VI.
[45]  STOCKEBRANDT, CHRISTINA CATHARINA

5. 8.1785 in Werden
Paten: Christina Catharina Stockebrand
Anna Niermann Ludgerus Mallapree'

oo  15. 9.1807 mit Johann Adolph Korten in Werden
* 17. 1.1781
+ 1. 4.1850

18. 6.1859 (73) in Werden
an Altersschwäche 


VII.
[90]  STOCKEBRAND, JOHANN HEINRICH

27. 8.1754 in Werden
Paten: Heinrich Evaradus Duden
Johann Heinrich Bertram
Christina Catharina Lothum

oo  1. 6.1784 mit Maria Gertrud Fiegen in Werden
* 13. 4.1762
+ 20.10.1803
Zeugen: Peter Stockebrand
Ludgerus Stockebrand

Kinder:
Christina Catharina, * 5. 8.1785 Werden
Peter Heinrich, * 18.10.1787 Werden
Anna Gertrud, * 13. 5.1789 Werden
Christina Elisabeth Benedicta, * 6. 2.1790 Werden
Jacob, * 1. 8.1792 Werden
Antonia, * 8. 1.1795 Werden
Caspar Hermann, * 8. 2.1796 Werden
Anna Francisca, * 21.10.1800 Werden
Maria Antonia, * 15. 8.1803 Werden, + 19.10.1804

Stand: Tuchweber in Werden Schützenkönig: 1774

9.10.1808 (74) in Werden an Schwindsucht 


VIII.
[180]  STOCKEBRAND, PETER

12. 6.1710 in Werden
Paten: Peter Potthoff Eberhard auf dem ... siepen
Anna Wusthoff

oo  24. 8.1739 mit Christina Catharina Preuten in Werden
* um 1720
+ nach 1760
Zeugen: Ludgerus Preuten
Ludgerus Schenck

Kinder:
Maria Anna Theresia, * 10. 8.1746 Werden
Anna Catharina, * 11. 3.1749 Werden
Peter, * 26.11.1751 Werden, + 10.10.1785 Werden
Johann Heinrich, * 27. 8.1754 Werden
Johann Ludgerus, * 15.11.1758 Werden, + 31. 1.1794 Werden

Stand: Amtsmeister (1754)

Wohnorte: Gravenstraße (1738, 1756); Brücksträßer Erbnachbar(1757)

25. 5.1767 (56) in Werden 


IX.
[360]  STOCKEBRAND, HEINRICH

20.11.1666 in Werden
Paten: Heinrich Neuhaus Heinrich Hesingck
Catharina Fleken

oo  20.11.1691 mit Christina Sophia Seumanns in Werden
* um 1670
+ nach 1713
Zeugen: Hermann Seumanns 
Johann Dietrich Stockebrand

Kinder:
Christina, * 23.11.1692 Werden
Anna Catharina, * 26. 1.1695 Werden
Catharina Elisabeth, * 12. 1.1698 Werden
Hermann,  8. 8.1700 Werden
Johann Heinrich, * 7.12.1702 Werden
Catharina Elisabeth, * 22. 9.1705 Werden (Mutter als "Hegemann")
Catharina Friedericia, * 16.10.1707 Werden
Peter, * 12. 6.1710 Werden
Anna Catharina, * 28. 2.1713 Werden, oo 30.11.1738 mit Johann Wintgen

Stand: Tuchweber Amtsmeister (1708)

14. 8.1753 in Werden 


X.
[720]  STOCKEBRAND, CASPAR

*  um 1640

oo  um 1663 mit Christina Sonnenschein in Werden
* um 1640
+ nach 1685

Kinder:
Anna Christina, * 16.11.1664 Werden
Heinrich, * 20.11.1666 Werden
Christina Elisabeth, * 23.10.1668 Werden
Johann Theodor, * 1. 6.1670 Werden
Gerardus, * 25. 4.1672 Werden
Catharina Elisabeth, * 13.11.1674 Werden
Anna Margaretha, * 8. 6.1677 Werden
Johann Heinrich, * 6. 3.1678 Werden
Christina Catharina, * 30. 9.1681 Werden
Catharina Margaretha, * 18. 4.1685 Werden

Stand: Tuchweber Neuer Meister (1662) Tuchweber Amtsmeister (1695)

15.3.1705 in Werden 


XI.
[1440]  STOCKEBRAND, WERNER

*  um 1617 in Werden?

