IX.
[289] PREIS, ELISABETH
* 1689 in Stausebach
oo 4. 5.1711 mit Andreas Fischer
in Schröck
* 1. 6.1687
+ 5. 5.1758
+ 2.10.1760 in Schröck
X.
[578] PREIS, CHRISTOPH
* 1658 in Stausebach
oo 1679 mit Catharina Freithoff in
Stausebach
* 1658
+ nach 1709
Kinder:
Henrich, * 1682, + nach 1703 Stausebach
Niklaus, * 1687, + nach 1703 Stausebach
Johannes, * 1694, + nach 1703 Stausebach
Johann Conrad, * 1696, + 1702/3 Stausebach
Henrich, *+ 1697/1703 Stausebach
Johann, *+ 1697/1703 Stausebach
Christoph, nach 1697 Stausebach
Peter, nach 1697 Stausebach
Anna, * 1697, + 18. 9.1749 Stausebach
Anna Elisabeth, *1698 Stausebach, + 2.10.1760 Schröck
Anna Maria, * 1691 Stausebach
Anna Elisabeth, *+ 1697/1703 Stausebach
Anna Catharina, *+ 1697/1703 Stausebach
+ 8. 7.1703 in Stausebach
XI.
[1156] PREIS, CASPAR
* um 1625 in Schröck
oo 24.11.1653 mit N. Kraus in
Stausebach
aus Allendorff
Kinder:
Conrad, 15. 1.1657, + 22. 3.1657 Stausebach
Christoph, 1658, + 8. 7.1703 Stausebach
+ 1697 in Stausebach
XII.
[2312] PREIS, CASPAR
* um 1600 in Leidenhofen
oo 1621 mit Gertraud Krämer in ?
* 1596 Wittelsberg
+ Stausebach
Kinder:
Caspar, um 1625 Schröck, + 1697 Stausebach
+ 1667 in Stausebach
XIII.
[4624] PREIß, BALZER
um
1570 - 1592 Einläuftige in Leidenhofen (wahrscheinlich Vater und
Sohn). Der Bruder von Caspar Preiß, Johannes Preiß, ist der
Schwiegervater von Andreas Kaiser in Ebsdorf.
+ in Leidenhofen
Exkurs
zu Preis
STAUSEBACHER CHRONIK
Aufzeichnungen des Kaspar Preis, Stausebach 1637
In
Stausebach beschreibt Caspar Preis 1650 rückblickend die
Verhältnisse im 30jährigen Krieg und von 1650 bis 1667 die
laufenden Ereignisse.
Die
Verhältnisse verbunden mit der Not der Menschen im 30 jährigen Kriege, wird in
diesen Aufzeichnungen geschildert. Ein Ausschnitt nur über einen kleinen
Zeitraum, aber dennoch ausreichend um sich die Lebensbedingungen der Menschen in
diesem Zeitraum einigermaßen vorstellen zu können.
Kaspar Preis ist ein direkter Vorfahre [2312].
- "Ich
will Ein wenig bericht thun wegen des blütigen Krigs nach meinem bäuerischen
Verstandt, Und was ich Selbst mit meinen Augen habe gesehen und an der that mit
Schmertzen erfahren habe ..."
- "Im
Jahr 1637, da war Diß dorff (Stausebach) Sieben mal Ausgeplundert Von den
Ziegenhainischen, daß selbigen mals nicht daß geringste vor Ihnen bleiben
kondt oder mocht. Es dorfftz sich kein Mensch sehen lasen; den(n) Sie Namen die
leuth gefangen und schläbten Sie nach dem Ziegenhain ..!" Ähnlich mag
es wohl auch in anderen Dörfern zugegangen sein. Nach den Grenzverhandlungen im
Jahre 1637/38 kommt es durch die hessisch-kaiserliche Neutralität und einem
Abkommen zwischen dem Kaiser und den Schweden zu Ruhe. "Da
fingen wir wider ahn, ein Jeder Nach Seinem Vermögen AusZuStellen..."
