmajor Geyso mit 24 Kompanien zuPferde und 4 Kompanien zu Fuß
vor der Stadt Kirchhain und verlangte die Übergabe der Stadt. "Aber
die Kirchhainer wolten sie nicht einlasen, dan Sie meineten nicht, das die
hessen Sie würden feindlich angreifen; die nacht aber führeten sie einen
Feuermörschel darfür und schosen ein loch von Einander, wie ein grab".
Darauf öffneten am anderen Morgen die Kirchhainer die Tore und Geyso zog mit 4
Kompanien zu Pferd und 3 Fahnen Fußvolk in die Stadt. Die übrigen Truppen
nahmen in Seelheim, Mardorf und Roßdorf Quartier. Schließlich am 28. Oktober
1644 machten die in Kirchhain liegenden Hessen den Versuch Amöneburg in ihre
Hand zu bekommen. "Sie zogen für den
bergk, doch heimlicher weise, und wolten In einnemen, aber es wolt Inen nicht glücken.
Es war ein überauß ungestümige Nacht von Regen und Windt, vor brausen und
sausen, als in langer Zeit nicht mehr gewesen ist. Es waren das mal nicht viel
Soltaden uff Omeneburgk, uffs allermeiste vierzig, die waren von Mänitz
(Mainz) herauff geschicket. Es musten alle
Nacht 16 man von den Dörffern hinauff undt musten mit den Soltaden undt den
burgern wachen. So kamen nun die Hessen vor den berg in der ungestümige Nacht
undt waren so weidt gekomen, das sie auch das eine Thor geöffnet hatten, das
kleine, da man durchgehet, wan das größere zu ist, nach der Brückermühle zu
(das untere Brücker Tor). So ist eben ein
gutter Soltadt uff dem oberste Thor undt hatt die Schiltwacht. Dieser Soltadt höret
etwan, wen das Gebrauß nicht so groß war des Wetters, als ein gegnäster
(Knistern), er horchet Eygenlicher
(genauer) zu und vernimpt, das da
feindtschafft ist, er ruffet sie an, Sie wolten nicht antworten. Er Thut einen
schuß undt macht lärmen. Sie (die Verteidiger in Amöneburg)
werffen mit Steinen undt mit handtgranaden unter sie, das sie ihre patern (Petarden/Sprengladungen)
nicht könen an die thor schrauben,
sondern wegen des viele Stein werffens musten sie weichen undt abziehen. Es
blieben etliche Hessen todt, viele verwundt; es blieben ligen zwo patern, 10 Ror,
8 hüete, die hebeysen undt ander gezeug, wie auch den Comendanten vom Kirchhain
sein falsch Har vom Kopf (seine Perücke). Ich habe selber von einem Soltaden gehöret, das er sagt, der Teufel söll
in hollen, er hätte gemeinet, es regnet stein vom berg herunter, so wären die
stein umb sie hergesprungen, dan er hatte auch einen Wurf bekommen, das er uff
Krucken ging." Nach diesem Fehlschlag gingen die Niederhessen wieder
zum offenen Kriege über und suchten Amöneburg nach aller Möglichkeit zu
blockieren und einzuschließen. Dazu errichteten sie zwei Schanzen. Die
Belagerung dauerte bis in den Juni des folgenden Jahres hinein; nach Kaspar
Preis insgesamt 33 Wochen und 5 Tage. Schließlich erschien Anfang
Juni 1645 die kurbayrische Armee unter General Mercy im Ohmtal, ein Heer von
5000 Reitern und 4000 Mann Fußvolk und vertrieb die hessischen Belagerer. Die
Hesen zogen ab, hielten aber Kirchhain weiterhin fest in der Hand. Demzufolge
ging die bayrische Armee nun gegen Kirchhain vor; hier hatten sich ca. 900
Niederhessen hinter die schützende Mauer geflüchtet. Die Angriffe der Bayern,
die am 4. Juni in Kleinseelheim ihr Hauptquartier aufgeschlagen, richteten sich
vor allem gegen die Stadtmauer. Schon bald war ein großes Mauerstück
eingeschossen, doch der folgende Sturmangriff wurde erfolgreich abgeschlagen.