oo  um 1638 mit Margaretha N.N. in Werden

+

Kinder:
(fünf zwischen 1640 bis 1650 vermutet)
Caspar, *um 1640 Werden
Christina, * um 1642 Werden

+  nach 1685 in Werden 

Stand: Tuchweber Neuer Meister (1662) Tuchweber Amtsmeister (1695)

 


Anmerkung: Stockebrand = Hofname, Gut in Heidhausen  

Stockebrand (Familienname) - GenWiki

EXKURS
zu Stockebrand, Werden
 

In der Werdener Zeitung vom 4.12.1929 wird die Geschichte der Löwenapotheke, die heute noch besteht und ihre Inhaber beschrieben.

Dort heißt es zur Geschichte des Hauses Ruhrstraße 30 (Apotheke) Heute: Brückstraße nach Mitteilung von Herrn Albert Mittweg:
Das Haus mag annähernd 200 Jahre alt sein. Es ist über einem viel älteren mit einem Tonnengewölbe überspannten trefflichen Kellerraume errichtet worden. Zu ihm leitet ein ganz schmaler Einstieg hinab. Um 1760 befand es sich im Eigentum eines [182] Herm. Fiege, um 1802 einer Familie [180] Peter Stockebrand, danach gehörte es dem Tuchweber [44] Adolf Korten, bis da
ss es 1819 in den Besitz von Benedict Overhamm überging. Unter Peter und nach ihm unter Joh. Heinrich Stockebrand wurde im Hause eine Gastwirtschaft unter dem Namen "Zum roten Ochse" betrieben. Seit vielen Jahrzehnten thront nun aber schon über seiner Haustür der goldene ruhende Löwe mit grimmigem Mähnenkopf.


Stadtbücherei Th 107,9a
Im Jahr 1789 fiel die Getreideernte besonders schlecht aus. Für das Stift Werden drohte allgemeiner Brotmangel, ja geradezu Hungersnot, zumal die benachbarten Staaten, das Großherzogtum Berg und das Reichsstift Essen die Getreideausfuhr bei schärfster Strafe gänzlich verboten hatten. Es erließ deshalb Abt Bernhard am 31. August 1789 ein gleiches Verbot für das Stift Werden. Er ordnete zugleich an, daß einstweilen "das den hohen Fruchtpreis noch immer mehr fördernde Branntweinbrennen bei Strafe von 100 Goldgulden und Konsiskation der gebraucht werden wollenden Kornfrüchte gänzlich einzustellen sei." Die Branntweinbrenner von Werden sollten ihre Helme
(Helm heißt der metallene Aufsatz auf dem Kessel, in dem sich die tropfbar werdenden Dämpfe sammeln) auf dem Rathause und die von Kettwig auf der Kanzlei abliefern und zwar innerhalb 4 Tagen, in welcher Zeit sie den noch vorhandenen Vorrat an Korn brennen könnten. Jedoch sollte ihnen das Brennen "ausländischen" Früchten einstweilen noch gestattet sein, sofern sie "dieses durch obrigkeitliche, glaubwürdige Zeugnisse bewahrheiten und eidlich bestärken könnten." Um die Übertretung des Ausfuhrverbotes und die unerlaubte Branntweinbrennerei möglichst zu hindern, sollten sämtliche Dorf- und Honnschaftvorsteher, die Gerichtsboten und Armenjäger, sowie die Pächter der Ruhrfähren zu Werden, Kettwig, Baldeney und Heisingen angewiesen werden, "genaust zu invigilieren und die Übertreter im Ertappungsfalle mit Aufbietung der nötigen Schützen körperlich sofort zu arrestieren und der Obrigkeit zur Bestrafung zu überliefern." Demjenigen, der einen Übertreter des Verbots auf der Tat ertappe oder sonst glaubhaft zur Anzeige bringen werde, wird der vierte Teil der Strafe und des konfiszierten Getreides zugesagt. Den Übertretern dagegen werden, sofern sie das Strafgeld nicht erlegen können, entweder körperlicher Arrest bei Wasser und Brot oder dem Befinden nach noch härtere Leibesstrafen angedroht. Die abteiliche Verordnung sollte in Werden und Kettwig von der Kanzel verkündet werden und dem Werdener Magistrat die Durchführung der vorgeschriebenen Maßregeln obliegen. Infolgedessen erließ der Magistrat am 4. September 1789 an sämtliche Branntweinbrenner die Aufforderung, künftigen Freitag morgens 9 Uhr ihre Helme auf dem Rathause abzuliefern unter Androhung einer Strafe von 10 Mk. und Abholung der Helme von Obrigkeitswegen. Am 11. September erschienen nicht weniger als 40 Branntweinbrenner aus der Stadt und 7 aus der Vorstadt, von denen 39 erklärten, daß sie gesonnen seien, forthin mit auswärtigem Korn zu brennen und bereit wären, solches zu beschwören.