sagte Kaspar Preis. Die Dorfbewohner faßten demnach wieder Zutrauen und
bestellten ihre Felder, doch nicht überall. Die Amtsprechung des Jahres 1638
zeigt uns in vielen Punkten, daß viele Hofstätten wüst lagen; die
Fruchteinnahmen des Forstmeisters waren weiterhin gering; ..."ißt
gantz verarmt undt hat nichtß außgestellt", oder ..."wegen
äußerster Verarmung...", so begründet der Schreiber die
nichterfolgte Fruchtlieferung. Die anfängliche Ruhe war allerdings nicht
dauerhaft. Durch die hessische Neutralität wägte man sich in Sicherheit und
ging schließlich soweit, die mainzische Garnison aus Amöneburg abzuziehen. Das
blieb den Hessen natürlich nicht verborgen. Entgegen der bestehenden Neutralität
besetzten sie schon am 1. Sept. 1639 die Stadt und legten eine hessische
Besatzung hinein. Immerhin wirkte sich dieser militärische Schutz in den Dörfern
des Amtes recht positiv aus, denn Kaspar
Preis berichtet darüber: "Das
mal hatten wir ein Hauptmann von den Hessen uff Omeneburgk liegen ...! Unser
Herr gott hatte uns den Hauptmann uff den berg bescheret, den er beschützt
unsere Dörffer Nach aller möglichkeit; er gab uns funff Soltaden In
Stausenbach und musten die ander 3 Dörffer (Anzefahr, Sindersfeld u.
Himmelsberg) Ihr Vieh und Ander Sachen In
unser dorff Thun. Also verwahreten wir das dorff mit Zäun und grosen graben,
wie auch mit grosen langen höltzern, das also uber 20 grosen langen bäum im
dorff uber die gassen aus einem bauw in den anderen gingen. Es hatt uns der
Hauptmann Einen DopelHacken (Feuerwaffe) von
dem berg gegeben, den Musten wir uff unser Kirchen thun. Wan eine Partey käme,
die uns zu Stärck ere, So sollten und musten wir Ja loß schiesen, das Sie den
Schuß uff dem berg höreten und uns zu hülff kämen. Der vorangedeutte
Hauptmann, der damals Commendant war uff der Omenenburgk, war So ein Redlicher
und Ehrlicher Soltad, Er vertädigt uns nach Aller Möglichkeit, das er auch So
zu sagen dieses Ampts Vatter war ...! Deutlich sehen wir aus diesem Bericht,
wie es mit dem militärischen Schutz der Amtsdörfer bestellt war. Die Bevölkerung
der kleineren Orte hatte sich mit aller beweglichen Habe in größeren
Ortschaften niedergelassen, die vielfach zu Wehrdörfern ausgebaut waren. Während
nun die Ämter Amöneburg und Neustadt von den Niederhessen besetzt waren,
hatten sich schwedische Truppen in den zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt gehörenden
Ortschaften einquartiert. Anfang Mai des Jahres 1640 verließen die schwedischen
Truppen die Gegend, ließen jedoch in Kirchhain eine Besatzung zurück. Landgräfin
Amalie-Elisabeth schickte ein Großteil ihrer Truppen mit den Schweden; darunter
befand sich auch die Amöneburger Besatzung. Sie marschierte am 6. Mai aus der
Stadt. Amöneburg erhielt jedoch am gleichen Tag wieder eine hess. Besatzung.
"Da bekamen wir Einen Andern Comendant uff den berg", sagte Kaspar
Preis "Hatten wir zuvor
einen Engel gehabt, So bekamen wir darnach So zu sagen einen Teuffel. Den es ist
Ein gemein Sprichwordt, uff lieb kompt Leyt...! Er war ein Rechter Feind der
Kattollischen leuten ...! Er wolt uns keine quarrten (Sicherheitsposten) in die
Dörffer legen wie der ander thät; er trauwet den Kayserischen nit, dan damal
ging die partey durcheinander von freund und feind ..." Es
herrschte also wieder ein beträchtliches Maß an Unsicherheit in der Gegend und
das Verhalten des neuen Kommandanten in Amöneburg wird aus dieser neuen
Sachlage resultiert haben. Schon am 23. Mai 1640 erschienen kaiserliche Truppen
in einer Stärke von 800 Mann zu Pferd und 200 Mann zu Fuß vor der von den
Schweden besetzten Stadt Kirchhain. "Es
lagen in dem Kirchhain 6 Comagnie Schweden; die Kayserischen griffen den
Kirchainern des morgens umb 2 uhren (an), aber die schweden wehreten sich dapfer
..! Die Kayserischen zersprengten die 2 thor mit Patterne (Sprengladungen), die
nach Omenenburgk zu gehen. Aber Es ließ einer in dem Kirchain den Schloßgattern
niderfallen, das die reutter nicht konten hinein komen und war des Fußvolcks zu
wenig darum. Es wurden etliche darvor geschädiget und bliben 3 Man darvon todt,
in der stadt 2 Mann. Also musten die Kayserischen wider abzihen, den alle
Leytern, die sie darvor hatten, waren zu kurtz und das Fußvolcks zu wenig ...!"