Auch weitere Versuche der Bayern, die Stadt in ihre Hände zu bekommen, schlugen
fehl. Nach 8 Tagen erfolgloser Belagerung zog die gesamze bayrische Armee wieder
ab, da aus dem Norden Hessens ein schwedisch-niederhessisches Heer in Stärke
von 14000 heranrückte. Der Aufenthalt des verbündeten Heeres bei Kirchhain
bedeutete für Amöneburg zweifellos eine direkte Bedrohung, doch scheinen diese
Truppen nichts gegen die Festung unternommen zu haben. Im Gegenteil Kaspar Preis berichtete,
daß schon bald nach dem Abzug dieser Armee "wider ein Accord mit der Omenenburg gemacht" wurde, nach
welchem die Stadt und Amt Amöneburg den Niederhessen alle 10 Tage Kontribution
zahlen mußten. Bedingt durch die niederhessische Neutralität blieb es
zumindest um Am,öneburg einigermaßen ruhig. Demgegenüber lasteten die hohen
Kontributionsgelder stark auf den Schultern der Amtsbevölkerung. Die Zahlungen
mußten wöchentlich nach Amöneburg als auch alle 10 Tage nach Kirchhain
geleistet werden. Hinzu kamen noch Lieferungen von Brot, Hafer, Heu und Stroh
sowie ein Wagen Wachtholz für die Garnisonen beider Städte. außerdem
verlangten die Hessen noch allerhand Kriegsfuhren und Vorspanndienste von
Kirchhain nach Ziegenhain.
Die
laufenden Zahlungen und Dienstleistungen zehrten natürlich stark an der überwiegend
bäuerlichen Bevölkerung des Amtes. An vielen Orten waren schon bald auch die
letzten Reserven aufgebraucht. Das zeigte die Amtsrechnung in aller
Deutlichkeit. Und wenn Kaspar Preis
davon spricht, daß es im Jahr 1645 "schröcklich
und erbärmlich" zuging, dann entspricht das durchaus der Wirklichkeit.
Wilhelm
A. Eckhardt / Helmut Klingelhöfer (Hg.): Bauernleben im Zeitalter des Dreißigjährigen
Krieges. Die Stausebacher Chronik des Caspar Preis 1636 - 1667. Mit einer Einführung
von Gerhard Menk (= Beiträge zur Hessischen Geschichte; 13), Marburg/Lahn:
Trautvetter & Fischer 1998, 104 S., ISBN 3-87822-110-X, € 15,00.
Rezensiert
von:
Maren Lorenz,
Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur
Der Bauer Caspar Preis ist Lokalhistorikern kein
Unbekannter. Da sich seine 98seitigen Aufzeichnungen hervorragend für
verschiedene Fragestellungen der Alltags-, Sozial- oder Kulturgeschichte eignen,
liegen bereits zwei rein lokalhistorisch motivierte vollständige Editionen
(1902 und maschinenschriftlich 1989) sowie weitere Nacherzählungen und
auszugsweise Nachdrucke vor. Das Verdienst der kritischen Edition seitens
einiger Mitarbeiter des Staatsarchivs Marburg, in dessen Besitz sich das
Originalmanuskript befindet, ist es, eine vergleichsweise preisgünstige und
dabei reich (hauptsächlich mit Kriegsdarstellungen, aber auch
Kartenausschnitten und Fotos) bebilderte Ausgabe ermöglicht zu haben. Endlich können
über die hessischen Landesgrenzen hinweg gleichermaßen interessierte Laien wie
die Fachwelt erreicht werden. Der packende Text lässt sich hervorragend als
Stimme der "kleinen Leute" im Schulunterricht wie Seminaren einsetzen.
Dabei galt der Bauer Preis seinen Standesgenossen
sicher nicht als kleiner Mann. Jahrelang bekleidete er ob seiner Schreib- und
Rechenkünste das Amt des Kasten- oder Bürgermeisters und spielte eine zentrale
Rolle im religiösen Gemeindeleben. Auch waren er und seine Frau im Jahre 1636
in der Lage, für immerhin 700 Gulden den zwar verwüsteten, aber großen Hof in
Stausebach zu erwerben, dessen wechselvolle Geschichte und Kampf um seinen
Erhalt Preis seinen Nachkommen überlieferte. Informationen über die Herkunft
des Autors und sein Leben vor dem Umzug nach Stausebach sind spärlich, beruhen
hauptsächlich auf seinen eigenen Angaben. Die Geschichte des Hofes und der
Nachfahren wurde jedoch von den Herausgebern detailliert rekonstruiert.
In den nachträglich für das jeweilige Jahr
niedergeschriebenen prägenden Erlebnissen zeichnen sich Schwerpunkte wie
Sicherheitsbedürfnis und Versorgungsnöte, aber auch kaufmännische Interessen
(Absatz der landwirtschaftlichen Produkte, Schuldenverhandlungen, Abgaben) ab.