Unter ihnen war 19.) Heinrich Stockebrand jun. und 23.) [90] Heinrich Stockebrand sen. (Rottmeister)

XXXVII. Heberegister des Hofes Barkhoven. Mitte des 15. Jhs (1455-59)
(Th II 1,20 IIIc) II,290,t,43

.. Stoeckebrand to Heythusen ..

(Beginn 19.Jhs.: Fiege oder Stockebrands Kotten zu Heidhausen.

 

XLIV. Rechnung des Werkamtes auf das Jahr 1427/28
(Th II 1,20 IIIc) II,339,30. 343,13,18.

.. Item Everde van Heythusen van sande to voren. Item Stokebrande, de eme halp, 4 d. ..
.. Stokebrand ind Peter 4 dage steyn helpen laden, je 14 d; gehad 3 1/2 dach, den kallich to beladen, je 14 d.; gevort 3 dage zant, je 3 s.; Hennesken halp den zant laden, dar hey over was 3 dage je 14 d.; Somer gemurt 17 dage an dem pilleren je 5 alb.; dey Haene gemurt 19 dage je 20 d.; Heyneken gemurt 14 dage je 5 alb.; Stokebrant gedregen steyn 13 dage, dsgl. Peter 19, Vorwerck 13 je 14 d.; Hennesken gedregen morter 19 dage je 14 d.; Bertram gedregen steyn ind water 7 dage, je 14 d. ..

 

XLV. Heberegister des Speicheramtes. Aus der Zeit Propst Bertolds von Buren. Ende 14 Jhs.
(Th II 1,20 IIIc) II,349,30.

.. Evert van Heithusen 2 mlr. roeggen, 2 mlr. gersten, 3 1/2 mlr. haveren; Dyderich Stoeckebrant 2 mlr. roggen, 2 mlr. gersten; ..

 

XLVI. Rechnungen des Speicheramtes aus den Jahren 1426-1472.
(Th II 1,20 IIIc) II,355,13. 358,4,35,38.

.. Stakebrand van Heithusen ..
.. item 4 s. 3 d. Stakebrant van Heithusen, dat hey waikede 17 nacht ex parte cappeteli. ..

.. Item Stokebrant van Hethusen op myns hern des krlners berchvrede gewaket von Nicolai bis Ostern, tosamen 19 weken 2 daige myn ind eme ilke nacht gegeven 3 d., dat is de weke 21 d., dat maket ind is kundlich Stokebrant 2 mr. 8 s. 9 d. ..


XLIX. Heberegister der Küsterei. 1431
(Th II 1,20 IIIc) II,413,2.

.. Item Dyderich Stakebrant und sijn dochter Elsken synt behandt an Stakebrant gude toe Heythusen und gelden dairvan 2 pullos ..

 

LIII a. SCHADES REGISTER D. PACHT- U. RENTENGÜTER D. STIFTS WERDEN. aus der Zeit der Klosterreform 1474-1477
(Th II 1,20 IIIc) II,453,t,(39,43). 492,t,18. 513, n,a. 455,26.

.. Dyrick Stockebrant .. beh. des Gruters kotte ..
.. - van sinen gude toe Heithusen-idem est bonum to Heithusen, quod supra in Dir. Stockebrant littera D.
.. idem van sinen gude toe Heithusen, dar he unde sin dochter Else an behandet sint ...
.. darselves Stockebrandes hove, de nu Engelbert Scroder hevet ..

 

LIX. REGISTER DES RENTMEISTERS GORTFRID CARTHUIS. 1488-1497
(Th II 1,20 IIIc) II,598,11,17.

.. Item Bernt Langerbeyns de uno campo an dem Leen teghen Stockebrantz huyse an dem Lene aver gelegen 1 mlr. ro., 2 pu. ...
.. Dirick Stockebrant beh. mit Gruters kotte u. Nolden gut ebenda; ..
.. Item Dirick Stockebrant de agris dictis Braems lant an dem Lene vel Crusebecke 3 mlr. hav., 2 pu. ..