Die Kaiserlichen zogen zwar ab, versprachen aber den Kirchhainern, alsbald mit
wesentlicher Verstärkung wiederzukommen. Unter dieser Drohung verließen die
Schweden eiligst die Stadt und setzten sich nach Friedberg ab. Doch immer wieder
streiften weitere schwedische Einheiten durch die Gegend. Als sich schließlich
die Kunde verbreitete, daß die Schweden wieder ins Land kämen, da gebot der
Kommandant den Bewohnern des Amtes, sich mit Hab und Gut in Amöneburg in
Sicherheit zu bringen. "So war mein
weib und gesindt und vieh, was ich noch hatte, uff der Omenenburgk In einem
Haus, das war so voll leuth; wann ich einmal hinkam, So kunnt einer sich nicht
regen noch wegen; darum bliebe ich mehrentheils in dem Dorff und verbarg mich
...", sagte Kaspar Preis.
Zu einem schwedischen Einmarsch kam es jedoch vorerst noch nicht; Ihre
Hauptmacht kam bis nach Wildungen und bezog hier Stellung, während die
kaiserliche Armee in der Fritzlarer Gegend lag. Trotzdem drang ein Teil der
schwedischen Truppen in Stärke von ca. 4000 Mann durchs Wohratal bis nach
Kirchhain vor, um die Stadt zu plündern. Ihr Vorhaben schlug jedoch fehl, so daß
sie bald wieder abzogen. Die Kaiserlichen räumten alsbald Fritzlar und suchten
nun gegen Lüneburg vorzudringen; doch kamen ihnen die Schweden zuvor und
schnitten ihnen den Paß ab. So gelangte die kaiserliche Armee unter der Führung
des erzherzogs Leopold von Östereich und den Generälen Piccolomini, Mercy und
Breda auf ihrem Rückmarsch wieder in die Gegend. Am 2. November 1640 kam sie in
Kirchhain an und errichtete dort ihr Hauptquartier. Der weitaus größte Teil
der Truppen war jedoch in den umliegenden Ortschaften einquartiert. Von
Kirchhain aus betrieb nun der kaiserliche General Piccolomini die Rückeroberung
Amöneburgs. Die nun folgende Belagerung der Festung begann wohl schon am
folgenden Tage, zog sich jedoch bis zum 10. November hin, da die hessische
Besatzung tapfere Gegenwehr lieferte. Während dieser Zeit lag die Stadt unter
dauerndem Beschuß. Am 10. November fiel die Festung trotz heftiger Gegenwehr in
die Hände der Kaiserlichen. Bei der Rückeroberung Amöneburg durch die
Kaiserlichen am 10. November 1640 hatte die Stadt durch Beschuß wiederum
Schaden erlitten. Mit dem Erscheinen der Kaiserlichen Ende 1640 wurden die
hessischen Truppen aus dem ganzen Amt vertrieben; und mit der Einnahme Amöneburgs
konnte dann auch die kurmainzische Verwaltung wieder ihre Arbeit aufnehmen. Kaum
war jedoch die Hauptarmee abgezogen, da häuften sich wieder die hessische Übergriffe.