So gelten der Kaufkraft des Geldes, der Beschaffung von Materialien und den
Kosten von Handwerksleistungen besondere Aufmerksamkeit. Zentral für die
abwechselnd von Zerstörung und Wiederaufbau geprägte Lebenssituation im Dreißigjährigen
Krieg sind Berichte über Fluchten der Stausebacher in die Nachbarstädte oder
das lokale Alarmsystem, bei dem sich Dorfgemeinschaften zusammentaten und
gemeinsam mit zum Schutz abgestellten Soldaten das Dorf befestigten und mit
Waffengewalt verteidigten. Um den Nachgeborenen die existenzielle Bedrohung und
emotionale Belastung der Kriegszeiten zu verdeutlichen, spart der Autor nicht
mit drastischen Berichten über das, "was ich selbst mit meinen Augen habe
gesehen und an der That mit Schmertzen erfahren habe" (35).
Die akute Lebensgefahr schwand zwar nach 1648, die ökonomische
Belastung nahm jedoch noch zu. Immer wieder klagt Preis unverblümt über die
Kriegsfinanzierung, die er im Gegensatz zu anderen Steuern des Landesherrn für
moralisch nicht gerechtfertigt hält: "Conterbutzion und d[as] gemarterte[n]
Blutgelt[s]. Es ist doch in Wahrheit nicht anders dan der armen Leuth Schweiß
und Blutt" (69). Seine Wut über dieses angebliche "Fridengelt",
das doch nur zu mehr Soldaten und Gewalt führe, ist gerade in den Jahren nach
1648 unverhohlen.
Die zeittypisch tiefe Religiosität und daher rührende
Duldsamkeit der geprüften Bevölkerung kommt nicht nur in schicksalsergebenen
Segenssprüchen und Gebeten des Zwangskatholisierten zum Ausdruck, sondern
manifestiert sich direkt im Bericht über die priesterlosen Jahre 1649/50, in
denen Preis den sonntäglichen Gottesdienst leitete und selbst aus dem
Evangelium las und predigte. Derartige Einblicke in die stabilisierende
Bedeutung vertrauter Rituale, der Ruf nach Einhaltung bestimmter Spielregeln
auch bei dörflichen Konflikten in unsicheren Zeiten, machen den Text zu einer
historisch-anthropologisch interessanten Lektüre.
Spannend wie ein Krimi lesen sich manche Berichte über
Soldateneinfälle oder auch den Angriff einer waidwunden trächtigen Wölfin,
Grenzerfahrungen, die sich in das individuelle Gedächtnis eingebrannt hatten.
Neben den bekannten Grausamkeiten liest man hin und wieder von
"redlichen" Soldaten, seien es ein einquartierter Soldat mit Familie
oder der lokale Kommandeur, dem es trotz Versorgungsnot gelingt, Disziplin zu
halten. Wiederholt wird die Ambivalenz der Beziehung zum Militärstand deutlich.
Dass die Kriege auch im Frieden so fern nicht waren, belegt die Tatsache, dass
Preis auch nach 1648, etwa 1660, von Einquartierungen berichtet, die manchmal
nur ein oder zwei Tage dauerten, aber auch mehrere Wochen oder 1649 sogar das
ganze Jahr über erduldet werden mussten. Zwischen 1636 und 1648 zählt man
allerdings ganze siebzehn Truppendurchzüge.
So informativ diese Edition gerade für agrar- und
mikrohistorisch Interessierte auch dank der akribisch Hofbesitz- und
Familiengeschichte rekonstruierenden Einleitung Wilhelm Eckhardts ist, die durch
erklärende Fußnoten Helmut Klingelhöfers noch ergänzt wird, so überflüssig
erscheint in diesem Zusammenhang der überwiegende Teil der Einführung Gerhard
Menks. Dieser referiert die internationale Historiographie des Dreißigjährigen
Krieges prägnant und unter Bezug auf das wechselnde politische Interesse vom
19. Jahrhundert bis heute (5-16). Dadurch wird die Bedeutung der Bauernchronik
auf die zwölf Kriegsjahre reduziert, wie schon der Untertitel betont. Diese
Verkürzung vergibt von vornherein das Potenzial der späteren Erinnerungen.
Immerhin reichen die jährlichen Niederschriften bis zum Tode des Bauern 1667
und kreisen neben ökonomisch bedeutsamen Fragen zu Witterung und Ernte auch
nach 1648 um die lokalen Auswirkungen ferner Kriege. Gemäß
Handschriftenvergleichs wurde der Zeitraum von 1636 bis 1650 quasi als
Vorgeschichte des nun zu leistenden Wiederaufbaus und Neuanfangs komplett erst
Ende des Jahres 1650 niedergeschrieben, während die späteren Aufzeichnungen
meist jeweils zum Jahresende einen aktuellen Rückblick geben sollen. Preis
benutzt zwar 1650 den zeitgenössischen Topos des unmittelbar bevorstehenden
"Weltende[s]" (72), doch belegt die Entscheidung, die vergangenen und
zukünftigen Erlebnisse zu überliefern, die Hoffnung auf friedlichen Neubeginn
und lebendige irdische Leser.