LXIX. Pacht- oder Rentenbuch des Stifts Werden von Abt Heinrich Duden. 1589/90
(Th II 1,20 IIIc) II,725,30. 787,2

.. Ludger der Kuiper to H. u. Fr.: a) Gut to Nederheithusen, co. beh.pa., Mart. Pacht 2 mlr.ro., 2 mlr. ge., 4 mlr. hav., 8 hoe. (einst Weubelen, ouck Staikebrantz gutt) ..
.. Fleynckhuser kaite ebd.: 1 1/2 alb. 1 hoc., beh. Johan Vleinckhuß u. Fr. Vygekaite off Staikebrantzkaite to Heithusen: 3 alb. 1 hoe., beh. Johan Vige u. Fr., Ludgers Vigen voerdochter. ..

 

BEILAGE. EINNAHME DES STIFTES WERDEN AUS ZAHLUNGEN WACHSZINSIGER IN DEN JAHREN 1488-95 UND 1505-7.
(Th II 1,20 IIIc) II,638,1 f.

.. Item Neese Stockebrandz, uxor Johan upen Saell, pro licencia nubendi 9 d. ..


 

EXKURS  
zu Werden

Die Geschichte der Stadt Werden ist mit dem Kloster eng verknüpft. Die Werdener Äbte waren nicht nur geistliches Oberhaupt; sie erlangten um die Mitte des 13. Jhs. auch die volle landesherrliche Gewalt, nachdem ihnen schon 974 das Markt- und Münzrecht und 983 das Recht zuerkannt worden war, den Vogt selbst zu wählen. Der Vogt stand dem jeweiligen Abt in weltlichen Dingen zur Seite; er residierte im "Kastell", einem Gebäudekomplex am heutigen Kastellplatz. Die Herrschaft der Abtei Werden erstreckte sich über die Stadt Werden selbst, das Dorf Kettwig sowie die Honnschaften Kettwiger Umstand, Ickten, Roßkothen, Schuir, Bredeney, Heisingen, Fischlaken, Hamm, Hinsbeck, Rottberg, Heidhausen, Klein-Umstand und Holsterhausen-Süd, ein Territorium, das um 1800 ca. 7.100 Bewohner umfasste.

In der Umgebung Werdens beiderseits der Ruhr lagen die Höfe, die der Abtei meist über einen Oberhof zugeordnet waren. Zu den Oberhöfen gehörten (im benachbarten Heidhausen gelegen) der Kornhof (= Barkhof oder Barkhoven, an der heutigen Barkhovenallee gelegen) und der Viehof oder Hof Viehausen (am heutigen Viehauser Berg). Diese Höfe hatten auch Unterhöfe in Heisingen.

Nach dem Ende der abteilichen Herrschaft und des napoleonischen Zwischenspiels - Werden gehörte hier zum Herzogtum Berg - fiel Werden an Preußen. Aus dem ehemaligen Herrschaftsgebiet der Abtei bildete man die Bürgermeistereien  Werden und Kettwig, die jedoch in einer Personalunion mit einem gemeinsamen Bürgermeister bis 1843 miteinander verbunden blieben. 1857 wurde Werden Stadtgemeinde, bildete jedoch zunächst mit der Gemeinde Werden-Land eine Personalunion mit einem Bürgermeister. 1896 wurden die östlichen Teile der Bürgermeisterei Werden-Land ausgegliedert; sie bildeten die neue Bürgermeisterei Kupferdreh. 1904 erhielt Werden-Land eine eigene Bürgermeisterei. 1915 erfolgte die Vergrößerung der Stadt Werden durch das sog. "Unterbredeney". Dieser Zustand währte bis 1929, als die Eingemeindung von Werden-Stadt und Werden-Land nach Essen erfolgte.