Durch die Nähe der hess. Festung Ziegenhain bedingt, kam es zu Plünderungen
und Pfändungen; dabei waren auch schwedische Truppenteile beteiligt. Die Bauern
der Amtsdörfer, die ohnehin ihre Kontribution nach Amöneburg liefern mußten,
sahen sich gezwungen, auch den hessischen Soldaten in Ziegenhain Geld zu geben,
um sich vor Plünderungen sicher zu sein. Hinzu kommt, daß sich 1641 Not und
Teuerung einschlichen. Die Bevölkerung mußte das Brotgetreide aus Gießen
holen; 1642 wurde es sogar aus Frankfurt beschafft. Diese Notlage machte sich
vor allem in Amöneburg bemerkbar; schon bald war die Stadt nicht mehr in der
Lage, ihren Teil zum Unterhalt der Garnison aufzubringen. Hinzu kommt, daß am
15. März 1641 ein Großbrand in der Stadt gewütet hatte. Doch scheint während
des Jahres 1642 die kaiserliche Besatzung aus Amöneburg abgezogen worden zu
sein. Die Zeit verlief insgesamt ziemlich ruhig. Das wirkte sich auch in den Dörfern
des Amtes aus. "In diesem Jahr hatte
mir der treue liebe gott widerumb bescheret ein pert, zwen Stiern, eine Kuhe,
drei Schwein ...", sagte Kaspar Preis. Lediglich die Stadt Kirchhain
wurde am 23. Juni 1642 von einem Überfall heimgesucht. "Da fiellen die bäste burger auß der Statt hinauß und wolten es inen
wieder abjagen, aber wie die burger in das felt kamen, so seindt sie nicht
Starck genug; die Reutter setzten uff Sie dar uff allen seyten her und werden
den burgern uberlegen, bringen Ihrer umb das leben 16 Persohnen undt verwunden
Ihrer noch viel darzu, den doch viel beser der todt gewesen wehre ...! Das
Jahr 1643 brachte wieder einen Waffenstillstand zwischen dem mainzischen Amöneburg
und dem niederhessischen Ziegenhain. Doch schon am 24. Mai diese Jahres kam die
Hauptarmee der Schweden, die ja Verbündete der Niederhessen waren, unter
General Königsmarck ins Land und errichtete in Kirchhain ihr Hauptquartier. Von
den Truppen, die aus dem Generalstab und 4 Regimentern mit 38 Kompanien
bestanden, wurde der weitaus größte Teil in die umliegenden Ortschaften
einquartiert; davon waren auch verschiedene Amtsdörfer betroffen. Wiederum war
die Not groß, denn der gesamte Unterhalt für die Truppen wurde aus den
Ortschaften herausgepreßt. Als die Lasten für die Bevölkerung immer drückender
wurden, kam es zu Verhandlungen zwischen Königsmarck und den darmstädtischen Räten
in Kirchhain. Darauf verließen vom 19. bis 20. Juni 1643 die Hauptmacht der
Schweden die Gegend. Nachdem am 24. Juli mit dem Abzug des Rochowschen Regiments
aus Kirchhain die letzten schwedischen Truppen die Gegend verlassen hatten,
ergriffen nun wieder die Niederhessen die Initiative. Am 2. November 1643
erschien Generalmajor Geyso mit 24 Kompanien zuPferde und 4 Kompanien zu Fuß
vor der Stadt Kirchhain und verlangte die Übergabe der Stadt. "Aber
die Kirchhainer wolten sie nicht einlasen, dan Sie meineten nicht, das die
hessen Sie würden feindlich angreifen; die nacht aber führeten sie einen
Feuermörschel darfür und schosen ein loch von Einander, wie ein grab".
Darauf öffneten am anderen Morgen die Kirchhainer die Tore und Geyso zog mit 4
Kompanien zu Pferd und 3 Fahnen Fußvolk in die Stadt. Die übrigen Truppen
nahmen in Seelheim, Mardorf und Roßdorf Quartier. Schließlich am 28. Oktober
1644 machten die in Kirchhain liegenden Hessen den Versuch Amöneburg in ihre
Hand zu bekommen. "Sie zogen für den
bergk, doch heimlicher weise, und wolten In einnemen, aber es wolt Inen nicht glücken.