Statt also anlässlich des Friedensjubiläums auf den
Themenzug "Dreißigjähriger Krieg" aufzuspringen, hätte man
quellenkritisch Besonderheiten kommentieren können. Fragen nach den Motiven zur
Niederschrift werden gar nicht thematisiert. Der bäuerlichen Lebenswelt und
spezifischen Quellenart gelten nur wenige Seiten der Einführung (16-20). Die Fußnoten
beschränken sich hauptsächlich auf Datierungen, Klärung von Namen,
Flurbezeichnungen und Mengenangaben. Auch bleibt dem historischen und
ortsfremden Laien so manch Idiomatisches unklar, zum Beispiel "vor den
Schlag liffen" oder "Dopelhocken" (40).
Während landwirtschaftliche Begriffe aus
agrarhistorischer Perspektive ausführlich kommentiert werden, bleiben sozial-
und kulturhistorische Fragestellungen auch in den Fußnoten unberücksichtigt.
Eine kritische Edition könnte verstehen helfen, woher der Bauer, der akribisch
den Verlust jedes einzelnen Tieres und Baumes, die Höhe der Kontributionen oder
die Zerstörung sämtlicher Gebäude beschreibt, doch immer wieder wie aus dem
Nichts Ressourcen mobilisiert, etwa begehrte Arbeitskräfte wie Pferde oder
Zugochsen auftreibt und bezahlen kann (!) und es so wiederholt zu stattlichem
Besitz bringt. Was bedeutet es, wenn Preis wiederholt und in langen Passagen den
Mangel an Arbeitskräften beklagt, da Gesinde teure Mangelware war, das ob
seiner selbstsicheren Forderungen die bäuerlichen Machtverhältnisse auf den
Kopf zu stellen drohte? Erklärungsbedürftig auch die Art und Weise, wie Preis
mehrfach seine zukünftige Leserschaft direkt anspricht, für Verständnis,
besonders der psychischen Verfasstheit der kriegstraumatisierten Generationen
wirbt (etwa 46). Interessant wäre auch gewesen zu erfahren, aus welchen Quellen
und Motiven sich der lange Brief speisen könnte, den Preis 1663 wörtlich
zitiert und welchen "der turkische Kayser dem römischen Keiser"
geschickt habe. Diese Niederschrift sticht heraus, während von anderem
Weltgeschehen nur beiläufig, unter lokalem Bezug und ohne Zitate, berichtet
wird.
Mehrfach werden Preisens Angaben mit jenen des
anonymen Söldners verglichen, dessen Tagebuch Jan Peters 1993 edierte. Widersprüchliche
Berichte über Ereignisse, die beide vor Ort miterlebten, werden zwar benannt
und weitere Quellen zugezogen, die spannende Frage nach der Entstehung solcher
Differenzen wird leider nicht gestellt (48, 56). Gerade weil die Aufzeichnungen
weit mehr Informationen über das Landleben in der Mitte des 17. Jahrhunderts
enthalten als etwa Anschreibebücher oder Verzeichnisse, hätte sich hier die
Chance geboten, den Text kulturhistorisch tiefer zu erschließen.
Eine Überblicksskizze mit Angabe der räumlichen
Entfernungen hätte Ortsunkundigen bei der Visualisierung der beschriebenen
Ortswechsel, Handels-, Heer- und Fluchtwege sehr geholfen. Besonders aus
didaktischer Perspektive haben die Herausgeber manche Lücke gelassen. Es
scheint, als habe man nur den kleinen Kreis der spezialisierten
Forschungskollegen erreichen wollen. Trotz oben genannter Monita ist die Edition
insgesamt ein Gewinn und lässt auf weitere historisch-kritische Ausgaben frühneuzeitlicher
Tagebücher und Berichte hoffen, die nähere Einblicke in die agrarische
Lebenswelt eröffnen.
Anmerkung:
In Stausebach beschreibt Caspar
Preis 1637 die Verhältnisse im 30jährigen Krieg.
Roßdörfer Stiftshöfe bzw. Güter nach 1650:
Stiftsgut von Henr. Preis: genannt das Lauer-Hens-Gütchen. Größe: 5
1/2 Morgen Ackerland und 2 Wiesen.
Stiftshof von Henr. Preis: Größe 31 Morgen 1 Viertel Ackerland, 3
Morgen 1/2 Viertel Wiese, 2 Gärten, dazu die Hofreite mit Zugehörungen
im Dorf.
Die Bevölkerung des Amtes Amöneburg 1659:
Stausebach – Caspar Preiß