Um das Abteigelände schließt sich halbringförmig das alte Werden mit einem engmaschigen Grundriß an; seine Entstehung ist mit der Abtei eng verknüpft. Nach dem Bau von Kirche und Kloster siedelten sich mit der Zeit Ackerbürger und Gewerbetreibende an. Wegen der abseitigen Lage erreichte der Kaufmannsstand  allerdings keine große Bedeutung. Trotzdem erhielt der Ort im Jahre 964 das Marktrecht und wurde 15 Jh. mit einer Stadtmauer umgeben, die ein weiteres Wachstum zunächst verhinderte. Die Stadttore waren das Heck- und Wigtor im Norden, das Borntor im Südosten (heute: An der Stadtmauer) - Bornstraße (heute: Klemensborn), das Brandtor im Süden und das Ruhrtor im Westen (am Kastellplatz). Von dort führte vor dem Bau der Brücke eine Fähre ans jenseitige Ruhrufer. Zu den Toren kam auch eine "Pforte" im Osten dazu. Daß nur eine Pforte existierte, beweist die Verkehrsungunst  des hier früher feuchten Talraumes; die Straße nach Velbert und Langenberg führte über die trockenen Randhöhen und mündete beim Borner bzw. beim Brandtor in die Stadt ein. Die Stadttore wurden 1808 abgerissen, als Werden durch Napoleon dem Herzogtum Berg eingegliedert worden war.

Wie in vielen mittelalterlichen Städten üblich, waren auch in Werden die Häuser aus Fachwerk erbaut und die Dächer mit Stroh gedeckt. So verwundert es niemanden, dass es bei der dichten Bebauung zu Brandkatastrophen kommen konnte, von denen Werden 1498 besonders betroffen wurde: Die Stadt brannte fast vollständig nieder. Daraufhin wurden die Häuser mit "feuerfesterem" Schiefer gedeckt. Andere Naturkatastrophen  waren das regelmäßig auftretenden Hochwasser. So hatte die "Königsbrücke" aus dem Jahre 1853 mehrere Vorläufer. Die Brückenkonstruktionen wurden aber durch Hochwasser bzw. Eisgang in den Jahren 1533, 1642 und 1750 immer wieder weggerissen, so dass die Werdener zwischen 1750 und 1853 ausschließlich auf eine Fähre angewiesen waren.

Von besonderer Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung Werdens in der neueren Zeit war die Tuchmacherei, die ab dem 15. Jh. bestand. Diese fortschreitende Entwicklung der Tuchweberei wurde durch den dreißigjährigen Krieg (1618-1648) unterbrochen. Im Gegensatz zu den Verhältnissen in Essen hatte wegen der guten Standortbedingungen an der Ruhr, die Spinner- und Webereien in Werden Möglichkeiten zum Fortbestehen. Tuchweber, Tuchscherer und Wollspinner machten den bei weitem überwiegenden Anteil der Bevölkerung aus.

Um 1800 lebte jeder dritte Werdener von diesem Wirtschaftszweig. Im Jahre 1805 bestanden in Werden und Kettwig zusammen 11 Tuchfabriken mit 70 Webstühlen und insgesamt 643 Arbeiter; bis 1815 vergrößerte sich die Anzahl auf 25 Fabriken, von denen allerdings im Laufe der folgenden Jahrzehnte einige wieder aufgegeben wurden. Spinn- und Webmaschinen waren in den Werdener Manufakturen, mit Ausnahme der Baumwollspinnereien, noch nicht eingeführt, während man sie in den Fabriken Kettwigs schon fand. Hier kann man auch von eigentlichen Tuch"fabriken" sprechen, in Werden wurde dagegen noch auf hausindustriellem Wege produziert.

Erst 1804 wurde von den Tuchfabrikanten Forstmann, Huffmann und Dehmer eine "Fabrik" angelegt und zwar wurden die Stallungen und die Wohnungen der Knechte der ehemaligen Abtei zum Fabrikgebäude umgebaut, welche der preußische Staat zur Verpachtung freigegeben hatte. Hier waren jedoch in der ersten Jahren seit Gründung der Firma noch nicht alle Arbeiter untergebracht, sondern wurden zum Teil noch im Hausbetrieb beschäftigt. Dennoch waren dort die ersten Schermaschinen in Betrieb gesetzt worden.

Forstmann stammte aus Burg an der Wupper, einem durch die Fabrikation von wollenen Decken bekannten Ort; Dehmer war aus dem Hessischen eingewandert und trat bereits am 1. Mai 1815 aus dem Geschäft aus, Huffmann war Werdener. Sie hatten vor der Gründung des Werdener Unternehmens in Kettwig eine kleine Fabrik betrieben.