Es war ein überauß ungestümige Nacht von Regen und Windt, vor brausen und
sausen, als in langer Zeit nicht mehr gewesen ist. Es waren das mal nicht viel
Soltaden uff Omeneburgk, uffs allermeiste vierzig, die waren von Mänitz
(Mainz) herauff geschicket. Es musten alle
Nacht 16 man von den Dörffern hinauff undt musten mit den Soltaden undt den
burgern wachen. So kamen nun die Hessen vor den berg in der ungestümige Nacht
undt waren so weidt gekomen, das sie auch das eine Thor geöffnet hatten, das
kleine, da man durchgehet, wan das größere zu ist, nach der Brückermühle zu
(das untere Brücker Tor). So ist eben ein
gutter Soltadt uff dem oberste Thor undt hatt die Schiltwacht. Dieser Soltadt höret
etwan, wen das Gebrauß nicht so groß war des Wetters, als ein gegnäster
(Knistern), er horchet Eygenlicher
(genauer) zu und vernimpt, das da
feindtschafft ist, er ruffet sie an, Sie wolten nicht antworten. Er Thut einen
schuß undt macht lärmen. Sie (die Verteidiger in Amöneburg)
werffen mit Steinen undt mit handtgranaden unter sie, das sie ihre patern (Petarden/Sprengladungen)
nicht könen an die thor schrauben,
sondern wegen des viele Stein werffens musten sie weichen undt abziehen. Es
blieben etliche Hessen todt, viele verwundt; es blieben ligen zwo patern, 10 Ror,
8 hüete, die hebeysen undt ander gezeug, wie auch den Comendanten vom Kirchhain
sein falsch Har vom Kopf (seine Perücke). Ich habe selber von einem Soltaden gehöret, das er sagt, der Teufel söll
in hollen, er hätte gemeinet, es regnet stein vom berg herunter, so wären die
stein umb sie hergesprungen, dan er hatte auch einen Wurf bekommen, das er uff
Krucken ging." Nach diesem Fehlschlag gingen die Niederhessen wieder
zum offenen Kriege über und suchten Amöneburg nach aller Möglichkeit zu
blockieren und einzuschließen. Dazu errichteten sie zwei Schanzen. Die
Belagerung dauerte bis in den Juni des folgenden Jahres hinein; nach Kaspar
Preis insgesamt 33 Wochen und 5 Tage. Schließlich erschien Anfang
Juni 1645 die kurbayrische Armee unter General Mercy im Ohmtal, ein Heer von
5000 Reitern und 4000 Mann Fußvolk und vertrieb die hessischen Belagerer. Die
Hesen zogen ab, hielten aber Kirchhain weiterhin fest in der Hand. Demzufolge
ging die bayrische Armee nun gegen Kirchhain vor; hier hatten sich ca. 900
Niederhessen hinter die schützende Mauer geflüchtet. Die Angriffe der Bayern,
die am 4. Juni in Kleinseelheim ihr Hauptquartier aufgeschlagen, richteten sich
vor allem gegen die Stadtmauer. Schon bald war ein großes Mauerstück
eingeschossen, doch der folgende Sturmangriff wurde erfolgreich abgeschlagen.
Auch weitere Versuche der Bayern, die Stadt in ihre Hände zu bekommen, schlugen
fehl. Nach 8 Tagen erfolgloser Belagerung zog die gesamze bayrische Armee wieder
ab, da aus dem Norden Hessens ein schwedisch-niederhessisches Heer in Stärke
von 14000 heranrückte. Der Aufenthalt des verbündeten Heeres bei Kirchhain
bedeutete für Amöneburg zweifellos eine direkte Bedrohung, doch scheinen diese
Truppen nichts gegen die Festung unternommen zu haben. Im Gegenteil Kaspar Preis berichtete,
daß schon bald nach dem Abzug dieser Armee "wider ein Accord mit der Omenenburg gemacht" wurde, nach
welchem die Stadt und Amt Amöneburg den Niederhessen alle 10 Tage Kontribution
zahlen mußten. Bedingt durch die niederhessische Neutralität blieb es
zumindest um Am,öneburg einigermaßen ruhig. Demgegenüber lasteten die hohen
Kontributionsgelder stark auf den Schultern der Amtsbevölkerung. Die Zahlungen
mußten wöchentlich nach Amöneburg als auch alle 10 Tage nach Kirchhain
geleistet werden. Hinzu kamen noch Lieferungen von Brot, Hafer, Heu und Stroh
sowie ein Wagen Wachtholz für die Garnisonen beider Städte. außerdem
verlangten die Hessen noch allerhand Kriegsfuhren und Vorspanndienste von
Kirchhain nach Ziegenhain. Die
laufenden Zahlungen und Dienstleistungen zehrten natürlich stark an der überwiegend
bäuerlichen Bevölkerung des Amtes. An vielen Orten waren schon bald auch die
letzten Reserven aufgebraucht. Das zeigte die Amtsrechnung in aller
Deutlichkeit. Und wenn Kaspar Preis
davon spricht, daß es im Jahr 1645 "schröcklich
und erbärmlich" zuging, dann entspricht das durchaus der Wirklichkeit.