Zu Anfang der französischen Herrschaft bestanden in der Stadt 13 Tuchfabriken, von denen allerdings wie vorher erwähnt, nur das jüngste 1804 gegründete Unternehmen der Firma Forstmann, Huffmann und Dehmer eine Fabrik im heutigen Sinne war. Im Gegensatz dazu wurden die übrigen auch wohl "Tuchmanufakturen" genannt. Die ältesten der bestehenden Manufakturen waren die von Theodor Scholten (gegr. 1757), von Ludger Stockebrand (gegr. 1767) und von Hermann Stockebrand (gegr. 1781).

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts stellte die Tuch- und Kasimirproduktion den wichtigsten Zweig der Textilindustrie in Werden dar und stand im hohen Ansehen. Die Fabrikation des Kasimir, eines leichten, dünnen Diagonalgewebes aus reiner Wolle, war erst 1803 durch die Firma Gebrüder Oules in Werden eingeführt worden.

Nach einer Übersichtstabelle der Werdener Textilindustrie vom 13. Dezember 1805 wird: Unter Nr. 7 die Fabrik von Forstmann, Huffmann und Dehmer mit 6 Webstühlen und 120 Arbeiter aufgeführt. Exportiert wurde die Ware nach dem Norden und nach Holland. Die Rohstoffe wurden aus Sachsen, Schlesien u. Holland eingeführt.

Unter Nr. 9 die Fabrik von Ludger Stockebrand mit 1 Webstuhl und 15 Arbeiter aufgeführt. Exportiert wurde die Ware nach Westfalen und ins Bergische. Die Rohstoffe wurden aus Holland und anderen Länder eingeführt. Unter Nr. 10 die Fabrik  von Hermann Stockebrand mit 1 Webstuhl 15 Arbeiter aufgeführt. Exportiert wurde die Ware ins Münsterische und Bergische. Die Rohstoffe kamen aus Essen. Angemerkt wurde, das Hermann Stockebrand im November 1812 starb. Damit ging seine Fabrik ein.

Die später bedeutendsten Tuchfabriken bestanden am Kastellplatz auf dem Gelände des ehemaligen Kastells (Gebrüder Wiese), weiterhin östlich der Abtei (Forstmann & Huffmann) sowie am Ruhrufer (Feulgen) unterhalb der Neukirchner Schleuse. Die Fabrik der Gebrüder Wiese wurde 1816 gebaut und hatte 1885, 275 Arbeiter. Der Bau der Feulgenschen Fabrik fällt in das Jahr 1868; 1885 besaß das Unternehmen 75 Arbeiter. Dieses Fabrikgebäude ist noch heute erhalten.

Die mit Abstand größte Tuchfabrik war die von Forstmann & Huffmann. Im Jahre 1834 wurde der erste große westliche Flügelbau im Porthofe errichtet und als Weberei in Benutzung genommen. 1836 und 1838 folgten der Nord- und Südflügel. Diesen Bauten folgte dann 1853 die Anlage einer eigenen Gasfabrik und 1854 die Errichtung eines großen Walkereigebäudes, 1865 wurde der ersterwähnte Nordflügel erhöht und durch einen großen Anbau nach Osten hin verlängert, 1867 an Stelle der zu kleinen Gasfabrik eine neue angelegt, 1872 ein Gebäude für Tuchscheererei, 1879 ein Lagerhaus, 1881 ein Decatirhaus sowie ein neues Bürogebäude. Im Jahr 1866 wurden außerdem, getrennt von der Hauptanlage, an der Neu- und Grabenstraße bzw. der Ruhr Gebäude für Wäscherei und Wollsortiererei angelegt, denen sich 1868 auch eine eigene Färberei anschloss. Auch diese Anlage hat in den Jahren 1879 und 1883 durch An- und Aufbauten eine bedeutende Erweiterung erfahren. 1885 waren hier ca. 700 Arbeiter beschäftigt. [10] Clemens Lukas war einer von ihnen seit 1860. Er arbeitete dort bis zu seinem 74. Lebensjahr. Ebenso bei Forstmann & Huffmann beschäftigt, war [8] Johann Peter Gustav Pfeiffer nach dem Zuzug der Familie 1891 nach Werden. Vergegenwärtigt man sich die frühere Einwohnerzahl von Werden (1885: ca. 6.800 Einwohner), so wird die damalige wirtschaftliche Bedeutung des Tuchmachergewerbes deutlich.